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Alles zum Wohle des Patienten?

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Das Team der Zahnarztpraxis Oberweser im Türrahmen
Das Team der Zahnarztpraxis Oberweser unterstützt Dr. Mattmüller kompetent und freundlich und fällt dabei ganz gewiss nicht aus dem Rahmen. © Dr. Mattmüller / Repros: Gitta Hoffmann

Wer seine Zähne lange erhalten möchte, sollte nicht nur zum Zahnarzt gehen, wenn er Schmerzen hat. Die Pflege der Zähne beinhaltet neben dem gründlichen Putzen, geregelter Prophylaxe und regelmäßiger professioneller Zahnreinigung unter Umständen auch die Behandlung von Parodontitis und anderen Parodontalerkrankungen. Seit dem 1. Juli 2021 wurde die PAR-Therapie für Kassenpatienten auf eine neue Grundlage gestellt, nachdem zwölf Jahre darüber beraten wurde.

Ein Grund zur Freude? Auf jeden Fall, erklärt Dr. Andreas Mattmüller, Zahnarzt aus Oberweser.

Bevor die neue Regelung in Kraft trat, musste der Zahnarzt sicherstellen, dass der Patient aktiv in der PAR-Therapie mitarbeitet, so zum Beispiel mindestens zweimal die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung übernimmt und in der Lage ist, die Zähne richtig zu putzen. Erst als sichergestellt werden konnte, dass der Patient willens ist, etwas für seine eigene Gesundheit zu tun, wurden die Kosten für die Reinigung der Zahnfleischtaschen, also die Parodontalbehandlung, von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

„Diese Zahnfleischtaschen gehen jedoch nicht von alleine weg. Der Patient muss auch zukünftig seine Zähne regelmäßig professionell reinigen lassen. Und das für den Rest seines Lebens – oder seiner Zähne“, führt Dr. Mattmüller aus.

Mit Inkrafttreten der neuen Verordnung kann der Zahnarzt sofort für den Patienten einen Antrag bei der Krankenkasse stellen. Entsprechend etwaigen Vorerkrankungen, ob der Patient Raucher ist, unter Diabetes leidet oder von Knochenabbau betroffen ist, nach seiner Lebenssituation oder anderen „Schädigungen“ wird ein Staging, also eine Einschätzung, erstellt. Je nachdem, wie dieses Staging und Grading ausfällt, zahlt die Kasse ein bis drei Kontrolluntersuchungen und die Reinigung der Zähne pro Jahr in den nächsten zwei Jahren.

Dafür sind zunächst ein ATG (parodontologisches Aufklärungs- und Therapiegespräch) und eine MHU (patientenindividuelle Mundhygieneunterweisung) sowie eine AIT (Antiinfektiöse Therapie) notwendig.

Drei bis sechs Monate nach der Parodontalbehandlung erfolgt die BEV (Befundevaluation). Sind immer noch tiefe Zahnfleischtaschen vorhanden, wird der Zahnarzt eine CPT (Chirurgische Therapie) anwenden, um die Behandlung zu intensivieren.

Nach weiteren drei bis sechs Monaten erfolgt eine erneute BEV zur UPT (unterstützenden Parodontitistherapie), bevor anschließend ein neues Staging erstellt wird.

Ist der Patient hilfebedürftig oder kann sich nicht alleine um seine Zahnreinigung kümmern, kann er direkt nach §22a einen Antrag auf Zahnreinigung und Betreuung stellen.

Die Kosten für die PAR-Therapie sollten von den Krankenkassen übernommen werden, da diese erkannt haben, dass die Folgeerkrankungen bei Nichtbehandlung (zum Beispiel Diabetes, Rheuma) deutlich höher sind.

Doch dann hat Gesundheitsminister Lauterbach mit seinem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz die Kosten für die Parodontalbehandlung wieder budgetiert. Dies führt dazu, dass die Mehrkosten für die neue Parodontalbehandlung, je nach Budget des einzelnen Zahnarztes, von den Krankenkassen nicht oder nur zum Teil übernommen werden. Und das, obwohl die zahnärztliche Versorgung inklusive Zahnersatz nur 5,7 Prozent an den Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt entspricht.

In einem offenen Brief der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen heißt es unter anderem:

„Die Präventionsorientierung, die gerade erst einvernehmlich auch mit dem Bundesgesundheitsministerium durch die Einführung der neuen PA-Richtlinie eindrucksvoll unterstützt wurde, gerät zur Farce, wenn Sie jetzt mit diesem Gesetzesentwurf nachträglich die dazu erforderlichen Mittel streichen! Umsonst sind diese Leistungen nicht zu erbringen, die Konsequenzen für die Mundgesundheit unserer Patienten tragen Sie!“

So fasst Dr. Mattmüller zusammen: „Ich kann verstehen, wenn viele Kollegen deshalb ablehnen, eine PAR-Therapie durchzuführen, mit all den negativen Folgen für die Gesundheit der Patienten.“

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Gebiss mit Parodontitisbefall
Parodontitis: Was mangelnde Zahnpflege und Prophylaxe anrichten können, sieht man an diesen Bildern. Das ist nicht nur ästhetisch unschön, sondern schmerzhaft und führt unter Umständen zum Verlust der Zähne. © Dr. Mattmüller / Repros: Gitta Hoffmann
Gebiss mit Parodontitisbefall
Parodontitis: Was mangelnde Zahnpflege und Prophylaxe anrichten können, sieht man an diesen Bildern. Das ist nicht nur ästhetisch unschön, sondern schmerzhaft und führt unter Umständen zum Verlust der Zähne. © Dr. Mattmüller / Repros: Gitta Hoffmann

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