Caldener luden Flüchtlinge ins Ehrstener Dorfgemeinschaftshaus zum Kennenlernen ein

Alltag im Camp entfliehen

Gäste aus Afghanistan: Sozialarbeiterin Christina Pudlich (stehend) hatte mit Kerstin Reinke (Mittte) für Flüchlinge einen Kennenlernnachmittag in Ehrsten organisiert.

Calden. Dass frische Waffeln ein Leckerbissen sind, der auch in anderen Kulturen gut ankommt, konnte man vor Kurzem im Dorfgemeinschaftshaus in Ehrsten erleben. Dort hatte eine kleine Gruppe von Caldener Bürgern einen „Nachmittag der Begegnung“ für Flüchtlinge aus dem örtlichen Lager organisiert.

70 Asylsuchende waren zum Kennenlerntreffen gekommen. „Natürlich war das Interesse an der Veranstaltung riesengroß, doch damit es nicht zu unpersönlich wird, haben wir die Anzahl der Teilnehmer überschaubar gehalten“, sagte Christina Pudlich, die als soziale Betreuerin im Camp arbeitet. Überwiegend Afghanen, aber auch einige Syrer und Iraner waren bei der Zusammenkunft dabei, die von Kerstin Reinke angestoßen worden war.

„Mit dieser Aktion wollten wir ein Signal setzten – zeigen, dass man auch mit geringen Mitteln einiges erreichen kann“, erklärte die Caldenerin, die vor einem Monat die Idee hatte, etwas für Flüchtlinge in der Weihnachtszeit zu tun. Mit 15 weiteren Caldenern hatte sie nicht nur literweise Waffelteig vorbereitet, auch mehrere vegetarische Suppen und jede Menge Obst hatten die Gastgeber mitgebracht. Während die Erwachsenen versuchten, miteinander ins Gespräch zu kommen, vertrieben sich die vielen Kinder die Zeit mit Spielen und Basteln.

Sprachbarriere brechen

„Es ist gar nicht mal so leicht, mit unseren Gästen zu sprechen, denn fast alle können kein Englisch und Deutsch natürlich auch nicht“, bemerkte eine Ehrstenerin. Doch wo ein Wille ist, da findet sich gewöhnlich auch ein Weg. Entweder wurde einer der Dolmetscher zu einem Gespräch hinzugezogen oder man kommunizierte ganz einfach mit Händen und Füßen. „Sehr berührend fand ich auch ein Bild, welches eine junge Afghanin gemalt hatte und worin sie zeigt, wie Taliban Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld erschießen, so Reinke. Auch von anderen Schicksalen konnte man an diesem Nachmittag erfahren: Da erzählte etwa ein junges syrisches Paar, dass sie im Alter von elf und 13 Jahren miteinander verheiratet worden waren und sich nun mit ihrem jungen Kind auf die Flucht begeben hatten.

Natürlich kam der Alltag im Lager immer mal wieder zur Sprache: „Das Essen ist sehr schlecht und wir langweilen uns die meiste Zeit sehr“, äußerte eine 15-Jährige Afghanin, die mit ihrer siebenköpfgen Familie seit drei Monaten im Camp untergebracht ist.

Nachdem die Neuankömmlinge zwei unterhaltsame Stunden in Ehrsten verbracht hatten, wurden vielen zum Abschied Schuhe geschenkt. Aber auch Kuchen und andere Köstlichkeiten gab man ihnen mit. Kerstin Reinke wünscht sich nicht nur Nachahmer, sondern, dass es weitere Zusammenkünfte geben wird.

Von Tanja Temme

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