Analyse: Dinges handelte im Wahlkampf-Endspurt oft unglücklich

Nicht ernst gemeint: Maik Mackewitz (links) und Andreas Dinges sitzen sich Auge in Auge beim Redaktionsgespräch gegenüber. Die grimmigen Gesichtsausdrücke waren aber nur ein Spaß. Beide Wahlkämpfer gaben sich betont fair und freundlich. Fotobearbeitung: Thiele

Calden. Andreas Dinges lässt die Muskeln spielen: Der 50-Jährige posiert in Doppelbizepspose vor einer Abbildung von sich mit den Armen eines Bodybuilders und lacht. Es gibt kaum ein Foto, dass die Situation zu Beginn des Wahlkampfes im Mai so gut beschreibt: Der amtierende Bürgermeister nominierte sich selbst mangels Partei zum Kandidaten.

Eine derartige Inszenierung ist nur bei wenigen Bürgermeistern im Kreisteil vorstellbar. Doch zu Dinges passte es: Denn obwohl der Bürgermeister von seinem Parlament immer wieder Kritik einstecken muss, erfreut er sich in der Gemeinde großer Beliebtheit. Auch der Konflikt um Verkauf, Übertragung und Schließung von Dorfgemeinschaftshäuser und Schwimmbad kratzt nur oberflächlich an seinem Image.

Außerdem fehlt ein Widersacher im Bürgermeisterwahlkampf: Ullrich Meßmer (SPD) wird eine Zeit lang als möglicher Herausforderer gehandelt, doch der frühere Bundestagsabgeordnete winkt ab.

Erst im Juni ändert sich die Situation: Plötzlich sind mit dem Berufssoldaten Maik Mackewitz und dem Physiker Joachim Helmke zwei Mitbewerber da. Dass sie eine Gefahr für Dinges werden können, ist zunächst kaum abzusehen: Helmke fällt im Parlament positiv durch analytische, kluge Beiträge auf, ist aber nicht so stark in Calden verwurzelt. Mackewitz dagegen ist bekannt, aber politisch ein unbeschriebenes Blatt.

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Doch in Juli beginnt die Stimmung zu kippen: Die Vereine haben Post bekommen von der Gemeinde. Sie sollen Sportplätze und Vereinsheime übernehmen, heißt es, um die Gemeinde zu entlasten. Der größte Verein, der TSV JahnCalden, spricht von einer Kriegserklärung. Dieses Schreiben lasten viele Caldener dem Bürgermeister persönlich an.

In den folgenden Wochen beweist Dinges ein unglückliches Händchen: Er verspricht, dass die Mehrzweckhalle und die Dorfgemeinschaftshäuser weiter kostenfrei den Vereinen zur Verfügung stehen - was ihm viele nicht glauben. Er rechtfertigt die Schreiben an die Vereine - bringt mit seiner Formulierung aber den Gemeindevorstand gegen sich auf. Ein Wahlkampfvideo von Dinges bringt schließlich den Vorsitzenden des Gemeindeparlaments, Andreas Reichhardt, dazu, sich wenige Tage vor der Stichwahl kritisch zu äußern.

Dinges merkte man solche Rückschläge nicht an: Stets blieb er der lächelnde Politikprofi - selbst im Angesicht seiner Niederlage. Dass die Attacken an seiner Person nicht abgeprallt sind, zeigte sich erst am Wahlabend in kleiner Runde, in der Tränen flossen. (gör)

Fotos vom Wahltag

Bürgermeisterwahl in Calden

Video vom Wahlabend

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