22-jähriger Student sammelt Schellackplatten aus den Zwanzigern bis Vierzigern

In andere Welten tauchen

Musik mit Hintergrund: Auch die Geschichten hinter den Platten interessieren Andreas Sosna. Hier Autogrammkarten und ein Teil der Sammlung. Foto: Clausen

Immenhausen. Wenn Thomas Andreas Sosna über sein Hobby spricht, können viele seiner Altersgenossen nicht mitreden, denn: Der 22-jährige sammelt Schellackplatten.

Rund 5000 Exemplare haben sich in den vergangenen 13 Jahren angesammelt. Regaleweise füllen sie sein Zimmer, und auch der Wohnungsflur und das elterliche Wohnzimmer müssen als Lagerort für die schweren Scheiben herhalten, die deutlich mehr wiegen als die in den 1950er Jahren eingeführten Vinylplatten. „Meine Mutter hat mir vor einigen Jahren mit Rausschmiss gedroht, inzwischen hat sie es wohl aufgegeben“, erzählt Sosna schmunzelnd.

Besonders interessiert sich der Student der Sozialen Arbeit für internationale Tanzmusik der zwanziger, dreißiger und vierziger Jahre. Auch Kleinkunst wie Filmschlager, Cabaret und Operetten aus dieser Zeit gehören zu seiner Sammlung. Künstler wie die Comedian Harmonists, Theo Lingen oder Lilian Harvey sind Standard, genauso wie der Titel „Grüß’ mir die Heimat mit dem Herkules“ von René Olfen, der die Schönheit Kassels besingt. Und zu jeder Platte kann Sosna eine Geschichte erzählen.

„Es ist einfach faszinierend, dass man die Stimmen von Menschen hören kann, die vor über hundert Jahren gelebt haben - man taucht in andere Welten ein“, beschreibt Sosna die Faszination seines Hobbys. Seine ältesten Platten stammen aus der Zeit zwischen 1893 und 1904. Generell nimmt die Musik einen großen Teil seines Lebens ein. Der gelernte Justizfachangestellte spielt Klavier und Geige und spielt die Lieder auch selbst nach.

Dennoch: Das Hobby bleibt ein Hobby. „Ich bin ganz normal im Leben verfestigt, und wenn sich jemand für das Thema nicht interessiert, lasse ich ihn damit auch in Ruhe“, macht er deutlich.

Nachschub für seine Sammlung - „es geht mir nicht nur darum, die Platten zu besitzen, sondern auch etwas über die Künstler und die Entstehung zu erfahren“, sagt er - bekommt er über Kontakte mit anderen Sammlern, übers Internet und Tauschbörsen. „Manchmal rufen mich auch Leute an, die von meinem Hobby erfahren haben, und bieten mir Platten an“, erzählt Sosna. Der Preis hängt vom Zustand und der Nachfrage ab. Für vielgefragte Exemplare geben Sammler auch schon einmal 300 Euro aus. Das Geld kommt meist durch Verkäufe anderer Platten wieder rein.

Was für Sosna als Neunjähriger mit einer Platte vom Paul Godwin Orchester von 1926 begonnen hat, hat sich zu einem Selbstläufer entwickelt. „Bei einer so großen Sammlung weiß man manchmal schon nicht mehr, welche Platten man genau hat“, sagt Sosna.

Auch im mp3-Player

Seine Platten spielt er übrigens im Regelfall nicht mit dem Grammophon ab, sondern mit einem alten Dual-Plattenspieler: „Die Grammophonnadeln nutzen die Platten schneller ab.“ Und auf seinem mp3-Spieler laufen zum Großteil die digitalisierten Hits vergangener Tage. (pcc)

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