Gesichter des Sensenmannes

Angela Eberhard zeigt Todes-Keramiken in Lippoldsberger Klosterkirche

Totentanz: Angela Eberhard hat in der Klosterkirche Lippoldsberg 15 Doppelskulpturen verschiedener Tode aufgebaut. Bei der Ausstellungseröffnung morgen Abend wird sie nicht dabei sein. Erworben werden können die Arbeiten nicht, die Künstlerin will diese nach ihrer Reise durch Deutschland der Kartause Buxheim spenden.
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Totentanz: Angela Eberhard hat in der Klosterkirche Lippoldsberg 15 Doppelskulpturen verschiedener Tode aufgebaut. Bei der Ausstellungseröffnung morgen Abend wird sie nicht dabei sein. Erworben werden können die Arbeiten nicht, die Künstlerin will diese nach ihrer Reise durch Deutschland der Kartause Buxheim spenden.

Manchmal ist er erlösend, er kann auch überraschend, langwierig oder grausam sein: Für Angela Eberhard ist der Tod einerseits ein „großer Gleichmacher“, andererseits kommt er stets anders daher.

Lippoldsberg - In ihrer Ausstellung in der Lippoldsberger Klosterkirche thematisiert sie die verschiedenen Varianten des Ausscheidens aus dem Leben, zeigt mit Keramikfiguren, wie die Begegnungen mit dem Sensenmann sein könnten.

Bis die Münchnerin das Sujet umsetzen konnte, brauchte es fast zehn Jahre. In dieser Phase näherte sie sich auf vielseitige Weise dem Tod, machte ein Praktikum bei einem Bestatter und ließ sich als Hospizhelferin ausbilden. Eigentlich setzte sie sich seit über 30 Jahren mit dem Tod auseinander, nachdem ein guter Freund gestorben war. „Da mischte sich die Farbe Schwarz in mein Leben“, sagt Eberhard zu dem Prozess, der noch immer anhält.

Jede der 15 Skulpturen besteht aus einer Person und einem Skelett: „Bei mir wird der Mensch nicht von ihm geholt, sondern er tritt aus ihm heraus, denn er ist ja von Anbeginn dabei“. So kann der Betrachter den „schnellen Tod“ als Sozius auf einem Motorrad entdecken. Der „versteckte“ Tod schaut unter dem Kleid einer schönen Frau hervor und der „kleine“ schmiegt sich an den dicken Bauch einer Schwangeren an.

„Zuerst habe ich mich eher den harmloseren gewidmet und bin später dann zu den schlimmeren Toden übergangen“, erklärt die Künstlerin. Damit spielt sie etwa auf den „bösen Tod“ an, wo ein drachenartiges Gerippe einem Knienden versucht, den Hals umzudrehen.

Grundsätzlich ist Angela Eberhard die Anordnung ihrer Figurenpaare in der Ausstellung egal, nur das erste und letzte Exponat sind immer gleich.

So lächelt einem ein freundliches Gerippe auf einem Ei zu Beginn des Rundgangs entgegen und den Abschluss macht die Arbeit „auch Du“, in welcher der Besucher in einen Spiegel blickt, der vom Knochenmann gehalten wird. Das sei eine Art Anstupsen, eine Aufforderung sich doch auch einmal selbst mit dem eigenen Tod zu befassen, erklärt die 59-Jährige. (Tanja Temme)

Info: Die Ausstellung wird am Freitag, 8. Oktober, um 19.30 Uhr eröffnet und ist dann täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Die Finissage ist am 31. Oktober ab 10 Uhr im Gottesdienst.

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