Aber Kunden ziehen immer häufiger in Boomländer

Arbeiten auf engstem Raum: AKG-Kühlsysteme weltweit gefragt

Handarbeit: Viele Kühlanlagen von AKG sind Einzelanfertigungen. Unser Archivfoto zeigt Stefan Melzer beim Schweißen eines Kühlers für eine Baumaschine. Fotos: Pinto/nh

Hofgeismar. Die Produkte der Hofgeismarer AKG-Gruppe sind unscheinbar und meist nicht zu sehen – zumindest nicht auf den ersten Blick. Denn sie verrichten ihre schwere Arbeit meist im Verborgenen.

Die Hochleistungskühlgeräte und -wärmetauscher kommen zum Einsatz in Lokomotiven und Hochgeschwindigkeitsköpfen, in Land-, Bau- und Forstmaschinen, in Industrie-Anlagen und großen Motoren, in Schaltschränken und medizinischen Geräten sowie in Luxusschlitten von Bentley, Porsche, Ferrari und Co.

Aber nicht nur dort. Weltweit werden millionenfach Kondensatoren aus dem Hause AKG in Wäschetrocknern verbaut, spezielle, extrem kompakte Kühlsysteme sorgen auch in den Kühlschränken des Super-Airbusses A380 für die richtige Temperatur.

Zuverlässig kühlen

Ganz gleich, ob wenige Gramm leichte Winzlinge oder 1000-Kilogramm-Schwergewichte: AKG-Produkte müssen oft beengt und unter widrigsten Bedingungen zuverlässig kühlen – ganz gleich ob im kalten Nordeuropa oder heißen Afrika.

Detlef Reinsberg

Die Kühlsysteme sind weltweit gefragt. Aber die Abnehmer sitzen vielfach nicht mehr in Europa. Erzielten die Hofgeismarer Kühlspezialisten 2007 noch drei Viertel ihres Umsatzes in der Alten Welt, lag dieser Anteil im vergangenen Jahr nur bei 54 Prozent und dürfte absehbar unter die 50-Prozent-Marke rutschen – eine Entwicklung, die in nahezu allen Industriezweigen zu beobachten ist.

Die großen Weltmarkt-Unternehmen ziehen mit ihren Produktionen zunehmend in die boomenden Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Russland, und die Zulieferer müssen wohl oder übel hinterher – wegen der Kosten und der notwendigen Nähe zum Kunden.

„Die Welt hat sich dramatisch verändert. Dieser Trend zwingt uns zum Handeln.“

So ergeht es auch der AKG-Gruppe, die aber bereits in den 1980er Jahren erkannte, dass man auf den wichtigen Märkten auch mit einer Produktion präsent sein muss. Zunächst ging es deshalb in die USA, später nach Frankreich, Großbritannien, und zuletzt nach Indien und in die Türkei. In Brasilien suchen die Hofgeismarer derzeit einen Standort für eine eigene Fertigung.

Weniger Arbeit

Doch diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen für das Mutterhaus des 1919 gegründeten Familienunternehmens. Zwar konnte der rückläufige Umsatz in Hofgeismar durch das zunehmende Auslandsgeschäft meist mehr als ausgeglichen werden, aber für Hofgeismar selbst, dem Herzstück der Gruppe, wie Inhaber Hartwig Pietzcker den Standort nennt, bleibt immer weniger Arbeit.

Hartwig Pietzcker

„Die Welt hat sich dramatisch verändert, vor allem in den vergangenen Jahren“, fasst Detlef Reinsberg die Entwicklung zusammen. Er steht gemeinsam mit Pietzcker an der AKG-Spitze. „Dieser Trend zwingt uns zum Handeln“, erklärt er. Wie das genau aussehen soll, wird derzeit beraten. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Erschwert wird die ganze Situation noch durch die laufende Einführung einer SAP-Software zur Produktionssteuerung, die zeitaufwändig ist und erfahrungsgemäß nicht reibungslos verläuft.

Von José Pinto

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