Schulweg ohne Lebensgefahr

Architektin aus Immenhausen hilft beim Brückenbau in Ruanda

+
Alexandra Vocht: Sie setzt sich für die sozialen Belange der Menschen ein, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Die Architektin arbeitet in London. 

Immenhausen. Soziales Engagement kann vielfältig sein. Im Falle von Alexandra Vocht bedeutet es, eine dringend benötigte Brücke in Ruanda zu bauen.

Alexandra Vocht: Sie setzt sich für die sozialen Belange der Menschen ein, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Die Architektin arbeitet in London. Foto: privat / nh

Damit wird der weg zur Schule oder Arbeit für viele Menschen sicherer. Mal eben schnell einkaufen zu gehen, die Kinder zur Schule zu bringen oder einen Arzttermin wahrzunehmen: Für die meisten Menschen gehört das zum Alltag und macht keine größeren Probleme

 Für Menschen in Ruanda sieht das anders aus. Der Fluss Rukubi im Gebiet Ngororeo trennt dort die Ortschaften Karambo und Rabogeshi voneinander. Während der Trockenzeit ist es nicht schwer, den Fluss zu überqueren. Doch während der Regenzeit verwandelt sich das Rinnsal etwa zwei Monate im Jahr in einen reißenden Strom. Der hat im vergangenen Jahr sogar das Leben von zwei Kindern gefordert.

Tatkräftige Unterstützung

Die Wohltätigkeitsorganisation Bridges to Prosperty setzt sich für den Bau von sicheren Brücken in Regionen ein, die nicht aus eigener Kraft dafür aufkommen können. Dafür spricht die Organisation auch Ingenieur-Büros an und bittet sie um ihre finanzielle und tatkräftige Unterstützung. So auch das Ingenieurbüro Price & Myers sowie das Architekturbüro Knight Architects, in dem Alexandra Vocht jetzt seit rund zweieinhalb Jahren tätig ist.

Die Architektin engagiert sich in ihrer Freizeit vielfältig für sozial benachteiligte Menschen. Sie war gern bereit, für diese Aktion eine Woche Urlaub zu „opfern“. Gemeinsam mit zwei Kollegen reiste sie nach Ruanda, um mit sechs Kollegen des Ingenieurbüros nicht nur die Aufsicht zu führen, sondern auch selbst mit anzupacken.

Die Kosten für den Aufenthalt wurden über Spenden finanziert. Das Architekturbüro spendete 15 000 britische Pfund (17 000 Euro) und zudem für jeden der drei Mitarbeiter eine Woche Urlaub. Das Ingenieurbüro spendete weitere 25 000 Pfund (28 500 Euro). Das Geld wurde unter anderem dafür genutzt, vor Reisebeginn Werkzeuge zu kaufen. „Wir wussten, dass wir vor Ort keine Elektrizität haben würden. Deshalb war es notwendig, Geräte mit Akku einzusetzen, die wir immer wieder aufladen konnten“, erklärt Alexandra Vocht.

Die Außenmauern der Widerlager der Brücke standen bereits, sodass das Team sich auf die Errichtung der 70 Meter langen Hängebrücke konzentrierte. Dabei zählte es auf die Unterstützung einheimischer Arbeiter. „Die waren klasse“, sagt Alexandra Vocht. „Die Zusammenarbeit mit ihnen war auch für mich als Frau überhaupt kein Problem.“ Während Werkzeuge und auch das Stahlseil mitgebracht oder bestellt worden waren, kaufte die Gruppe anderes Baumaterial vor Ort.

So einfach wie effektiv: die Konstruktion der Hängebrücke. Wenn sie fertig ist, können Fußgänger sicher den Fluss Rukubi in der ruandischen Region Ngororeo überqueren.

Stahlseil ging verloren

„Das hört sich leichter an, als es war“, berichtet die Architektin. „Das Stahlseil aus den USA ging an der Grenze verloren und kam über Uganda zu uns. Für das Nachkaufen des Holzes war eine Tagesreise notwendig, da man auf den abseits gelegenen Straßen nur im Schritttempo unterwegs sein konnte.“

Nach zwei Wochen harter Arbeit, Gesamtkosten von rund 50 000 Pfund (57 000 Euro) und vor allem viel Engagement wurde die Fußgängerbrücke eingeweiht. Künftig werden mehr als 5000 Menschen von ihr profitieren. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.