Ministerien stellen Pläne infrage

Atommüll-Zwischenlager in Würgassen: Neues Gutachten soll Notwendigkeit klären

Protestaktion: Ein leuchtendes W für Würgassen auf dem Hugenottenturm montiert bei Bad Karlshafen durch die BI Bürgerinitiative atomfreies Dreiländereck.
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Protestaktion: Ein leuchtendes W für Würgassen auf dem Hugenottenturm montiert bei Bad Karlshafen durch die BI Bürgerinitiative atomfreies Dreiländereck.

Die Pläne rund um den Bau eines Atommüll-Zwischenlagers in Würgassen könnten ins Wanken geraten. Ein neues Logistikgutachten soll klären, ob ein Lager überhaupt notwendig ist.

Beverungen/Würgassen - Das Gutachten wurde auf Initiative von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies erstellt wird. Es sei wichtig für die nötige Transparenz gegenüber allen Betroffenen, heißt es in einer Pressemitteilung der Ministerien.

Schon im Sommer soll es Ergebnisse geben. Derweil sorgt die jüngste Aktion einer Bürgerinitiative am Beverunger Weserufer bei der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung für Missstimmung.

Als billigen Aktionismus hat die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung die Aktion der Bürgerinitiative „Lebenswertes Bördeland und Diemeltal“ vom Mittwoch bezeichnet, in der diese (wie berichtet) mit schwimmenden Atommülleimern auf Geologie- und Hochwasserrisiken für das geplante Zwischenlager bei Würgassen hinweisen wollte.

Es sei bedauerlich, dass nun auch diese BI auf Falschdarstellungen statt auf einen faktenbasierten Diskurs setze, erklärte Pressesprecher Hendrik Kranert-Rydzy. Die Bürgerinitiative habe mit ihrer Aktion „völlig grundlos Ängste in der Bevölkerung“ geschürt, denn selbst bei einer Überflutung gebe es keine Sicherheitsprobleme, weil die radioaktiven Abfälle dort hermetisch abgeschlossen verpackt würden. Es würde weder Wasser in die Behälter eindringen noch würden sie wegschwimmen.

Kranert-Rydzy verwies nochmals auf ein Gutachten des Experten Prof. Jürgen Jensen (Uni Siegen), der keine Hochwasserprobleme am geplanten Logistikzentrum Konrad (LoK) festgestellt habe, weil es selbst bei einem alle 1000 Jahre wiederkehrenden Hochwasser nicht von einer Überflutung betroffen wäre. Selbst wenn man die Katastrophenhochwässer von 1943 (Bruch der Edertalsperre) und 1946 (Eishochwasser) addiere, erreichten diese das LoK nicht. Bei einem 10.000-jährlichen Hochwasser würde das Gelände 15 Zentimeter unter Wasser stehen, weshalb die BGZ das Gelände, auf der künftig die Halle des LoK stehen soll, aufschütten werde.

Diese Aufschüttung habe, anders als die „völlig faktenfreie Behauptung der Bürgerinitiative“, keine Auswirkung auf den Hochwasserabfluss. Bezüglich der Ereignisse an der Ahr sei Prof. Jensen nach erneuter Prüfung zum Schluss gekommen, dass auch vergleichbare Starkregenmengen keine Probleme für den Standort darstellten. Der Untergrund stelle laut Kranert-Rydzy keinerlei Hindernis dar, der Flutlehm werde ausgetauscht und Teile des Logistikzentrums würden auf bewährten Rammbohrpfählen gegründet.

Dem hielt in einer Presseerklärung der Vorsitzende der zweiten Bürgerinitiative Atomfreies 3-Ländereck, Dirk Wilhelm, entgegen, dass die offizielle Hochwasserkarte „HQ extrem“ der Bezirksregierung Detmold auf einer angenommenen Ablaufwassermenge von 2332 Kubikmeter pro Sekunde basiere, was dem Pegel eines 1000jährlichen Hochwassers entspreche.

Das Gutachten der BGZ fuße dagegen auf 2880 Kubikmetern, was einem 10.000-jährlichem Hochwasser entspreche. Der daraus abgeleiteten Überflutung von lediglich 15 Zentimetern wolle man allein durch das Gießen der Bodenplatte entgehen, was aber laut Dirk Wilhelm nur für das Areal des ehemaligen Kernkraftwerks gelte, das bereits in den sechziger Jahren aufgeschüttet wurde und nur einen kleinen Teil des geplanten Baugeländes umfasse.

Die BI zieht eine eigene Fotomontage mit der Hochwasserkarte als Beweis heran, dass bereits bei einem 1000-jährlichem Hochwasser nahezu die Hälfte des geplanten Lagers bis zu 50 Zentimeter überflutet würde und andere Anlagenteile bis zu einem Meter.

Als weiteren Beweis nennt Wilhelm, dass vor acht Jahren eine Schaltanlage für das in Würgassen bereits vorhandene Zwischenlager auf einem 1,25 Meter hohen Hügel errichtet wurde. Das zeige, dass es eine Hochwassersicherheit hier nicht so einfach geben werde. (Thomas Thiele)

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