Ausgebüxtes Känguru Pepe ist wieder da

Sababurg. Pepe hat die Ruhe weg. Wie schon bei der Begegnung mit einem Autofahrer am Dienstagmorgen war das entlaufene Känguru völlig entspannt, als es am frühen Donnerstagabend auf dem Vorplatz des Mühlenplatzes in Gieselwerder auftauchte.

Anwohner bemerkten den Ausreißer und hielten ihn fest bis Pfleger aus dem Tierpark Sababurg eintrafen. „Wir sind natürlich sehr froh, dass Pepe wieder da ist“, freut sich Karl Görnhardt, Mitarbeiter der Tierparksverwaltung, und berichtet weiter: „Die Freude beruht auf Gegenseitigkeit. Auch Pepe wirkte hoch erfreut wieder in seinem gewohnten Umfeld und vor allem bei seinen Artgenossen zu sein.“ Er habe dann auch gleich sein Lieblingshaferfutter bekommen und erstmal ausgiebig gespeist.

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Görnhardt war nach dem Anruf über den Fund des Bennett-Kängurus gemeinsam mit einem Kollegen sofort nach Gieselwerder an den Mühlenplatz gefahren. „Dort konnte Pepe dann zu uns in den Kleinbus steigen“, erzählt der Tierparkmitarbeiter. Sein Kollege habe dann mit dem Känguru auf der Rückbank gesessen. So seien sie dann wieder nach Hause in den Tierpark gefahren. Die Tierparkleitung hat weiterhin die Besucherschleuse als Fluchtweg für den Ausreißer im Verdacht, da das Gehege ansonsten keine Mängel aufweist. Gesundheitlich sei der Heimkehrer in bester Verfassung. „Er hat im Reinhardswald sicher gutes Kräutergras gefunden und konnte sich somit gesund ernähren“, vermutet Görnhardt.

Pepe ist jetzt zwei Jahre alt und kann nun wieder mit den anderen fünf Kängurus im Tierpark auf der Wiese herumtollen. Die Kängurufamilie hat auch vor Kurzem Nachwuchs bekommen. Das Jungtier sitzt aber noch im Beutel der Mutter und wird erst in den kommenden Monaten die ersten Hüpfversuche unternehmen. Pepe hat nun Erfahrung mit Langstreckenhüpfen und wird dem Kleinen wertvolle Tipps geben können.

Dass im Park Tiere aus den Streichelgehegen entkommen, ist unterdessen gar nicht so ungewöhnlich, sagt Görnhardt: „Gerade Pinguine und Ziegen wandern schon mal im Parkgelände umher. Pepe war aber das erste Känguru, das entkommen ist.“ Ziegen und Pinguine würden in der Regel von den Besuchern direkt gemeldet, wenn die Pfleger nicht auf die Ausreißer aufmerksam würden. „Die Tiere verlassen den Park eigentlich auch nicht. Ziegen bleiben in der Nähe ihres Futters und Pinguine sind zu langsam, um zu entkommen“, berichtet Görnhardt weiter. Die Flucht ist aber nicht nur Pepe geglückt. Weißkopfseeadler Joker flog einmal während einer Greifvogelschau davon. Ihn fand man in Hann. Münden. (jon)

Pepe am Schwanz festgehalten

Bernd Rossel hatte Pepe gefunden.

Gieselwerder. Es ist Abend und die Dämmerug setzt langsam ein. Noch schnell ein paar Dinge aus dem Anhänger holen, denkt sich Bernd Rossel, der gerade ein Loch auf dem Grundstück von Hildegard Gunkel-Becker aufgefüllt hat. In Gedanken vertieft, öffnet er die Klappe des Hängers, als ihm ein hüpfendes Wesen auf dem Vorplatz auffällt. Ist das wirklich ein Känguru? „Da habe ich mir erstmal die Augen gerieben. Ist ja nicht alltäglich, dass ein Känguru auf dem Hof sitzt“, sagt der 49-Jährige.

Es bestand jedoch kein Zweifel, dass es sich bei dem Besucher um das entlaufene Bennett-Känguru Pepe aus dem Tierpark Sababurg handelte. „Ich bin dann sehr langsam auf das Tier zugegangen, um es nicht zu verschrecken“, erzählt Rossel. Als er nah genug war, schnappte er zu: „Ich habe nach dem Schwanz gegriffen und nicht mehr losgelassen“. Das Tier habe sich dann auch schnell beruhigt und hätte seelenruhig mit ihm auf das Eintreffen der Tierpfleger gewartet.

„Ich habe natürlich gleich beim Tierpark angerufen. Etwa 30 Minuten hat es dann schon gedauert, bis die Pfleger hier waren“, berichtet der Verwaltungsangestellte. Karl Görnhardt vom Tierpark Sababurg war bei der Rettungsaktion dabei: „Wir haben uns sehr gefreut, als der Anruf kam und sind froh, dass Herr Rossel den Pepe so behutsam eingefangen hat.“

Zu hektisches Auftreten hätte für Rossel auch gefährlich werden können, wie Pepes Pfleger, Jörg Schüren, weiß: „Wenn man aufrecht und schnell auf die Kängurus zu geht, dann wird man automatisch als Bedrohung wahrgenommen.“ Bei größeren Kängurus könnte es dann durchaus sein, dass die „Herausforderung“ angenommen wird und es zum Boxkampf kommt. Das sei bei Pepe allerdings unwahrscheinlich. „Die scharfen Klauen hätten aber durchaus zum Einsatz kommen können, wenn Herr Rossel versucht hätte, Pepe hochzuheben“, erklärt Schüren. Diese Klauen könnten einem Menschen tiefe Schnittwunden zufügen.

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Als Anerkennung für den heldenhaften Einsatz gab es vom Tierpark eine Familienjahreskarte für den Tierpark für Rossel. So kann Pepe seinen Retter zum Gegenbesuch zu sich nach Hause einladen. (jon)

Rubriklistenbild: © Tierpark Sababurg

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