Widerstand zieht weitere Kreise

130 Teilnehmer bei Infospaziergang der Grünen zu Atommülllager Würgassen

Mehrere Menschen protestieren gegen das geplante Atommülllager.
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Protest gegen das geplante Atommülllager: Unter den über 130 Teilnehmern waren auch Menschen aus Trendelburg, Bad Karlshafen, Bodenfelde und Uslar.

Viele Menschen protestierten am Samstag gegen das geplante Atommülllager in Würgassen.

Würgassen/Lauenförde/Beverungen – Die Veranstalter hatten mit bis zu 30 Teilnehmern gerechnet, am Ende waren es mehr als 130 Menschen, die am Samstag zum Info-Spaziergang zum Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen mit dem geplanten Atommülllager starteten. Eingeladen hatten die Grünen aus Holzminden/Lauenförde und Höxter/Beverungen. Mit dabei waren auch Interessierte aus Bad Karlshafen, Trendelburg, Uslar und Bodenfelde sowie die beiden Trendelburger FWG-Politiker Gerhard Niemeyer und Tobias Seydler.

Nach dem Autokorso bei der Eröffnung der neuen Weserbrücke am Mittwoch war dies innerhalb einer Woche die zweite große Veranstaltung gegen die Pläne der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), in Würgassen das zentrale Zwischenlager für mittel- und schwachradioaktiven Abfälle aus ganz Deutschland zu bauen.

„Wir freuen uns und sind beeindruckt, dass der Widerstand gegen die Pläne der BGZ immer weitere Kreise zieht“, erklärten die Grünen. Die Region, die seit fast 50 Jahren von der Atomtechnik in Mitleidenschaft gezogen worden sei, „will es sich nicht gefallen lassen, für weitere Jahrzehnte die Hinterlassenschaften dieser lebensfeindlichen Technologie zu tragen“.

Zu ihrem Info-Spaziergang hatten die Grünen auch die Atompolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion Niedersachsen, Miriam Staudte sowie den heimischen Landtagsabgeordneten Christian Meyer eingeladen. Staudte plädierte für die Aufnahme eines völlig neuen Verfahrens zur Standortfindung für das Zwischenlager. Wie die BGZ auf Würgassen als zentralen Standort für solch ein Lager gekommen ist, sei nicht nachvollziehbar: „So etwas darf nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden.“ Auch im Hinblick auf das genehmigte Endlager für mittel- und schwachradioaktive Abfälle Schacht Konrad bei Salzgitter seien Fragen offen.

Christian Meyer erklärte, dass die Grünen Würgassen auch im Landtag in Hannover zum Thema machen werden. Noch tue die rot-schwarze Regierungskoalition und Umweltminister Olaf Lies so, „als ginge Niedersachsen das Thema nichts an. Dabei ist das Land direkt davon betroffen“, machte Meyer klar. Der geplante Standort liege nur wenige hundert Meter von der Lauenförder Wohnbebauung entfernt. Und die Transporte führten über niedersächsische Bahnstrecken und Straßen und bei so viel Transporten seien Unfälle und Störfälle in der Anlage niemals auszuschließen.

Dirk Wilhelm, Vorsitzender der erst vor einigen Wochen gegründeten Bürgerinitiative „Atomfreies 3-Ländereck“, die schon über 200 Mitglieder hat, nahm ebenfalls am Rundgang teil. Er sagte: „Die Standortfindung der BGZ weist gravierende Mängel auf. Die gesamte Planung wirft darüber hinaus massive Fragen auf. Zufriedenstellende Antworten wurden uns in den letzten fünf Kreistags- und Ratssitzungen seitens der BGZ nicht gegeben. Vielmehr scheine man hier nach dem Motto „beschließen, verkünden, verteidigen“ vorzugehen. Dies ähnele mehr einem Diktat über die Köpfe der Menschen und ihren berechtigten Bedenken hinweg, als dass man von Transparenz und Beteiligung sprechen könnte. Es sei deshalb das Anliegen der Grünen, mit Veranstaltungen wie dieser für eine ausgewogene Information der Menschen zu sorgen. Zum Abschluss der Kundgebung vor dem Akw wurde auf die große Einigkeit der Parteien beim Widerstand gegen die Atompläne im Dreiländereck verwiesen. Wenn man weiter zusammenstehe, werde es hier irgendwann die versprochene grüne Wiese geben.

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