1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hofgeismar
  4. Bad Karlshafen

Zwei Extremsportler protestieren in der Weser gegen die Versalzung des Flusses

Erstellt:

Von: Gerd Henke

Kommentare

Am Campingplatz endete für Tobias Prüßner und Tina Deeken die Etappe Bursfelde-Bad Karlshafen.
Am Campingplatz endete für Tobias Prüßner und Tina Deeken die Etappe Bursfelde-Bad Karlshafen. © Gerd Henke

Gegen die Versalzung von Werra und Weser durch den Kalibergbau in Osthessen und Thüringen protestieren seit langem Natur- und Umweltschützer. So auch Schwimmer.

Bad Karlshafen/Bursfelde – Den vielfältigen Protesten haben sich auch Fischereiverbände, Angelvereine sowie Städte und Gemeinden entlang der beiden Flüsse angeschlossen. Und sogar Schwimmer lässt die „Pökelei der Weser“ nicht ruhen.

So ist das alljährliche Weserschwimmen der DLRG-Ortsvereine Oedelsheim, Uslar und Bodenfelde traditionell auch „ein stiller Protest gegen die Weserversalzung“.

Diesem „stillen Protest“ haben sich nun auch zwei Extrem-Sportler angeschlossen. Tina Deeken aus Hannover und Tobias Prüßner aus Lage bei Detmold machen seit letztem Jahr ebenfalls auf das Problem aufmerksam. In mehreren Etappen wollen sie die Oberweser „erschwimmen“. 202 Kilometer sind es insgesamt, die sie bewältigen wollen – von Hann.Münden bis Minden. Vergangenen Freitag schwammen die beiden 26 Kilometer von Bursfelde bis Bad Karlshafen. „Self supported“ wie sie sagen, also ohne technische Begleitung durch Motorboote.

„Angefangen hat alles bei einer Aktion des BUND in Holzminden Ende Oktober vergangenen Jahres“, sagt Deeken. Damals hätte der Umweltschutzverband zu einer Unterschriften-Aktion gegen die Versalzung der Flüsse aufgerufen. Begleitet wurde die Aktion mit einem drei Kilometer langen Weserschwimmen vom Höxteraner Ortsteil Lüchtringen bis Holzminden. „Sauber“, das heißt übersetzt in der Verwaltungssprache der Europäischen Union, dass Gewässer „in einen guten ökologischen Zustand“ überführt werden sollen. Den nämlich schreibt die Wasserrahmenrichtlinie der EU schon seit Jahren vor.

Werra und Weser sind davon allerdings noch weit entfernt. Die Belastung mit Chloriden aus dem Kalibergbau, die das pflanzliche und tierische Leben im Wasser schwer belasten, ist nach wie vor sehr hoch. So lag der mittlere Chloridwert am Werrapegel in Gerstungen 2021 noch bei über 2300 Milligramm pro Liter. Bis 2027 soll er dort auf 1170 Milligramm sinken. Am Weserpegel in Boffzen sollen es dann 295 Milligramm pro Liter sein. Darauf haben sich die Anrainerländer in ihrem Bewirtschaftungsplan der Flussgebietsgemeinschaft (FGG) Weser 2021 geeinigt. Dann hätte die Weser, derzeit vermutlich der salzhaltigste Fluss Europas, in etwa wieder Süßwasserqualität.

Tina Deeken und Tobias Prüßner haben vergangenes Jahr am Weser-Marathon von Rinteln bis Minden teilgenommen, wo das Problem unter den Sportlern auch Thema gewesen sei, sagt Tina Deeken. Tobias Prüßner hatte indes schon vor Jahren an Aktionen von Umweltgruppen in Bad Oeynhausen an der Werre teilgenommen.

Sie schwimmen das ganze Jahr über im Freiwasser und gehören damit auch zur Szene der Eis-Schwimmer. Die beiden Langstreckenschwimmer hoffen, dass „auch unser stiller Protest im Wasser dazu beiträgt, das Bewusstsein für den Schutz der Weser zu vertiefen“. Und damit Politik und Industrie aufgefordert werden, „endlich wirksame Maßnahmen zu ergreifen.“ (Gerd Henke)

Auch interessant

Kommentare