3000 Tonnen in Bewegung

3000 Tonnen in Bewegung: Neue Weserbrücke in Bad Karlshafen ist auf ihrem Platz

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Die neue Weserbrücke in Bad Karlshafen nimmt seit gestern den Platz der alten ein. Die 3000 Tonnen schwere Konstruktion wurde von Hydraulikpressen auf die neuen Pfeiler gezogen. Bürgermeister Marcus Dittrich (von rechts), Landrat Uwe Schmidt und Volker Löber von Hessen Mobil waren zum Start des Querverschubs dabei.

Lässt sich ein 140 Meter langes und 3000 Tonnen schweres Bauwerk an nur einem Tag über eine Strecke von 15 Metern punktgenau verschieben? Klare Antwort: Ja, es geht.

Das wurde am Mittwoch in Bad Karlshafen beim sogenannten Querverschub der neuen Weserbrücke eindrucksvoll demonstriert.

Es beginnt am Morgen gegen neun Uhr. Vier armdicke Zugrohre setzen die Brücke langsam und für den Beobachter unmerklich in Bewegung. Mächtige, an den neuen Brückenpfeilern befestigte Hydraulikpressen sorgen für die erforderlichen Zugkräfte. 

Sechs Stunden für 15-Meter-Strecke

Die Geschwindigkeit beträgt 2,5 bis drei Meter pro Stunde, erklärt Bauleiter Stephan Nolte von Hessen Mobil. Die vier Verschubbahnen, auf denen das Bauwerk einigermaßen geschmeidig gleiten soll, sind mit Edelstahl und Teflon ausgelegt. Für zusätzliche Minderung der Reibung sorgt ein Schmiermittel.

Nach sechs Stunden ist die 15-Meter-Strecke bewältigt. Die neue Brücke ist jetzt genau dort platziert, wo auch die alte Brücke jahrzehntelang die Weser überspannte. Das alte Bauwerk wurde in den vergangenen Wochen komplett abgerissen.

Weil die Karlshafener Brücke Teil einer Kreisstraße ist, ist der Landkreis Kassel auch Bauherr der Brücke. „Wir haben mit dieser Bauweise technisch und logistisch Neuland betreten“, sagte Landrat Uwe Schmidt am Mittwochmorgen zum Start des Querverschubs. Ebenso wie für die Stadt Bad Karlshafen sei es auch für den Landkreis „ein Jahrhundertbauwerk“. Entsprechend groß sei auch die finanzielle Herausforderung gewesen. 

Baukosten doppelt so hoch wie Kreisstraßenetat

Denn die Baukosten von 10,6 Millionen Euro seien doppelt so hoch wie der gesamte Kreisstraßenetat eines Jahres. Doch mit dieser Investition zeige der Landkreis, dass „wir die Infrastruktur im ländlichen Raum ernst nehmen und dafür sorgen, dass wir keine Brücken wegen unterlassener Sanierung sperren müssen“, so Schmidt.

Für die Stadt Bad Karlshafen sei die Weserbrücke das verbindende Element, sagte Bürgermeister Marcus Dittrich. Die Brücke verbinde die Kernstadt mit der Gartenstadt und binde auch den Bahnhof sowie den Weserradweg an die Stadt an.

Am Mittwochmorgen begann der Querverschub der neuen Weserbrücke. Nach sechs Stunden lag das Jahrhundertbauwerk am Nachmittag dann auf seinem festen Platz auf neuen Pfeilern.

Volker Löber, Bereichsleiter Bauen bei Hessen Mobil in Bad Arolsen, wies darauf hin, dass der Bau der neuen Brücke neben der bestehenden alten für die geringste Verkehrsbehinderung gesorgt habe. So habe die Sperrung für den Fahrzeugverkehr auf wenige Wochen begrenzt werden können.

Eigentlich sollte die neue Brücke kommende Woche für den Verkehr frei gegeben werden. Doch das Unwetter am 20. Mai und das anschließende Weserhochwasser setzte das gesamte Baufeld komplett unter Wasser. „Die Bauarbeiten mussten für eine Woche ruhen“, sagt Stephan Nolte. Vorgesehen sei nun, dass der Autoverkehr ab 12. Juli über die neue Brücke rollen kann. Fußgänger und Radfahrer können sie ab heute wieder benutzen.

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