BGZ hat erste Planungsaufträge für Gebäude vergeben - Kritiker haken nach

Atommüll-Logistikzentrum Würgassen: Trendelburg will neues Gutachten zum Baugrund

Der geplante Gebäudekomplex des Atommüll-Logistikzentrums Würgassen in einem Animationsfilm der BGZ.
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Der geplante Gebäudekomplex des Atommüll-Logistikzentrums Würgassen in einem Animationsfilm, den die BGZ im März vorgestellt hat. Im Hintergrund das ehemalige Atomkraftwerk vor dem Waldgebiet.  Screenshot: Jürgen Dumnitz/Quelle BGZ.

Die ersten Aufträge für Detailplanungen sind nun vergeben worden – ein Genehmigungsverfahren ist aber noch nicht angelaufen und die Kritik ist längst nicht verstummt.

Würgassen - So lässt sich die aktuelle Lage zum geplanten Atommüll-Zwischenlager in Würgassen im Dreiländereck zusammenfassen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

Was hat die BGZ aktuell auf den Weg gebracht?

Es seien Aufträge für die Projektierung „aller notwendigen Gebäude“ und der Infrastruktur und die Erstellung der Antragsunterlagen für die Baugenehmigung vergeben worden, teilte die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) mit. Und zwar an die „ARGE LoK Würgassen“, einen Zusammenschluss der Unternehmen „ARCUS Planung+Beratung Bauplanungsgesellschaft Cottbus“, „IPROconsult Leipzig“ und „Schüßler Plan Generalplanungsgesellschaft Berlin“. Diese seien national und international bekannt und etabliert, sagte der Bereichsleiter für das Logistikzentrum Konrad, Dr. Heinz-Walter Drotleff.

In einem Animationsfilm hatte die BGZ im März bereits eine Visualisierung der Gebäude gezeigt. Wurden jetzt weitere Details genannt?

Bei ihrer Vergabe habe die BGZ „besonderen Wert auf eine landschaftsschonende Gestaltung des Gebäudekomplexes gelegt“, sagte Drotleff. Dazu zählten eine „intensive Dachbegrünung“, eine mögliche Staffelung der Dachflächen sowie eine strukturierte Fassadengestaltung.

Die Gebäude sind nur ein Baustein. Wie sieht es mit der Technikplanung für das Großprojekt aus?

Die nun mit der Gebäudeplanung beauftragte ARGE soll laut Drotleffs künftig eng mit dem Technikplaner des Logistikzentrums zusammenarbeiten. Der Abschluss des Vergabeverfahrens für diese Leistung stehe ebenfalls kurz bevor, mit einer Vergabe sei noch im Mai zu rechnen. Der Technikplaner solle unter anderem die Unterlagen für den Antrag nach dem Strahlenschutzgesetz für das Logistikzentrum erarbeiten.

Die Planer sehen sich also auf einem guten Weg. Was aber sagen die Kritiker des Projekts?

Erst kürzlich hatte die Bürgerinitiative „Atomfreies Dreiländereck“ dargestellt, dass ihrer Ansicht nach von Atommülltransporten von und nach Würgassen eine Strahlungsgefahr für Anwohner und Passanten an den Routen ausgehen könnte. Zudem sei der Abstand zu Wohnhäusern zu gering. Und die BI „Lebenswertes Bördeland und Diemeltal“ hatte ebenfalls vor Kurzem zusammen mit dem Geologen Dr. Claus Schubert (Hofgeismar) erklärt, dass der geplante Baugrund in Würgassen geologische Gefahren durch Erdfälle bergen könnte.

Und was hat die BGZ darauf erwidert?

In beiden Fällen hat die BGZ die Kritik zurückgewiesen. Zum Thema Wohnbebauung und Strahlenbelastung erklärte sie, Mindestabstände und Grenzwerte würden eingehalten. Und zum Thema Geologie teilten die Planer nach Rücksprache mit dem eigenen Bodengutachter mit, man nehme solche Eingaben ernst, sehe aber keinen Hinweis auf ein überdurchschnittliches Erdfallrisiko. Im Baufeld sei laut Gutachter „ein gut tragfähiger, kompakter und nicht erdfallgefährdeter, oberflächennaher Untergrund gegeben“. Man werde aber unabhängig von dieser ersten Einschätzung die Hinweise weitergehend prüfen.

Haben diese Erklärungen die Zweifel ausgeräumt?

Nein. Beispiel Baugrund: Aktuell hat sich dazu auch die Stadt Trendelburg, deren Ortsteil Langenthal nur gut drei Kilometer Luftlinie vom geplanten Standort in Würgassen liegt, eingeschaltet. Der Magistrat habe die Geologie-Debatte verfolgt und die BGZ angeschrieben, sagte Bürgermeister Martin Lange der HNA. Nach unserer Berichterstattung und der Presseerklärung der BGZ zum Baugrund habe er sich selbst in den öffentlichen digitalen Karten des Landes Nordrhein-Westfalen informiert. Dabei habe er festgestellt, dass dort eben doch ein Gefährdungspotenzial hinsichtlich Erdfällen vorhanden sei. Damit sei die Pressemitteilung der BGZ in einem wesentlichen Punkt inhaltlich falsch. Da in dem Kartenmaterial in etwa einem Kilometer Entfernung vom Baugrund auch tatsächliche Erdfälle dokumentiert seien, sei auch belegt, dass es sich nicht nur um eine theoretische Gefahr handele.

Welche Konsequenzen fordert der Trendelburger Magistrat?

Der Magistrat der Stadt bittet die BGZ „nachdrücklich“, ein weiteres unabhängiges Gutachten zur geologischen Situation erstellen zu lassen. „Um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, sollten Sie hier den Behörden vor Ort die Auswahl eines Geologenbüros überlassen“, heißt es in einem von Bürgermeister Lange unterzeichneten Schreiben an die Planer. Er warte jetzt auf eine entsprechende Antwort, sagte Lange am Mittwoch gegenüber der HNA. (Matthias Müller)

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