Ratlosigkeit in BI „Atomfreies 3-Ländereck“ nach Rücktritt von Dirk Wilhelm

Widerstand gegen Atommüll in Würgassen verliert bekanntes Gesicht

Pressekonferenz: (von links) Hubertus Hartmann (Beisitzer), Edith Götz (stellvertretende Vorsitzende), Dirk Wilhelm (Vorsitzender) und Prof. Martin Hörning (stellvertrender Vorsitzender) von der BI Atomfreies 3-Ländereck
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Damals noch gemeinsam: Vor der Info-Veranstaltung der BGZ am 22. September in Beverungen gab der Vorstand der BI Atomfreies 3-Ländereck eine Pressekonferenz: (von links) Hubertus Hartmann (Beisitzer), Edith Götz (stellvertretende Vorsitzende), Dirk Wilhelm (Vorsitzender, mittlerweile zurückgetreten) und Prof. Martin Hörning (stellvertrender Vorsitzender).

In der Bürgerinitiative Atomfreies 3-Ländereck e.V. herrscht seit dem Wochenende Ratlosigkeit, in Teilen sogar Entsetzen. Zwei Mitstreiter aus dem Vorstand haben sich zurückgezogen.

Würgassen - Nach dem überraschenden Rücktritt des Vorsitzenden Dirk Wilhelm und der Vereinskassiererin Katrin Meyer am Freitagnachmittag weiß noch niemand zu sagen, wie es mit dem Verein weitergehen wird. Hier ein Überblick über die wichtigsten Eckpunkte:

Der Hintergrund

Gegenüber unserer Zeitung äußerte Dirk Wilhelm am Samstag, dass ihm der Schritt nicht leicht gefallen sei, schließlich habe er sechs Monate lang viel Arbeit, Zeit und Herzblut in den Widerstand gegen die BGZ-Pläne gesteckt. Aber das zerrüttete Vertrauensverhältnis im Vorstand habe ihm und Katrin Meyer keine andere Wahl gelassen. „Um den Verein nicht weiter zu beschädigen, will ich mich weiter nicht dazu äußern“, sagte Wilhelm. Daher wollte er auch keine Namen von Personen nennen, mit denen aus seiner Sicht eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich war. Ob und wenn ja wie er sich im Widerstand gegen das Atommülllager weiter engagieren will, ließ Wilhelm offen.

Die Reaktion im Netz

In sozialen Medien äußern Mitglieder und Sympathisanten immer wieder Unverständnis über die offensichtlichen Querelen und das Zerwürfnis im Vorstand. Denn mit Dirk Wilhelm ist ein Mann zurückgetreten, der als „Gesicht und Stimme des Widerstands“ gegen das von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) geplante Atommülllager für mittel- und schwachradioaktive Abfälle wahrgenommen wurde.

Unterdessen drängen viele Mitglieder im Facebook-Forum der BI auf eine zeitige Erklärung des Vorstandes. Andere wiederum fordern Versammlungen von Mitgliedern und Fördermitgliedern. Die Einschätzung einer Userin wurde mehrfach geteilt: Der Rücktritt von Dirk Wilhelm sei „ein guter Tag für die BGZ“.

Der Vorstand

Auf HNA-Anfrage kündigte die stellvertretende BI-Vorsitzende Edith Götz an, dass der verbliebene Vorstand in den nächsten Tagen eine Stellungnahme zu den Vorgängen abgeben werde. Dann wolle man auch bekannt geben, wie sich der Vorstand neu aufstelle. Die Arbeit gegen das Atommülllager gehe unterdessen weiter. Dazu gehöre auch die Kooperation mit den von der BI beauftragten Gutachtern, dem Verwaltungsrechtler Siegfried de Witt (Potsdam) sowie dem Umweltplaner Prof. Karsten Runge (Hamburg).

Der Rückblick

Wilhelm war es, der schon am 7. März die erste Protestaktion vor den Toren des ehemaligen Akw Würgassen organisiert hatte. Das war nur einen Tag, nachdem die BGZ in einer Pressekonferenz Würgassen als geplanten Standort für ein Logistikzentrum für das Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter verkündet hatte. In den Wochen und Monaten darauf trat der BI-Vorsitzende in den Kreistagen Holzminden, Höxter, Kassel und Northeim auf und erklärte den Abgeordneten, welche negativen Auswirkungen die Pläne für die Region und ihre Menschen aus seiner Sicht haben würden. Auch in Stadträten und Stadtverordnetenversammlungen, darunter in Bad Karlshafen, Beverungen und Uslar, versuchte Wilhelm, die Kommunalpolitiker zu überzeugen. Überall dort, wo er auftrat, verabschiedeten anschließend Parlamente und Räte Resolutionen gegen die Pläne von Bundesregierung und Bundesgesellschaft.

Auch Bundes- und Landtagsabgeordnete aus NRW, Hessen und Niedersachsen solidarisierten sich mit den Zielen der Bürgerinitiative, die sich unter atomfreies-dle.de im Internet präsentiert. (Gerd Henke)

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