So wird Bad Karlshafen immer unattraktiver

Erst Rewe, nun Aldi: Bad Karlshafener protestieren gegen Laden-Aus

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Unterschriftensammlung: In die von Kathrin Opelt vor dem Bad Karlshafener Aldi ausgelegten Listen trugen sich auch Andreas Wendisch (links) und Oliver Ulloth ein.

Bad Karlshafen. Erst machte Schlecker zu, dann Rewe, und nun soll auch noch Aldi schließen. Das wollen viele Bad Karlshafener nicht hinnehmen: Sie protestieren mit einer Petition.

Viele Bürger wollen die Ausdünnung der Nahversorgung in ihrer Stadt nicht länger hinnehmen. Mit einer Petition setzen sie sich für den Verbleib von Aldi am Standort an der Saline ein. Bis Mittwoch hatten schon mehr als 250 Menschen mit ihrer Unterschrift die Forderung unterstützt. 

Seit Jahren ist in Bad Karlshafen die Aufgabe von Geschäften zu beobachten, sagt Kathrin Opelt, Initiatorin der Petition. Das habe dazu geführt, dass immer noch viele Ladenlokale leer stehen und den Ort für Touristen, Kurgäste und Bewohner wie auch für Bürger der umliegenden Ortschaften zunehmend unattraktiv machten. Nach der Schließung der Schleckerfilialen sei 2016 auch das Ende des Rewe-Marktes ohne nennenswerte Gegenwehr hingenommen worden. 

Kathrin Opelt sieht auch den Eigentümer der Flächen und Gebäude, den Göttinger Kaufmann Jony Bassil, in der Pflicht: „Herr Bassil hat als Eigentümer eine Verantwortung, seinen Besitz für das Allgemeinwohl sinnvoll einzusetzen und zu verwalten“, heißt es im Petitionstext. 

Unterschriften gegen Aldi-Schließung in Bad Karlshafen: Initiatorin Kathrin Opelt mit Andreas Wendisch (links) und Horst Brinkmeier.

Bürgermeister Marcus Dittrich und der Magistrat werden in der Petition aufgefordert, „die Verhandlungen mit Herrn Bassil aufzunehmen und ihm nachdrücklich vor Augen zu führen, was seine Pachtpolitik für die Bürger und die Region bedeutet“. Am Donnerstag reichen die Bürger die Petition an den Bürgermeister weiter.

Während Bassil nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, sagte Bürgermeister Dittrich, nach zwei weiteren Gesprächen mit Aldi sei klar geworden, dass der Standort an der Saline zu ungünstig für den Discounter sei und hier sein Modernisierungskonzept nicht ausgerollt werde. „Aldi macht definitiv zu“, sagt Dittrich. Auch der Vermieter sehe, dass „es hier für den Einzelhandel keine Perspektive mehr gibt“. Möglicherweise sei das Gelände für andere Zwecke nutzbar zu machen, so Dittrich.

Erfolg liegt bei 160 Unterschriften

Die Petition „Der Aldimarkt muss bleiben“ wurde auf der gemeinnützigen Internetplattform Open-Petition gestartet. Initiatorin ist die Karlshafener Bürgerin Kathrin Opelt. 

Um eine erfolgreiche Petition zu sein, gibt Open-Petition eine Mindestzahl an Unterschriften vor, das sogenannte Quorum. Das errechnet sich nach der Zahl der Einwohner. Für Bad Karlshafen mit rund 3300 Einwohnern liegt das Quorum bei 160. Die Unterschriften, die als gültig gewertet werden, müssen von Einwohnern stammen. Darüber hinaus haben aber auch viele Bürger der Umgebung bislang die Petition unterschrieben. Das zeige, mit wieviel Aufmerksamkeit und Sympathie die Initiative angenommen werde, sagt Opelt. 

Unabhängig vom formalen Prozess fordert Open-Petition Stellungnahmen von Politikern zu den Begehren ein.

Der Markt ist in Bewegung

Eine Übersicht über die Verteilung der Supermarktketten in der Region zeigt vor allem eine Konzentration in den Kernorten. Manch ein Ortsteil bleibt dabei auf der Strecke. Während beispielsweise in der Kernstadt Hofgeismar gleich vier Ketten Märkte betreiben lassen, gibt es in Hombressen als größtem Ortsteil mittlerweile kein Angebot mehr.

Der Supermarktriese Edeka ist am stärksten in der Region vertreten. Das Unternehmen hat acht Filialen, die als Franchiseunternehmen auch von Menschen aus der Region betrieben werden.

Von Aldibleiben nach der Schließung in Bad Karlshafen zum Monatsende noch drei Filialen im südlichen Kreisteil.

Der Lebensmittel-Vollsortimentertegut aus Fulda betreibt einen großen Markt in Hofgeismar und beliefert den von einer Initiative aus dem Ort betriebenen Dorfladen in Gieselwerder.

Netto, die Discounterlinie von Edeka, ist erst seit wenigen Jahren im Kreisteil vertreten, und zwar mit Filialen in Grebenstein und am Ortsrand von Lippoldsberg.

Die kleineren, von selbstständigen Kaufleuten betriebenen Nahkauf-Märkte, die zu Rewe gehören, sind in Liebenau und Bad Karlshafen vertreten.

Der Rewe-Markt war der erste, der Bad Karlshafen verließ: Seit Oktober 2016 steht das Gebäude an der Saline leer. Der Textildiscounter KIK daneben bleibt vorerst weiter geöffnet.

Der Lebensmittel- und Discountermarkt ist ständig in Bewegung, auch im Kreisteil Hofgeismar gab es schon etliche Neugründungen, Umfirmierungen und Schließungen. Während die großen Ketten sich mit regelmäßigen Umgestaltungen und Sortimentserweiterungen wie Backöfen, Backshops und vergrößerten Obst- und Gemüseangeboten nicht nur gegenseitig Konkurrenz machen, sondern auch den Fachgeschäften wie Bäckereien und Fleischereien, sind andere kleinere Lebensmittelläden vor allem in den Dörfern in den vergangenen Jahren auf der Strecke geblieben. Hier haben fehlende Nachfolger, aber auch mangelnde Kundschaft für das Ende gesorgt, wie beispielsweise in Schöneberg, Eberschütz, Friedrichsfeld, Hombressen, Ehrsten, Stammen, Vernawahlshausen, Lippoldsberg, Gottsbüren.

Was die Kunden durch die oft nur vermeintlich günstigeren Angebote in den großen Geschäften sparen, das haben sie inzwischen durch die längeren Anfahrten mit dem Auto in die großen Geschäfte wieder ausgegeben.

Die großen Handelsketten und Discounter streben mit ihren Filialen heute an die Ausfallstraßen größerer Orte oder zumindest an verkehrlich stark frequentierte innerstädtische Straßen. Immer öfter werden neue Märkte auf der grünen Wiese gebaut. Der Edeka-Markt in Trendelburg ist dafür ein Beispiel. Parkfläche muss ausreichend zur Verfügung stehen.

Das alles hat die Stadt Bad Karlshafen derzeit nicht zu bieten. Der Standort an der Saline, wo bis September 2016 auch ein Rewe-Markt ansässig war, ist ein sogenannter Sackgassen-Standort, der nur von einer Richtung aus angefahren werden kann. Er genügt den Ansprüchen der Handelsketten nicht mehr.

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