Eine Nacht auf der Krukenburg

Bad Karlshafen: Schlafen, wo einst der Riese wohnte

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Mitten auf dem Burggelände befindet sich der Cube, in dem Besucher übernachten können.

Eine Übernachtungserfahrung der besonderen Art kann man noch bis Mitte Oktober in der Ruine der Krukenburg in Bad Karlshafen erleben.

Hier liegen die Reste des Gemäuers, das seit 900 Jahren über den Resten seines berühmten Kloster thront.

Die Firma Sleeperoo, bekannt aus der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“, bietet dort Übernachtungen in einem sogenannten Cube an. Diese sehr stabilen Zelte aus Kunststoff enthalten Stauraum, eine Matratze für bis zu drei Personen und Bettzeug. HNA-Volontär Daniel Seeger hat den Selbstversuch gemacht und eine Nacht alleine in den Ruinen der alten Burg verbracht.

Beim Check-in, der am Eingang zum Burggelände bis 17 Uhr erledigt sein muss, bekommt man eine Box mit kleinen Snacks und Getränken und einen Schlüssel zum Gelände überreicht. Die sanitären Anlagen befinden sich am Kassenhäuschen und bleiben die Nacht über geöffnet.

Ruine der Krukenburg: Ab 18 Uhr ist man allein

Wenn ab 18 Uhr das Gelände für andere Besucher geschlossen wird, ist man allein. Angeblich – so sagt es ein Mythos – soll in der Burg einst der Riese Kruko mit drei seiner insgesamt sechs Töchter gelebt haben, die später selbst Burgen in der Umgebung bauten. Eine von ihnen soll ihre Schwester in der sogenannten „Mordkammer“, in der Nähe der Krukenburg, umgebracht haben. Von Nachkommen Krukos gab es in dieser Nacht aber kein Lebenszeichen.

Vom Cube aus lassen sich durch die Panoramafenster die Umgebung oder der Sternenhimmel beobachten.

Lediglich die Bewohner der Wiesen und Wälder um die Burg hört man mal mehr, mal weniger laut. Unter das Zirpen der Grillen mischt sich immer wieder ein Rascheln aus dem nahen Gebüsch.

Und auch Vögel melden sich zu Wort. Beispielsweise der Kauz, dessen Ruf einst als Vorbote für den herannahenden Tod angesehen wurde und der auch an diesem Abend in der Dämmerung durch die alten Gemäuer hallt.

Um Mitternacht wird alles dunkel

Sobald gegen Mitternacht die Beleuchtung der Burgruine erlischt, wandelt sich die Atmosphäre noch einmal gänzlich. Wer den Nachthimmel der Großstadt gewohnt ist, wird bei klarem Wetter aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen, wenn die Sterne ihre ganze Pracht zeigen.

Durch das Panoramadach des Zeltwürfels hat man beim Einschlafen einen Blick auf tausende Sterne. Wer jetzt noch einmal Licht benötigt, muss von Hand eine dynamobetriebene Handlampe ankurbeln, die zum Zubehör des Cubes gehört.

Zur späten Stunde wird es auch zunehmend kälter und ein leichter Nebelfilm legt sich über das Burggelände. Darauf sollten sich Übernachtungsgäste auf jeden Fall einstellen. Zwei Decken liegen im Cube bereit, aber je nach Wetter ist zusätzliche warme Kleidung sehr zu empfehlen.

Wer möchte, kann sich am Morgen vom Gesang der Vögel wecken lassen. Für alle, die länger schlafen wollen, gibt es Ohrstöpsel, damit auf der bequemen Matratze ausgeschlafen werden kann. Ab 10 Uhr ist das Gelände wieder für Besucher geöffnet.

Info unter sleeperoo.de. Übernachtungen auf der Krukenburg sind noch bis 15. Oktober möglich. Die Kosten betragen pauschal 120 Euro pro Nacht, unabhängig von der Personenzahl im Cube. Das Unternehmen bietet deutschlandweit ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten an.

Hintergrund: Nordhessische Burg mit orientalischen Anleihen

Ein Teil der Burg, die Reste des ehemaligen Kirchengebäudes, existiert schon seit dem Jahre 1126. Etwa 100 Jahre später kamen dann Befestigungsanlagen und Bergfried hinzu. Die orientalischen Wurzeln des runden Kirchenbaus lassen sich noch heute anhand der erhaltenen Gebäudeform erahnen. Der Überlieferung nach wurde der Helmarshäuser Abt Wino im 11. Jahrhundert vom Bischof nach Jerusalem gesandt, um die Baupläne der Grabeskirche zu beschaffen. Weil diese jedoch bereits im Jahr 1009 zerstört wurde, konnte der Abt nur auf Pläne einer anderen Kreuzkuppelkirche zurückgreifen. Er nahm wohl an, dass diese der Grabeskirche am ehesten entsprachen.

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