Pläne für Atommülllager vorgestellt

Bad Karlshafener Stadtverordnete nicht vom Konzept der BGZ überzeugt

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Das stillgelegte AKW Würgassen: Die Stadtverordneten aus Bad Karlshafen überzeugen die Pläne für das geplante Zwischenlager nicht, das dort entstehen soll. 

Seit öffentlich gemacht wurde, dass es im ehemaligen Atomkraftwerk Würgassen (AKW) ein Zwischenlager für Atommüll entstehen soll, sind die Verantwortlichen der Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) in der Region unterwegs, um in den Kommunalparlamenten Rede und Antwort zu stehen.

Bad Karlshafen –  Nun wurden sie im Bürgerhaus Helmarshausen mit den kritischen Fragen der Bad Karlshafener Stadtverordneten konfrontiert. Der Eindruck, den Beobachter bereits bei Veranstaltungen in Höxter, Holzminden und Beverungen gewonnen hatten, dass die BGZ dabei weder Bürger noch die Kommunalpolitiker überzeugen kann, setzte sich auch in Bad Karlshafen fort.

Für fundierte Kritik an den Plänen sorgt dabei auch die Bürgerinitiative Atomfreies 3-Ländereck mit ihrem Sprecher Dirk Wilhelm. Der 47-Jährige, der früher selbst in dem AKW ausgebildet wurde, führt die Standortauswahl von Würgassen auf „eine technokratisch geführte Bewertung zurück, aus der schwerwiegende Mängel resultieren“. So gebe es grundsätzliche große Zweifel an der Notwendigkeit eines zentralen Bereitstellungslagers für schwach- und mittelradioaktiven Müll. Das sei 2002 bei der Genehmigung des Endlagers Schacht Konrad bei Salzgitter auch gar nicht vorgesehen gewesen. Vor allem aber träfen die von der BGZ selbst aufgestellten Kriterien auf Würgassen nicht zu.

So sei das AKW-Gelände in dem Weserbogen hochwassergefährdet, die nächste Wohnbebauung sei weniger als 300 Meter entfernt und die Verkehrsanbindung sei völlig unzureichend. Für die erwarteten Lkw-Transporte und Güterzüge seien weder Straßen noch Schienen ausgelegt, sagte Wilhelm. Zudem liege das Areal auch noch in einem militärischen Tieffluggebiet.

Die Karlshafener Stadtverordneten teilen die Bedenken und Einwände der Bürgerinitiative. Für Karl-Erwin Franz (SPD) hat die BGZ bei der Standortauswahl nach dem Prinzip gehandelt: Es kommt das heraus, was ich haben will, dann wird nur noch beschwichtigt und verteidigt. Franz versteht nicht, warum die BGZ nur Würgassen und nicht noch zwei, drei weitere Standorte untersucht.

Für Claudia Ziegler (CDU) sieht Information und Transparenz anders aus, als die BGZ sie betreibt. Sie erinnert an die touristischen Investitionen, die von einem Atommülllager in Mitleidenschaft gezogen würden. Denn das habe ganz andere Dimensionen als ein normales Lager.

Heike Meinhardt (FWG)empfiehlt, dass die BGZ erstmal ihre 35 bundesweiten Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll aufräumt, um dann die Gebinde direkt zu Schacht Konrad zu transportieren. Auf ihre Frage, was passiert, wenn Strahlung in die Umgebung entweicht, sagt die BGZ, dass dies nicht vorgesehen sei.

Andreas Wendisch (SPD)sagt, dass es logistisch kein Problem sein könne, von den dezentralen Zwischenlagern direkt Schacht Konrad zu beliefern. Das lasse der Stand der Digitalisierung zu. In der Automobilproduktion werde seit Jahren nach dem Prinzip „just in time“ geliefert.

Das sagt die BGZ

Es waren neun Standorte für ein zentrales Logistikzentrum für Schacht Konrad geeignet. Aus wirtschaftlichen Gründen könne nur einer untersucht und für die Genehmigung vorbereitet werden. Angedacht sei für Konrad eine Laufzeit von 30 Jahren, dann sei er mit 303 000 Kubikmeter Fassungsvermögen voll. Wenn Würgassen im Zwei-Schicht-Betrieb arbeiten könne, könne sich die Dauer auf 20 Jahre verkürzen. Das Lager werde so strahlungssicher gebaut, dass am Außenzaun nur die natürliche Strahlung zu messen sei. Die Kosten für den mit 450 Millionen Euro veranschlagten Bau werden aus dem 24,1 Milliarden teuren Fonds bestritten, in den die Energieunternehmen für den Ausstieg aus der Atomenergie eingezahlt haben. 

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