Gutachten zur geologischen Struktur

Baugrund für Atommülllager in Würgassen wird untersucht - 130 Bohrungen geplant

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Bis zu zehn Güterzüge täglich könnten Atommüll von und nach Würgassen transportieren. Unser Bild zeigt im Hintergrund das Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks.

Die Vorbereitungen für das geplante Zwischenlager für Atommüll im westfälischen Würgassen gehen auch in der Coronakrise weiter.

Auf dem für das Logistikzentrum für schwach- und mittelradioaktive Abfälle vorgesehenen Gelände sollen am 18. Mai Erkundungsarbeiten für ein Baugrundgutachten beginnen. Das hat die bundeseigene BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH am Donnerstag mitgeteilt. Dies sei ein erster Schritt für weitere Planungsarbeiten und künftige Genehmigungsverfahren.

Das Gutachten zur geologischen Struktur und Tragfähigkeit des Bodens sei eine wichtige Grundlage für alle weiteren Bauprojekte am Standort. „Auf dieser Basis können die Fundamente sämtlicher Gebäude sowie der Straßen und Bahnanlagen des Logistikzentrums geplant werden“, erklärt die BGZ. Auf dem Gelände sowie dem Bahndamm seien 130 Bohrungen vorgesehen, maximal zehn Meter tief. Die Löcher würden anschließend wieder verfüllt. Die Arbeiten vor Ort sollen voraussichtlich drei Wochen dauern. Die Bodenproben werden im Labor untersucht. Es sollen so auch Erkenntnisse über die Höhe des Grundwasserspiegels gewonnen werden.

Jährlich 10.000 Tonnen atomarer Müll im geplanten Zwischenlager

Als Vorbereitung für die Bohrungen war die Fläche auf Weltkriegsbomben untersucht worden. „Die Bezirksregierung Arnsberg hat diese Kampfmittelfreiheit anhand der Auswertung von Luftbildern Anfang April bestätigt“, teilt die BGZ mit.

Wie bereits berichtet sehen die Planungen vor, dass das Lager auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks 2027 in Betrieb geht. Das Bauwerk aus Stahlbeton soll eine Länge von 325 Meter, 125 Meter Breite und 16 Meter Höhe haben. Die Kosten sind mit 450 Millionen Euro veranschlagt. Etwa 100 Arbeitsplätze sollen entstehen. Eine Größenordnung von jährlich 10.000 Tonnen Atommüll aus 35 deutschen Zwischenlagern soll in dem Logistikzentrum für den Weitertransport in das in Bau befindliche Endlager Konrad umgeschlagen werden. Damit könnten täglich zehn Güterzüge von und nach Würgassen rollen. 

Widerstand gegen geplantes Zwischenlager von vielen Seiten

Gegen die Pläne gibt es im Dreiländereck Hessen/Niedersachsen/Nordrhein-Westfalen breiten Widerstand: von Bürgerinitiativen, Bürgermeistern, Landräten, Bundestags- und Landtagsabgeordneten, über Länder- und Parteigrenzen hinweg. Erst vor Kurzem hatte der Staatssekretär im Umweltministerium, Jochen Flasbarth (SPD), gegenüber der HNA Kritik daran zurückgewiesen, dass man die Öffentlichkeit und die Politik zu spät über die Pläne informiert habe. Diese waren im März von der BGZ vorgestellt worden – zur Überraschung der Region inklusive Amts- und Mandatsträgern.

Auf dem geplanten Baugelände finden nun also schon ab Mai Vorarbeiten statt. Bereits vor Beginn der Bohrungen am 18. würden ab 12. Mai neue Flurstückgrenzen eingemessen, teil die BGZ mit.

Informationsforum der BGZ zu Würgassen unter logistikzentrum-konrad.de/fragen

Kernkraftwerk war bis 1994 in Betrieb

In Würgassen wurde zwischen 1971 und 1994 ein Kernkraftwerk betrieben. Nach der Stilllegung wurde es zwischen 1997 und 2014 für rund eine Milliarde Euro zurückgebaut. Noch immer lagern mehrere Tausend Tonnen schwach- und mittelradioaktiver Abfall auf dem Kraftwerksgelände, die ins Endlager Konrad in Salzgitter gebracht werden sollen, sobald dieses fertig ist. Im März 2020 wurde bekannt, dass in Würgassen ein Logistikzentrum entstehen soll, in dem radioaktiver Abfall für den Weitertransport ins Endlager Konrad vorbereitet und zwischengelagert werden soll.

Inzwischen laufen die ersten Bohrungen für das Atommülllager bei Würgassen.

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