Geplantes Atommüll-Logistikzentrum im Dreiländereck

BGZ veröffentlicht Gutachten: Planer sehen Würgassen bei Hochwasser sicher

An der Weser: Gelände des früheren Atomkraftwerks Würgassen (Gebäude im Vordergrund)
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An der Weser: Auf dem Gelände des früheren Atomkraftwerks Würgassen (Gebäude im Vordergrund) ist ein Logistikzentrum für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll geplant. Das umstrittene Projekt soll bis 2027 fertig sein.

Wie sieht es mit der Hochwassersicherheit des geplanten Atommüll-Logistikzentrums im westfälischen Würgassen nahe der Landesgrenze zu Hessen aus?

Würgassen - Diese Frage hatten Kritiker des im Dreiländereck umstrittenen Projekts in Wesernähe angesichts der Flutkatastrophe in Teilen Deutschlands gestellt. Die Planer haben – nach einer ersten Reaktion – nun ein Gutachten zu diesem Thema vorgelegt, das schon in Arbeit war. Hier das Wichtigste dazu:

Was ist der Hintergrund?

Kurz nach dem verheerenden Hochwasser in mehreren Bundesländern im Juli hatte die Bürgerinitiative „Atomfreies Dreiländereck“ (Internet: atomfreies-dle.de) den Hochwasserschutz am Standort Würgassen als „mangelhaft“ bezeichnet und damit schon zuvor geäußerte Kritik erneuert. Teile des geplanten Baugrundes seien durch aktuelle Kartierungen als „hochwassergefährdet“ ausgewiesen. Eine „gigantische Fläche“ solle daher durch Aufschüttung gesichert werden – das sei aufwendig, teuer und versiegele Flächen. Eine mögliche Pfahlbauweise des Lagers zum Hochwasserschutze stellte die BI zudem als instabil mit dem Szenario eines „Kartenhauses“ dar.

Was sagen die Planer?

Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) legt nun ein Gutachten vor. Man habe es bereits im November 2020 in Auftrag gegeben, heißt es weiter, die Ergebnisse lägen jetzt vor. Es würden derzeit „zahlreiche Behauptungen und Spekulationen“ von Kritikern des geplanten Logistikzentrums (LoK) aufgestellt. Diesen stellt die BGZ das Gutachten gegenüber.

Zu welchen Vorwürfen äußert sich die BGZ konkret?

Zum einen zu der These, dass das geplante Logistikzentrum bei Hochwasser überflutet werde. Die Aussage des Gutachtens laute: „Nein, wird es nicht: Im Gegensatz zu der immer wieder aufgestellten Behauptung befindet sich das ehemalige Kraftwerksgelände und der Baugrund des LoK nicht im Überflutungsgebiet der Weser.“ Bereits die Hochwasserrisiko-Karten des Landes Nordrhein-Westfalen machten deutlich, „dass der geplante Baugrund auch von einer katastrophalen Flut nicht betroffen ist“. Dies werde mit dem Gutachten „des renommierten Hochwasserexperten Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jensen von der Universität Siegen erneut bestätigt“.

Und das gilt laut BGZ auch bei Extremhochwasser?

Die Planer sagen Ja: „Bei einem statistisch alle 100 Jahre wiederkehrenden Hochwasser liegt die zu bebauende Fläche mehr als einen Meter über dem Hochwasser-Scheitel.“ Auch bei einem sogenannten „Jahrtausendhochwasser“ bilde sich lediglich nördlich des Baugeländes eine flache Wasserfläche. Deren Zulauf resultiere aus dem Sicherungsgraben des Kraftwerks. Für Anlagen wie das LoK gelte aber, dass die Sicherheit auch bei einem 10 000-jährlichen Hochwasser zu gewährleisten sei. Bei einem solchen, so ist es im Gutachten zu lesen, läge der Pegelstand „rund 15 Zentimeter über dem umzäunten Kraftwerksgelände“. Die BGZ merkt an, sie wolle selbst für dieses „extrem unwahrscheinliche Szenario“ vorsorgen: „Wir stellen durch Maßnahmen sicher, dass die Oberkante des Fußbodens des LoK mit ausreichendem Abstand oberhalb des 10 000-jährlichen Pegelstandes liegt“, sagte der für das LoK verantwortliche Bereichsleiter der BGZ, Dr. Heinz-Walter Drotleff.

Wie sieht es bei Starkregen-Ergeignissen aus?

Kritiker hatten angemerkt, das LoK könne die Hochwasser-Situation in der Umgebung der Anlage verschlechtern. Auch das weist die BGZ als „Falschbehauptung“ zurück: „Eine von Kritikern unterstellte Dammwirkung des LoK ist aufgrund der Topografie, selbst bei extremen Pegelständen der Weser, ausgeschlossen.“ Richtig sei, dass für das Bauvorhaben Teile des Baugrunds aufgeschüttet würden. Dafür gebe es auf dem Areal selbst Kompensationsmaßnahmen, „sodass die Realisierung des LoK die Hochwassersituation in der Region nicht verändern wird“. Dies schreibe auch der Gesetzgeber so vor. Auch ein Bruch der Edertalsperre hätte, so die BGZ, anders als von Kritikern behauptet keine Auswirkungen auf das Atommüll-Logistikzentrum. Das komplette Gutachten ist einsehbar unter bgz.de/wp-content/uploads/2021/08/Gutachten-zur-Ermittlung-der-Hochwasserstaende.pdf (Matthias Müller)

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