Planer der BGZ weisen „Spekulationen“ zurück

BI wirft Fragen auf: Weitere Pläne für Atommüll-Logistikzentrum Würgassen?

Das ehemalige Atomkraftwerk Würgassen
+
Das ehemalige Atomkraftwerk Würgassen: Auf dem Gelände ist ein Atommüll-Logistikzentrum geplant.

Einen sofortigen Planungsstopp und die Einstellung aller Aktivitäten zu einem „Zentralen Bereitsstellungslager“ in Würgassen: Das hat die Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck in einer Pressekonferenz in der Stadthalle Beverungen gefordert.

Würgassen - Dabei stellte die BI auch die Frage, ob der Standort noch für weitere Atommüll-Lagerprojekte genutzt werden könnte. Das allerdings weisen die Planer der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) als Spekulation zurück.

Die BI hält – im Gegensatz zu den Projektplanern – Würgassen aus mehreren Gründen für ungeeignet für ein Lager, in dem Atommüllgebinde aus ganz Deutschland zur Endlagerung im Schacht Konrad bei Salzgitter gesammelt und bereitgestellt werden sollen (HNA berichtete mehrfach). In der riesigen Dimension des Logistikzentrum Konrad (LoK), wie die BGZ das Lager nennt, deute sich laut BI an, dass Würgassen in Zukunft noch weit mehr sein könne – und zwar „drei Lager in einem“, so BI-Vorsitzender Dirk Wilhelm.

Erstens: ein Logistikzentrum für Schacht Konrad. Zweitens: ein Bundeszwischenlager für die Aufnahme von Müll aus dem einsturzgefährdeten ehemaligen Salzbergwerk Asse II sowie aus der Urananreicherung. Und drittens ein Bereitstellungslager für ein weiteres Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll, das künftig noch gebraucht werde.

Für genau dieses Endlager könnte Nordhessen ausgewählt werden, mutmaßt die Bürgerinitiative. Ein wesentlicher Grund für diese Annahme ist, dass der Raum zwischen Hameln im Norden und Hofgeismar im Süden sowie zwischen Hann.Münden im Osten und Bad Driburg im Westen im Untergrund häufig Salzgestein aufweist. Diese geologische Formation sei optimal geeignet für die Endlagerung solcher radioaktiven Abfälle, sagt Wilhelm.

Vor allem aber liege Nordhessen in unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Bereitstellungslager Würgassen. Für die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), die Würgassen plant und später betreiben soll, könne dies ein entscheidendes Kriterium für die umstrittene Standortauswahl gewesen sein. „Die Belieferung des neu zu errichtenden Endlagers in Nordhessen kann dann direkt aus Würgassen erfolgen“, so die Ansicht von Dirk Wilhelm. Zudem würde damit auch die „Lastenteilung“ erreicht, die die Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen schon vor Jahren vereinbart hatten und die im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD 2017 wieder aufgegriffen wurde.

Diese Teilung könnte laut BI folgendermaßen aussehen: Erstes Endlager Schacht Konrad (Niedersachsen), Bereitstellungslager Würgassen (NRW) und zweites Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll in Nordhessen. Die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Müll, die bis 2030 transparent und mit großer Bürgerbeteiligung laufen soll, bliebe davon unberührt.

Die Sicht der Bürgerinitiative wird von Anwalt Siegfried de Witt (Potsdam) geteilt. „Es drängt sich auf, dass nach einem weiteren Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll in der Nähe von Würgassen gesucht wird“, sagte er bei der Pressekonferenz. Die rationale Planung werde dabei umgedreht: „Das Endlager folgt dem Standort des Bereitstellungslagers.“

BGZ: „Würgassen nur für Schacht Konrad“

„Würgassen ist ausschließlich als Logistikzentrum für Schacht Konrad bestimmt“, sagt Jonas Wingert, von der Pressestelle der BGZ. „Wir weisen jegliche Spekulation zurück, dass der Standort noch für andere Zwecke infrage kommt.“ Wenn Schacht Konrad ab 2027 befüllt werde und nach etwa 30 Jahren die Einlagerungskapazität ausgeschöpft sei, werde auch Würgassen geschlossen. „Dann kann das LoK entweder abgerissen oder von anderen Betreibern für andere Zwecke übernommen werden“, so Wingert auf HNA-Anfrage. (Gerd Henke)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.