Mehr alte Steine bewahren

Diskussion um neuen Gehweg vor Bad Karlshafens Rathaus

Bauleiter Werner Rose vom Planungsbüro fegt neu verlegte Platten frei. Die historischen Regenablaufrinnen (eine vor seinen Füßen) sind ein Streitpunkt.
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Bauleiter Werner Rose vom Planungsbüro fegt neu verlegte Platten frei. Die historischen Regenablaufrinnen (eine vor seinen Füßen) sind ein Streitpunkt.

Vor dem Bad Karlshafener Rathaus soll mehr vom alten Sandsteinplatten-Gehwegbelag erhalten werden als bisher geplant.

Bad Karlshafen - Das ist das Ergebnis eines Ortstermins von Planungsbüro, Bürgermeister und Bauamt mit Vertretern von Heimatverein und SPD, die sogar einen Baustopp gefordert hatten. Grund war das derzeitige Neuverlegen der Platten, das nach Ansicht der Bürger nicht sorgfältig genug erfolgte und erfolgt. Zu viele der alten Platten seien entsorgt und stattdessen mehr neue Platten als nötig verlegt worden, befürchteten sie.

Der aus Hamburg angereiste Bauleiter des zuständigen Planungsbüros, Werner Rose, unternahm mit den Kritikern am Montag einen Rundgang über das derzeit neugestaltete Hafenumfeld. Dabei zeigte sich, dass es laut Bürgermeister Marcus Dittrich im Vorfeld wohl Missverständnisse gegeben habe. Die Baufirma sei angewiesen, so viel wie möglich altes Baumaterial wiederzuverwenden. Es treffe nicht zu, dass die alten Platten herausgebaggert und sorglos aussortiert würden.

Aus Richtung Altes Zollhaus seien nur neue Platten verlegt worden, was früheren Absprachen hinsichtlich des Denkmalschutzes widerspreche, hatte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Karl-Erwin Franz gesagt.

Nur einwandfreie Platten nutzen

Werner Rose erklärte daraufhin, dass man die Platten sehr sorgfältig prüfe und zunächst zwischenlagere. Aus Sicherheitsgründen und wegen der Gewährleistung beim Wiedereinbau könne man aber nur einwandfreie Platten nutzen. Es seien leider bei etlichen alten Sandsteinplatten Teile abgeplatzt, Schichten hätten sich abgelöst oder Risse gebildet. Eine Mindestdicke sei nötig, damit nicht in Kürze erneute Reparaturen nötig würden.

Während der Arbeiten hatte sich gezeigt, dass der Anteil beschädigter Platten größer war als zunächst angenommen – nicht 30 sondern etwa 50 Prozent müssen durch neue ersetzt werden. Rose sagte zu, dass man bei der Prüfung der alten Platten etwas mehr Spielraum einräumen werde, um mehr wiederverwendbare zu finden. Unter anderem waren nicht alle alten Platten rechtwinklig, sodass das Neuverlegen schwierig wird. Etliche Platten, auch solche mit abgeplatzten Ecken beispielsweise, werden neu geschnitten und dadurch kleiner als bisher. Zugunsten des historischen Erscheinungsbildes sollen links und rechts des Rathauseingangs symmetrisch gleich große Gehwegflächen mit historischem Material gestaltet werden, erst daran anschließend würden neue Platten verlegt.

Regenablaufrinnen seien einzigartig

Einen besonderen Blick will man auch auf die historischen Regenablaufrinnen im Bodenbelag haben, die an den Fallrohren der Häuser beginnen und das Wasser weiterleiteten. Sie seien einmalig und wurden als bedeutendes historisches Wahrzeichen der Stadt bewundert, wie SPD und Heimatverein betonten. Leider fehlten schon einige dieser Rinnenstücke, unter anderem, weil sie bei einer früheren Neuverlegung am Alten Zollhaus „völlig sinnlos“ als normale Gehwegplatten verlegt worden seien. Sie sollen wieder an alter Stelle platziert werden. Da eine Nachfertigung problematisch sei, hoffe man, möglichst viele der alten Rinnen retten und wieder verlegen zu können, hieß es.

Auch an der gegenüberliegenden Hafenseite vor dem Hugenottenmuseum soll versucht werden, eine möglichst historische Ansicht wieder herzustellen. (Thomas Thiele)

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