BI sieht Probleme für Planung in Würgassen

Gefahr im Untergrund? Geologe kritisiert Standort für Atommüll-Logistikzentrum

Die Bürgerinitiative Lebenswertes Bördeland und Diemeltal (von links) Heinrich Wenisch, Hubertus Hartmann, Josef Jacobi, Edith Götz, Prof. Martin Hörning und Rainer Mues.
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Die Bürgerinitiative Lebenswertes Bördeland und Diemeltal hat einen Arbeitskreis zum Thema Atommülllager Würgassen ins Leben gerufen. Teilnehmer sind (von links) Heinrich Wenisch, Hubertus Hartmann, Josef Jacobi, Edith Götz, Prof. Martin Hörning und Rainer Mues.

Der Widerstand gegen die Pläne von Bundesregierung und der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen das zentrale deutsche Zwischenlager für mittel- und schwachradioaktive Abfälle zu errichten, weitet sich aus.

Würgassen/Herstelle - Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Bördeland und Diemeltal“ hat jetzt einen Arbeitskreis gebildet, der sich mit den Gefahren beschäftigt, die sich für die Region des Dreiländerecks durch das geplante Atommülllager ergeben würden.

Der Arbeitskreis, der sich am Donnerstagmorgen unter medialer Begleitung auf der Burg Herstelle der Öffentlichkeit vorstellte, sieht vor allem große geologische Gefahren, die mit der Realisierung des Vorhabens verbunden sein könnten.

Der Geologe Dr. Claus Schubert (Hofgeismar) erklärte, dass der Oberweserraum – und damit auch Würgassen – eine durch Erdfälle gefährdete Region ist. Die bekanntesten Beispiele dafür seien der Große und der Kleine Wolkenbruch bei Trendelburg. Grund für solche Erdeinbrüche (Dolinen), von denen niemand weiß, wann sie eintreten, sind tief liegende wasserlösliche Gesteinsformationen mit Salz- oder Gips-Bestandteilen. Werden nun Salz oder Gips mit der Zeit ausgewaschen, entstehen Hohlräume. Über solchen Subrosionen, wie sie in der Fachwelt heißen, können die Deckschichten nachgeben und einbrechen. Es entsteht ein Erdfall.

Mit Probebohrungen, wie sie die BGZ im vergangenen Jahr beauftragt hatte, können solche Geo-Risiken in der Tiefe nicht erkundet werden. Die Bohrungen gingen nur 20 bis 30 Meter tief, so der Geologe. Schubert, der selbst öffentlich vereidigter Sachverständiger ist, kann nicht verstehen, warum das BGZ-Gutachten zum Baugrund auf solche Risiken mit keinem Wort eingeht. „Das ist völlig unzureichend bewertet.“ Es sei fraglich, ob diese möglichen Gefahren bautechnisch beherrschbar seien.

„Das Bauwerk hat ein Gefährdungspotenzial für Grundwasser, Bodenluft und damit für Generationen von Menschen.“ Der Terminus in der Fachwelt dazu laute „Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit“. Dem BGZ-Gutachten spricht der Geologe die notwendige Fachlichkeit und Aussagekraft ab. Schuberts Urteil ist vernichtend: „Das Gutachten ist oberflächlich und entspricht nicht den anerkannten Regeln der Technik.“

Für den Geologen ist die Standortwahl für Würgassen politisch motiviert. „Das ist aus Berliner Sicht ein abgelegener Standort, der in der Hoffnung ausgewählt wurde, dass sich die Menschen hinter den Landesgrenzen schnell damit abfinden. Sie mussten ja über Jahrzehnte mit dem Atomkraftwerk Würgassen leben.“

Das Thema der Geo-Risiken will der neue Arbeitskreis der BI weiter vertiefen. Neben den Vorstandsmitgliedern Josef Jacobi und Rainer Mues wirken dabei auch Gründungsmitglieder der BI Atomfreies 3-Ländereck, Professor Martin Hörning, Edith Götz, Hubertus Hartmann und Heinrich Wenisch, mit.

Gutachten der Planer im Netz

Die BGZ hatte selbst Probebohrungen anfertigen lassen (siehe oben) und bereits im September vorigen Jahres ein Baugrundgutachten zum Standort Würgassen veröffentlicht. Dieses ist komplett unter logistikzentrum-konrad.de einsehbar. Dort haben die Planer auch ein standortspezifisches Konzept verlinkt. Die BGZ hat angesichts wiederholter Kritik mehrfach betont, dass sie den Standort Würgassen für das Projekt weiterhin für geeignet hält. (Gerd Henke, Matthias Müller)

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