BGZ-Gutachter sieht kein erhöhtes Risiko für Erdfall

Geologische Gefahren? Würgassen-Planer weisen Kritik zurück

Das Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Würgassen.
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Das Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Würgassen: Hier soll das Atommüll-Zwischenlager entstehen.

Drohen dem geplanten Großprojekt eines Atommüll-Logistikzentrums in Würgassen geologische Gefahren aus dem Untergrund? Die Projektplaner weisen diese Kritik zurück. Es bestehe kein erhöhtes Risiko.

Würgassen - Bis 2027 soll das Projekt in dem Beverunger Stadtteil umgesetzt sein, sehen die Planungen der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) vor. Hier der Überblick über die jüngsten Ereignisse:

Die Bürgerinitiative

Bei einem Pressetermin am Donnerstag hatte die Bürgerinitiative „Lebenswertes Bördeland und Diemeltal“ erklärt, dass aus ihrer Sicht große geologische Gefahren mit dem Bauvorhaben in Würgassen verbunden sein könnten. Der Geologe Dr. Claus Schubert (Hofgeismar) erklärte, dass der Oberweserraum – und damit auch Würgassen –eine durch Erdfälle gefährdete Region sei. Dabei brechen, vereinfacht gesagt, Teile der Erdoberfläche wegen Hohlraumbildungen in tieferliegenden Schichten nach unten weg und hinterlassen einen Krater. Diese Risiken sieht Schubert in einem Gutachten der Planer nicht ausreichend bewertet.

Die Planer

Die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), die das Projekt in Würgassen planen und umsetzen soll, kommt nach Rücksprache mit ihren eigenen Gutachterrn zu einem völlig anderen Schluss als die Kritiker. „Im Bereich des geplanten Logistikzentrums besteht nach aktuellen Untersuchungen sowie der Auswertung amtlicher Daten kein Verdacht auf ein überdurchschnittliches Erdfallrisiko“, heißt es in einer Pressemitteilung, die die BGZ am Freitagnachmittag verschickt hat. Unabhängig von dieser ersten Einschätzung werde die BGZ die Hinweise einer weitergehenden Prüfung unterziehen.

Man habe umgehend den Gutachter kontaktiert, der das BGZ-Gutachten erstellt habe: die „Schnack Ingenieurgesellschaft – Institut für Geotechnik“. Diese erklärte laut BGZ dazu unter anderem: „Nach der Erdfallgefährdungskarte des Landes Niedersachsen liegen die nächstliegenden bekannten Zechsteinhochlagen, in denen potenziell mit einem erhöhten Erdfallrisiko zu rechnen ist, erst in rund 25 Kilometer nordöstlicher Distanz.“

Der Baugrund bestehe, so das Institut, „nach unseren gesicherten Erkenntnissen bis rund 80 Meter unter Gelände aus quartären Flussschottern, unterlagert von Sandstein des Mesozoikums (Buntsandstein), die beide nicht als erdfallgefährdete Schichten einzustufen sind“. Die Mächtigkeit der Buntsandsteinschichten betrage damit mindestens mehrere Zehnermeter.

Dadurch, so die BGZ-Gutachter, sei „im gesamten Baufeld ein gut tragfähiger, kompakter und nicht erdfallgefährdeter, oberflächennaher Untergrund gegeben“. Tiefer im Erdreich würden die Buntsandsteinschichten von teils salzhaltigen Gesteinen des Zechsteins unterlagert, die unter ungünstigen Verhältnissen bei Wasserzutritt durch Auswaschung Hohlräume bilden könnten. Doch das Risiko für Lösungsvorgänge sei wegen der Tiefenlage grundsätzlich als gering einzustufen, lautet die Einschätzung des Instituts.

Das Gutachten

Die BGZ hatte Probebohrungen anfertigen lassen und bereits im September ein Baugrundgutachten zum Standort Würgassen veröffentlicht. Dieses ist unter logistikzentrum-konrad.de einsehbar, ebenso wie die komplette Antwort der Planer auf die Kritik zu möglichen geologischen Gefahren. (Matthias Müller)

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