Hochwasserfrage weiter im Blickpunkt

Atommüll-Logistikzentrum Würgassen: Flutdiskussion ebbt nicht ab

Grafik der  Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) zur Hochwassersicherheit für geplantes Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen
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So schätzen die Planer die Lage ein: Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) sagt, das geplante Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen (dunkelgraues Gebäude, hellgrau das alte AKW) wäre auch bei extremem Hochwasser sicher. Die BI Atomfreies Dreiländereck widerspricht und verweist auf Aussagen, die ein BGZ-Gutachter allgemein nach den jüngsten Flutereignissen in Deutschland getätigt hat. Grafik: BGZ/nh

Während in den Flutgebieten in Deutschland das Aufräumen auch einen Monat nach der Katastrophe weitergeht, ebbt im hiesigen Dreiländereck eine Diskussion zum Thema Hochwasser nicht ab.

Würgassen - Die Frage dabei: Wie ist es um die Hochwassersicherheit für das geplante Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen bestellt? Die Planer von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) sagen, der Standort sei selbst bei extremen Flutereignissen sicher und führen ein Gutachten ins Feld. Gegner des Projekts zweifeln hingegen die Hochwassersicherheit an – und benennen ausgerechnet den BGZ-Gutachter als eine Art Kronzeugen. Hier die Einordnung der jüngsten Debatte:

Die BGZ

Die Diskussion um den Hochwasserschutz für das Großprojekt Atommüll-Logistikzentrum ist nicht neu. Sie war schon kurz nach der öffentlichen, und für die Region überraschenden Bekanntgabe der Pläne im März 2020 aufgekommen. Neu entflammt, wenn man das beim Thema Hochwasser so sagen darf, ist sie angesichts der verheerenden Bilder aus den deutschen Katastrophengebieten nach der Flut im Juli (HNA berichtete).

Die BGZ bezeichnete die Äußerungen von Kritikern dabei als „Spekulationen und Behauptungen“. Mit Berufung auf ein Gutachten, das sie selbst in Auftrag gegeben hatte und am 9. August in einer Mitteilung mit dem Titel „Gutachter: Hochwasser kein Problem am geplanten Logistikzentrum“ öffentlich machte, erklärte die BGZ, dass das geplante Baugelände sicher vor Hochwasser sei. Das gelte auch für Extremereignisse wie 100-jährliche oder 1000-jährliche Hochwasser.

Sogar bei einem 10 000-jährlichen Hochwasser könne man, wie bei einem solchen Projekt gefordert, die Sicherheit durch bauliche Maßnahmen gewährleisten, sagte der für das Logistikzentrum verantwortliche Bereichsleiter der BGZ, Dr. Heinz-Walter Drotleff. Die Sicherheit des Baugrundes auch bei einer „katastrophalen Flut“ werde mit dem Gutachten des „renommierten Hochwasserexperten Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jensen von der Universität Siegen erneut bestätigt“. Dieses 68-seitige Papier, im Internet einsehbar unter bgz.de oder zu.hna.de/gutachten, hatte die BGZ schon am 6. November 2020 in Auftrag gegeben. Die fertige Fassung datiert auf den 12. Juli – also noch vor der Hochwasserkatastrophe am 14. Juli.

Die Bürgerinitiative

Genau an diesem Punkt setzt die erneute Kritik der „Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck“ (Internet: atomfreies-dle.de) an. Es sei wichtig festzuhalten, „dass die Erstellung des Gutachtens laut Datum vor dem Hochwasser erfolgte, und nicht danach“, schreibt BI-Vorsitzender Dirk Wilhelm in einer Pressemittelung. „Denn seitdem dürfte für derartige Bewertungen eine neue Sichtweise der Dinge unausweichlich sein.“

Dabei führt die BI ein Interview an, das BGZ-Gutachter Jürgen Jensen am 15. Juli dem Deutschlandfunk gegeben hat (Quelle: deutschlandfunk.de) – wohlgemerkt mit Blick auf die gerade einen Tag zurückliegenden Flutereignisse und nicht mit konkretem Bezug auf das Würgassen-Projekt. Jensen sagte dabei wörtlich: „Die Hochwasserwarndienste kann man verbessern, es gibt also eine Summe von Maßnahmen, die aber vermutlich alle nicht gut genug sind, um so etwas gänzlich zu vermeiden.“ Und er fügte hinzu: „Man muss einfach ganz grundsätzlich festhalten, dass das Risiko für solche Ereignisse eigentlich für jeden Standort in Deutschland gilt. Es kann immer mal wieder eine solche Wettersituation auftreten.“

Das greift BI-Sprecher Wilhelm nun auf – und auch Jensens Aussagen, wonach man durch den Klimawandel häufiger mit solchen Extremereignissen rechnen müsse und „gefährdete Bereiche eben nicht so intensiv bebauen“ sollte. Da die BI den Standort Würgassen – anders als die BGZ – ohnehin als genau das, nämlich durch Hochwasser gefährdet, einstuft, bleibt auch ihre Schlussfolgerung eine gänzlich andere als die der Planer: „Die Ergebnisse der Hochwasserstudie für den Standort Würgassen mögen nach Ansicht der BGZ eine vermeintliche Sicherheit suggerieren“, so Wilhelm. „Die Aussagen des Gutachters im Interview und die zugrunde liegenden Fakten sprechen jedoch für sich.“ (Matthias Müller)

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