Bad Karlshafen

Grüner Algenteppich im Hafen kommt aus der Diemel

Unschöner Anblick: Schon zweimal, wie hier im Juni 2019, verwandelten Algenteppiche den sanierten Hafen in eine unappetitliche Brühe. Inzwischen ist eine Ursache gefunden und Gegenmaßnahmen sind eingeleitet. Archivfoto: Gerd Henke
+
Schon zweimal, wie hier im Juni 2019, verwandelten Algenteppiche den sanierten Hafen in eine unappetitliche Brühe. Inzwischen ist eine Ursache gefunden und Gegenmaßnahmen sind eingeleitet.

Die Ursache für den sommerlichen Algenbefall im Hafenbecken hat Bad Karlshafen nun schriftlich. Und die Aussicht, dass die Gegenmaßnahmen im Sommer vielleicht noch nicht wirken.

Bad Karlshafen ‒ Der Grund für die sommerlichen Algenblüten sind bekanntermaßen Nährstoffe, die bei Hochwasser von der Diemel über einen Kanal in das Hafensystem gelangen. Sie führen zu einer Nährstoffanreicherung, die wiederum die Algenblüte im Hafenbecken begünstigt. Die genauen Zusammenhänge erläutern Untersuchungen der Frankfurter Goethe-Universität, die in Form einer Bachelorarbeit vorliegen und die Bürgermeister Marcus Dittrich jetzt bekannt gab. Die Stadt Bad Karlshafen und die Hessische Schlösserverwaltung hatten nach dem Aufkommen von Algen im Jahr 2019 Wissenschaftler der Goethe-Universität mit der Untersuchung der Wasserqualität des Hafenbeckens beauftragt.

Unter der Leitung von Dr. Heike Zimmermann-Timm hatte die Bachelor-Studentin Jasmin Thal die Wasserqualität wissenschaftlich untersucht. Sie stellte fest, dass die Nährstoffe der Diemel sowie im Kanal signifikant höher als im Hafen waren. Besonders hohe Nährstoffwerte wurden gemessen, wenn die Diemel nach Unwettern viel Wasser und Trübe aufwies.

Die Nährstoffe, die aus der Diemel in den Landgraf-Carl-Kanal gelangen, sind die Ursache für die sommerliche Grünalgenblüte. Die blattförmigen Algen, die sich im Kanal entwickelten, wurden strömungsbedingt vom Kanal in den Hafen transportiert. Dagegen ist die Ausbildung der fädigen Algenmatten im Frühjahr 2019 noch nicht geklärt, es wird noch geforscht.

Die Wissenschaftlerinnen aus Frankfurt hoffen, dass sich nach Abschluss der Baustellen im Hafenumfeld ein biologisches Gleichgewicht im Hafenwasser einstellen kann. Zudem empfehlen sie der Stadt, auf eine Wasserentnahme aus der Diemel nach Unwettern („Starkregenereignisse“) zu verzichten, um den Nährstoffeintrag in den Hafen so gering wie möglich zu halten, berichtet Dittrich.

Da der Hafen grundsätzlich mit Wasser aus der Diemel befüllt wird, werden immer Nährstoffe in das Hafensystem gelangen. Diese sollten deshalb bereits im Kanal zwischen Diemel und Hafen dem Wasser entzogen werden. Deshalb wurden bereits im Juni 2020 Wasserpflanzen im Landgraf-Carl-Kanal angepflanzt. Dr. Heike Zimmermann-Timm ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings besorgt, da einige der 4800 Wasserpflanzen durch die anhaltenden Bauarbeiten am und im Hafen geschädigt wurden. Bei der Kanalsanierung war ein Damm gebaut mit einem Rohr, durch das der Hafen gefüllt wurde. Dabei wurden auf zehn Metern etwa 200 Pflanzen ausgespült. Weitere gingen nicht an oder durch trübes Wasser ein, als Riesen-Sandsäcke umfielen und das Wasser trübe wurde.

„Das stellt die Wirksamkeit für einen algenfreien Hafen in 2021 in Frage“, sagt die Gewässerexpertin aus Frankfurt und empfiehlt eine Nachpflanzung. Die Stadt Bad Karlshafen will die Empfehlungen der Experten umsetzen, erklärt Bürgermeister Marcus Dittrich. Man sei der Privat-Dozentin Dr. Zimmermann-Timm und der Studentin Thal dankbar für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung: „Bereits die ersten Empfehlungen noch während der Untersuchungen waren sehr hilfreich für uns.“

Die Stadt wird die Nachpflanzung der geschädigten Pflanzen nun mit der Schlösserverwaltung abstimmen, da derzeit im Bereich des Kanals noch gearbeitet wird. Auch eine weitere gutachterliche Begleitung soll mit der Schlösserverwaltung abgesprochen werden. (Thomas Thiele)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.