Hafenöffnung Bad Karlshafen: So argumentieren  Befürworter

Befürworterinnen der Hafenöffnung: Bärbel Hauk und Petra Tiedemann.

Bad Karlshafen. Die geplante Öffnung des Hafens zur Weser wird in Bad Karlshafen kontrovers diskutiert. Gestern kamen die Kritiker zu Wort, heute Befürworter.

Bärbel Hauk ist gerne auf dem Wasser. Deshalb hat sie im Sommer in Kassel auf der Fulda den Bootsführerschein gemacht. Unter den angehenden Freizeitkapitänen machte da schon die Nachricht die Runde, dass der Hafen in Bad Karlshafen künftig für Boote und kleine Yachten geöffnet werden solle. „Damals bin ich als Karlshafenerin schon angesprochen worden, ob dann auch bei uns Liegeplätze angeboten werden könnten“, sagt Bärbel Hauk.

Das Interesse an Bad Karlshafen und der Weser kann die Lehrerin gut nachvollziehen. Denn, weil die Kasseler Schleuse vermutlich nicht mehr repariert werden wird, sei für Bootsführer die Fulda nicht mehr so attraktiv. „Da liebäugeln viele mit der Weser“, sagt Hauk. Die Lehrerin sieht in der Hafenöffnung eine große Chance für Bad Karlshafen. Die Stadt verfüge über keinen Autobahnanschluss in der Nähe, es seien keine größeren Industriebetriebe hier ansässig und Dienstleistungszentren gebe es auch nicht. „Das einzige worauf wir hier bauen können, ist der Tourismus.“ Da müssten alle Kräfte gebündelt werden und ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen werden. „Das könnte der Hafen mitten in der Stadt sein“, sagt Hauk.

Das unbedingt etwas in und für die Stadt getan werden muss, sieht auch Petra Tiedemann. Für die Geschäftsfrau, die eine Boutique in der Weserstraße betreibt, ist der „Niedergang der Stadt mit Händen zu greifen“. Wenn diese Entwicklung so weitergehe, „können wir die Stadt bald abschließen“. Das Stadtbild und die Angebote müssten entwickelt werden, „wenn wir nach vorne kommen wollen“. Für sie sind auf diesem Wege die Weser, Diemel und Hafen „das blaue Kapital, aus dem wir was machen müssen“.

Bei allem Zuspruch, den das Projekt Hafenöffnung bei ihnen erfährt, plädieren auch Bärbel Hauk und Petra Tiedemann dafür, alles gründlich zu rechnen und alle Zahlen und Fakten offen zu legen. Nur so könne die Bevölkerung mitgenommen werden.

Fürs Erste jedoch können sie die Zahlen, die bis jetzt bekannt geworden sind, gut nachvollziehen: Wenn die Stadt zu den 5,5 Millionen Euro, die sie vom Bund erhalte, 550 000 Euro selber beisteuern müsse, dann sei das durchaus darstellbar und eben „kein ökonomischer Unsinn“. Denn diese Summe, über 30 Jahre finanziert, mache gerade einmal 25 000 Euro jährlich aus. „Es ist doch ein Denkfehler, wenn die Kritiker sagen, der Eigenanteil würde direkt auf die Bürger umgelegt“, sagt Tiedemann.

Nicht absprechen wollen Hauk und Tiedemann, dass es ein gewisses Wagnis sei, sich auf die Investition einzulassen. Aber nichts zu tun, wie die Kritiker es verlangen und keine Alternativen aufzuzeigen, sei für die Stadt der gefährlichere Weg.

Vor diesem Hintergrund ist für Bärbel Hauk die Millionen-Zusage des Bundes „wie ein Sechser im Lotto“. Das Projekt mit einem Bürgerentscheid zu stoppen, wo Fachleute sich gerade erst damit befassen, wäre ein fatales Zeichen. „Wir dürfen das nicht von Anfang an tot reden, sondern müssen der Idee eine Chance geben“, sind beide Frauen überzeugt.

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