Helmarshausen: Hohlraum unter Kirche ist Grab des Pfarrers

Einblick in die Gruft: Die Wolfgang Frohmüller und Heinz Willi Scheele von Heimatverein Helmarshausen nehmen die Grabkammer in der Helmarshäuser Stadtkirche in Augenschein. Foto: Schmidt

Helmarshausen. Mit einer Überraschung in der Stadtkirche war die Kirchengemeinde konfrontiert, nachdem sich die Sandsteinplatten vor dem Altarraum gelöst hatten und sich ein Hohlraum auftat.

In diesen Tagen soll ein Gutachten endgültig bestätigen, dass es sich um ein Grab handelt.

Nach einem Gottesdienst war Küster Frank Dittrich über eine lockere Bodenplatte gestolpert. Er und Jens Reisgieß hoben die Platte hoch und entdeckten eine Gruft. Landeskirche und Denkmalamt wurden informiert.

Die Grabkammer im Untergrund der Kirche, die auf einen Adelshof des Grafen Eckihard aus der Gründungszeit Helmarshausens im Jahr 977 zurückgeht, bot spannende Entdeckungsarbeit für die beauftragte Forschungsstelle Gruft. Die auf die Untersuchung von historischen Gräbern spezialisierte Firma Ströbl (Lübeck) untersuchte die Kammer. Es fanden sich von Sarg und Knochen eines größeren Mannes nur noch zu Staub zerfallene Überreste. Eine Münze sowie eine Perücke und Beschläge des Sarges waren die einzigen Relikte.

Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel von der Außenstelle Marburg des Landesamtes für Denkmalpflege in Hessen klärte gegenüber der HNA das Rätsel auf. „Es handelt sich hier um Pfarrer Heinrich Schn(r)eider, der von 1645 bis 1693 lebte“ und der „in hiesiger Kirch beigesetzt“ ist.

„Diese neuzeitlichen Begräbnisse vor den Stufen des Altars waren auch bei bedeutsamen Personen mit Geld bis ins 18. Jahrhundert üblich“, sagt Dr. Sippel. Der Hohlraum soll nun mit Sand verfüllt und das Grab kenntlich gemacht werden, sagt Gerhard Briel vom Kirchenvorstand.

Anschließend wird die Kirche wieder für Besucher geöffnet. Reparaturarbeiten finden zurzeit im Sakristei-Anbau statt. Wasser war eingedrungen und hatte den alten Eichenbalken zugesetzt. Der Glockenturm wurde schon vorher saniert.

Wolfgang Frohmüller und Heinz Willi Scheele vom Heimatverein Helmarshausen berichteten, dass vor einigen Jahren ein Schacht für die Heizungsleitungen vom Pfarrhaus zum Kirchenschiff gelegt wurde. Dabei stießen die Bauarbeiter auf einen unterirdischen Gang im hinteren Bereich der Kirche. Hier an der Kirchenfand befindet sich die leicht verwitterte Grabplatte des Ritters von Spiegel, mit Vollbart und Umhang.

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