Zisterne soll Mangel beheben

Hin und Her um Löschwasser-Versorgung: Stadt steht unter Zugzwang

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Brand im Jahr 2002: Eine Zimmerei in unmittelbarer Nachbarschaft zur Dori-GmbH war komplett ausgebrannt. 

Bad Karlshafen. Im Gewerbegebiet am Trendelburger Weg in Helmarshausen gibt es keinen ausreichenden Zugang zu Löschwasser. Das Problem besteht seit Jahren.

Nun will die Stadt mit einer Löschwasser-Zisterne Abhilfe schaffen. Betroffene Unternehmen bleiben aber skeptisch.

Die Firma Diro Kunststoffe stellte Ende 2014 einen Antrag beim Landkreis, um eine reine Lagerhalle zukünftig auch zur Fertigung nutzen zu können. Bisher wird die Umnutzung vom Landkreis lediglich geduldet. Nachdem die Stadt nun angekündigt hat, eine Zisterne zu besorgen, will der Landkreis den Antrag bewilligen. "Wir sehen uns in unseren unternehmerischen Tätigkeiten eingeschränkt", sagt Geschäftsführer Torsten Henze, der 26 Mitarbeiter beschäftigt.

Brandschützer des Landkreises hatten Anfang 2013 die Löschwasser-Unterversorgung bemängelt, dies dem Unternehmen und der Stadt mitgeteilt. Auch bei einer späteren Übung der Feuerwehr gab es Wassermangel.

Geld für eine neue Versorgungsleitung war bereits im Haushalt fürs Jahr 2014 vorgesehen. Auch ein zwischenzeitlicher Versuch, eine Zisterne an anderer Stelle zu bauen war vergangenes Jahr am Naturschutz gescheitert. Daraufhin hatte die Diro-GmbH ihr Gelände zum Aufbau der Zisterne angeboten, wo sie nun auch errichtet werden soll.

Warum in die Sache nur schleppend Bewegung gekommen ist, hat für Bad Karlshafens Bürgermeister Ullrich Otto einen einfachen Grund: "Wir haben immer gesagt: Sobald ein Bauantrag gestellt wird, werden wir aktiv." Außerdem sei die jetzige Finanzierung deutlich günstiger. Henze hält dagegen: "Unser Architekt hat von weiteren Anträgen abgeraten, da der Antrag auf Nutzungsänderung noch ausstand." Auch Landkreis-Sprecher Harald Kühlborn sagt: "Auch ohne Bauantrag ist die Stadt verpflichtet, für ausreichend Löschwasser zu sorgen - und zwar präventiv."

Löschwasser fehlt seit Jahren für Betriebe

Verliert langsam die Geduld: Torsten Henze, Geschäftsführer der Diro Kunstoffe GmbH in Helmarshausen, will endlich Sicherheit. Er kann nicht nachvollziehen, warum die Stadt Bad Karlshafen so lange Zeit untätig blieb. 

Seit dem Jahr 2013 kämpft Torsten Henze für verbesserten Brandschutz im Gewerbegebiet am Trendelburger Weg in Helmarshausen.

Die Stadt hat zwar nun angekündigt, eine Löschwasser-Zisterne zu bauen, so richtig trauen will der Geschäftsführer der dort ansässigen Diro Kunststoff GmbH der Ansage aber noch nicht.

Am Montag hatte der Landkreis angekündigt, einen ausstehenden Antrag auf Nutzungsänderung zu bewilligen. Dieser war im Dezember 2014 gestellt worden, bis heute aber wegen der Brandschutz-Mängel nicht weitergekommen. Weitere Ausbauvorhaben der Firma lägen seitdem auf Eis, berichtet Henze. „Unsere Verwaltung platzt aus den Nähten, auch eine größere Maschine ist nötig“, sagt er. Der von der Diro-GmbH engagierte Architekt habe klar gemacht, dass weitere Antrage beim Landkreis keine Erfolgsaussichten gehabt hätten.

Diese Einschätzung unterstützt auch Landkreis-Sprecher Harald Kühlborn: „Ein Bauantrag und ein Antrag auf Nutzungsänderung haben die gleichen Anforderungen an den Brandschutz.“ Somit wären die Bauanträge, wie auch die Nutzungsänderung, nicht bewilligt worden. „Brandschutz muss präventiv geleistet werden. Es sollte nicht sein, dass diese Dinge erst auffallen, wenn durch die Bauanträge Entscheidungsdruck gegeben ist“, fügt Kühlborn hinzu.

Bürgermeister widerspricht

Bad Karlshafens Bürgermeister Ullrich Otto sieht das anders: „Wir haben immer gesagt: Sobald ein Bauantrag gestellt wird, werden wir aktiv.“ Außerdem sei die Finanzierung durch das Kommunale Investitionsprogramm (Kip) erst im Januar genehmigt worden. Die Stadt könne nun eine sehr kostengünstige Alternative umsetzten.

Bereits im Haushalt für 2014 war aber Geld für die Löschwasser-Versorgung vorgesehen. Warum die damals geplante Versorgungsleitung nie gebaut wurde, kann sich Unternehmer Henze nicht erklären. „Das hätte umfangreiche Straßenbaumaßnahmen nach sich gezogen, was wohl zu teuer gewesen wäre“, mutmaßt Henze.

Unternehmer fehlt Vertrauen

Weil sich die Geschäftsführung der Dori-GmbH nicht ernstgenommen fühlte, wurden auch andere Schritte diskutiert. „Wir haben überlegt, uns selbst eine Zisterne zu bauen, das hätte vor Jahren passieren können. Aber warum sollen wir die Aufgaben der Stadt übernehmen“, fragt sich Torsten Henze. Sogar ein Umzug in eine andere Stadt wurde in Erwägung gezogen.

Besonders pikant an der Diskussion: Im Jahr 2002 war eine benachbarte Zimmerei abgebrannt. Zu wenig Löschwasser soll damals schon eine Rolle gespielt haben.

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