Beule in der Kreisstraße

B83-Brückenbau braucht Umweg – Debatte um archäologische Grabenfunde

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Soll bis August 2020 in Betrieb bleiben: Die Umfahrung der dritten Brückenbaustelle (Mitte) für die Ortsumgehung Bad Karlshafen. 

In den nächsten neun Monaten müssen Autofahrer, die von Helmarshausen in Richtung Langenthal beziehungsweise Herstelle (oder in Gegenrichtung) fahren, mit einer Beule und einer Tempo-30-Zone in der Kreisstraße 72 leben.

Jetzt ist eine Umfahrung für den Bau einer weiteren Brücke für die neue B 83-Ortsumgehung Bad Karlshafen in Betrieb gegangen. Unterdessen wartet man gespannt auf die Ergebnisse von archäologischen Untersuchungen, die im Vorfeld stattfanden.

Die Umfahrung wird nötig, weil die Brücke direkt im bisherigen Verlauf der K 72 gebaut wird und sie künftig über die neue B 83 hinwegführen wird. Die provisorische Fahrbahn wird bis August 2020 benutzt. 

Die Baugruben für den Brückenbau des sogenannten Bauwerks 3 werden in Kürze ausgehoben, nachdem der Einschnitt für die Trasse aus Richtung Herstelle die Baustelle vergangene Woche nahezu erreicht hatte. 

Fundamente sollen noch dieses Jahr kommen 

Es ist nach Angaben von Pressesprecher Marco Lingemann von Hessen Mobil geplant, bis Ende 2019 noch die Fundamente für dieses Bauwerk 3 zu errichten. Nach dessen Fertigstellung im kommenden Sommer wird die Umfahrung wieder zurückgebaut.

Aktuell: Der Einschnitt für die neue B 83 wird acht Meter tief in den Boden gebaggert.

Nach Angaben von Stephan Nolte von der Hessen Mobil Bauüberwachung werden hier 25.000 Kubikmeter Boden ausgehoben, die gleich nebenan für die neue Trasse beim Hasselhof als Damm wieder aufgeschüttet werden. Die dortige Brücke (Bauwerk 5) soll bis zum Ende des Jahres im Rohbau fertig sein. 

In den nächsten Tagen beginnt das Betonieren des Oberbaus für das Bauwerk 2 (Höllebachbrücke). Das Bauwerk 1, die Talbrücke Richtung Deisel, wurde inzwischen auch genehmigt. Unterdessen sind auch die Arbeiten für die Hainbachbrücke (Bauwerk 4) vergeben. Die Aufträge für die 180 Meter lange Ilxbachbrücke (Bauwerk 6), die sich bereits in Nordrhein-Westfalen befindet, sollen noch vor Jahresende erteilt werden.

Archäologisches Gutachten erwartet

Mit Spannung erwartet man unterdessen das Gutachten, das der Archäologe Dr. Thilo Warnecke erstellt. Auf der Suche nach der in Karten und Berichten überlieferten mittelalterlichen Landwehr, die im Zuge der Neubautrasse verlief, hatte der Archäologe (wie berichtet) bei Suchgrabungen Bodenverfärbungen entdeckt, die er als Spuren eines vorgeschichtlichen Doppelgrabens deutete. Daraufhin wurden diese Spuren noch etwa 200 Meter weit Richtung Norden weiterverfolgt und freigelegt.

Suche erweitert: Nach dem ersten, teilweise links schon wieder verfüllten Suchschnitt wurden die Spuren des Doppelgrabens weiter nach Norden freigelegt. Unten verläuft die Kreisstraße 72 nach Langenthal (links).

Den ersten Suchgraben hatten sich kürzlich auch die Forscher im Volkshochschulkurs um Dr. Udo Schlitzberger und Klaus Fröhlich angesehen, die in Nordhessen seit Jahren nach Spuren von Kelten und Römern suchen. 

Einen der freigelegten Grabenschnitte interpretierte Dr. Schlitzberger als römischen Spitzgraben, wie er gemeinsam mit einer Wallanlage für die Lagerbefestigungen römischer Heere typisch gewesen sei. Es sei gut möglich, dass auf dieser Befestigung später die Landwehr errichtet wurde.

These löste große Diskussion aus

Der Befund und die Thesen lösten lange Diskussionen in der Gruppe aus. Gespannt warten sie deshalb nun auf das Gutachten von Dr. Warnecke, von dem sie sich mehr Klarheit über die Befunde erhoffen.

Da Belege für die Landwehr immer noch nicht gefunden wurden, hoffen nun alle Beteiligten, dass sich nächstes Jahr beim Abtragen der nach Herstelle führenden Kreistraße 73 Spuren der Befestigung finden, da die Verläufe hier identisch seien. Wenn auch da nichts zu finden ist, liegt die Hoffnung auf den Bauarbeiten im westlich angrenzenden Acker, wo die Auf- und Abfahrt zur neuen B83 entsteht.

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