Geschäfte im Sommer sind existenziell

Betreiber in großer Sorge: Campingplätze in der Region sind wie leer gefegt

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Enno Henning vom Campingplatz Trendelburg ist zurzeit mit den notwendigen Arbeiten am Platz beschäftigt.

Alle sechs Campingplätze in der Region um Kassel an Weser und Diemel sind vom Übernachtungsstopp aufgrund von Corona betroffen. Die Zeit für Übernachtungen zum Saisonauftakt fehlt.

Das bedeutet für die Betreiber, die teilweise ganz von den Einnahmen leben, eine bedrohliche Situation. Denn was im Sommer erwirtschaftet wird, muss für den Winter mit ausreichen. Kredite helfen nicht weiter, denn sie müssen zurückbezahlt werden, sagt Tamara Conradi, Campingplatz-Betreiberin aus Trendelburg dazu. Davon betroffen sind auch alle Aushilfskräfte. Die wegbleibenden Gäste fehlen auch den touristisch geprägten Orten wie Bad Karlshafen, Trendelburg, Gieselwerder oder Oedelsheim.

Bad Karlshafen

Heidi Mietzner vom Campingplatz Bad Karlshafen hätte eigentlich über Ostern und dem ersten Maiwochenende einen ausgebuchten Platz. Doch der Platz ist leer, da sie sämtliche Anfragen stornieren musste. Ungerecht findet sie es zudem, dass in Hessen der Platz für Dauercamper gesperrt ist. In Nordrhein-Westfalen dagegen dürfen diese ihre Wohnwagen weiterhin nutzen. Es ist ärgerlich, dass es hieß: „Die Campingplätze sind zu.“

Bei ihr rufen immer wieder Camper an, um zu erfahren, wann es weiter geht. Da kein Stichtag genannt wird, bleibt alles im Unklaren. Für sie ist das Geschäft im Sommer existenziell, denn „im Sommer muss für den Winter geklotzt werden.“

Auf dem 90.000 Quadratmeter großen Platz mit 200 Touristenplätzen, 150 Dauerplätzen und 33 Wohnmobilstellplätzen an der Weser, werden ihre Mitarbeiter auch im Winter beschäftigt. Mietzner sagt, dass auf ihrem durchgehend geöffneten Ganzjahrescampingplatz die Camper-Familien in Parzellen mit genügend Abstand leben könnten, denn durch eigene Nasszellen sind sie autark, da die Waschräume nicht benötigt werden.

Hofgeismar

Für Thomas Lensky bedeutet das Wegbleiben der Gäste auf dem Campingplatz Hofgeismar: „Keine Gäste – kein Geschäft. Da hilft kein Weh und kein Klagen.“ Er ist der Meinung, dass seine Gäste genügend Abstand halten können, „nicht anders als im Edeka“.

Bei ihm übernachten sonst auch Arbeiter, die durch den allgemeinen Reisestopp nicht mehr kommen können. Für ihn laufen die Kosten des Platzes mit 35 touristischen Plätzen und 70 Dauercampern an der Schöneberger Straße weiter. „Das entstandene Loch lässt sich nicht mehr stopfen“, ist seine Meinung.

Trendelburg

45 Dauercamper, in der Regel Familien, hat Tamara Conradi auf ihrem Ganzjahrescampingplatz in Trendelburg. Hinzu kommen ebenso viele touristische Plätze auf 2,5 Hektar auf der Diemel-Insel an der alten Mühle.

Zum wichtigen Saisonbeginn an Ostern sowie den folgenden Feiertagen wie Himmelfahrt und Pfingsten wäre der Platz unter anderem mit Gruppen wie den VW LT Wohnmobilen oder den Motorrad-Dreiradlern gut belegt. Conradi weiß bei der gegenwärtigen Perspektive noch nicht was passieren wird. „Das Geld fehlt doppelt, denn im Sommer wird für den Winter mitverdient und bis nächste Ostern ist es noch lang“, sagt sie. Conradi empfindet die Situation als sehr bedrückend.

Es gibt kein Einkommen, denn ihre Familie lebt von den Übernachtungen auf dem Campingplatz sowie den angegliederten Ferienwohnungen. Es werden zwar die anfallenden Renovierungen vorgenommen, aber die Situation fühlt sich nicht an wie im Urlaub, sondern ist eher wie ein Zustand der Arbeitslosigkeit, sagt sie. Die Gäste fehlen in den touristisch geprägten Orten. Das betrifft sowohl die Gaststätten als auch den Einkaufsmarkt, stellt Conradi fest.

Von Harald Schmidt

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