Quer durch Europa

1600 Kilometer zu Fuß von Südfrankreich nach Nordhessen

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Hugenottenschluck: Jean-Marie Sailly vor dem Karlshafener Weinhaus. Jeder Langstreckenwanderer auf dem Pfad bekommt eine Flasche von Dorothe Römer. 

Bad Karlshafen. Der 63-jährige Jean-Marie Sailly ist dem Waldenserpfad bis nach Bad Karlshafen gefolgt. 1600 Kilometer, quer durch Europa, seit dem 1. Mai.

Leichte Wanderschuhe, Funktionskleidung, ein kleiner Trekkingrucksack. Jean-Marie Sailly schaut über das Hafenbecken, geht dann die wenigen Schritte zum hugenottischen Weinhaus, wo Freunde auf ihn warten. Was man ihm nicht ansieht: Der Mann aus dem französischen Jarnac, wo Cognac destilliert wird, kommt nicht von einer lockeren Drei-Stunden-Tour durch den Reinhardswald - er hat gerade die letzten Schritte einer 1600-Kilometer-Wanderung quer durch Europa absolviert.

Am ersten Mai startete Jean-Marie Sailly seine Wanderung im südfranzösischen Le Poët-Laval und folgte dem Hugenotten- und Waldenserpfad über die französischen Alpen durch die Schweiz nach Deutschland. Passierte dort die Schwäbische Alb, machte Station bei der befreundeten Familie Pillas in Lautertal im Odenwald um dann ganz Hessen bis zum Endpunkt des Pfades in Bad Karlshafen zu durchqueren. Zwischen 15 und 40 Kilometer pro Tag ist Sailly gelaufen, bis zu zehn Stunden lang, Pausentage hat er nicht eingelegt. Besonders in Deutschland fand er als hugenottischer Nachfahre viele interessante Orte mit kleinen Museen oder Kirchen. Ist er jetzt glücklich oder traurig, am Ende des Weges angekommen zu sein? „Teils, teils. Das kann ich jetzt noch gar nicht sagen.“

Der heute 63-Jährige wurde in einem von Hugenotten gegründeten Dorf in Algerien geboren, wuchs ab seinem neunten Lebensjahr dann in Frankreich auf. „Ich bin in einem Museum in Besançon auf den Namen meiner Familie gestoßen“, erzählt Sailly und versucht nun, die Geschichte der Hugenottenfamilie, die Frankreich aufgrund ihres Glaubens verlassen musste, nachzuvollziehen.

In Bad Karlshafen könnte dabei das Archiv der Deutschen Hugenottengesellschaft mit der genealogischen Datenbank helfen. Zunächst gibt es aber einen Hugenottenschluck vor dem Weinhaus und dazu ein paar Anekdoten von der langen Reise.

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