Bad Karlshafen zum Sparen verdonnert: „Nun geht es an die Substanz"

Die Hecke ist weg: Am Montagmorgen rückte der Bauhof an und entfernte die erste Hecke. Die stand auf einer städtischen Fläche an der Winnefelder Straße. Fotos:  Löschner

Bad Karlshafen. Der städtische Bauhof soll die Pflege des öffentlichen Grüns herunterfahren und damit den Haushalt entlasten.

Bürger sollen Patenschaften für Beete und Hecken übernehmen. Im Jahr 2020 soll die Stadt Bad Karlshafen wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Das sieht der Schutzschirm-vertrag mit dem Land Hessen vor. Doch momentan ist die Stadt von diesem Ziel noch weit entfernt. So konnte sie im vergangenen Jahr nicht die Vorgabe erfüllen, das Defizit auf 900.000 Euro zu begrenzen. Erst nachdem die Stadtverordneten unter dem Druck des Regierungspräsidiums ein zweites Mal den Rotstift angesetzt hatten, kamen sie der erlaubten Fehlbetragsgrenze näher, aber verfehlten sie um 12.000 Euro. Im Rathaus hofft man dennoch, dass in den nächsten Tagen die Genehmigung des RP kommt.

Da sich die Einnahmen kaum mehr steigern ließen, „geht es nun an die Substanz“, sagt Bürgermeister Ullrich Otto. Die Substanz heißt in diesen Tagen das schmückende Grün der Stadt. „Wir müssen die Pflegemaßnahmen eindämmen“, gibt der Bürgermeister die neue Devise aus. Das sei ein Beitrag auf dem Weg zur Haushaltskonsolidierung. Und deshalb soll nun eine Reihe von Büschen, Hecken und Beeten verschwinden.

Kein Heckenschnitt mehr 

Was das an Einsparungen beim Arbeitsaufwand bedeutet, hat die Verwaltung bereits errechnet. So fallen künftig exakt 63,5 Stunden für den Heckenschnitt an der Winnefelder weg. Bei den Heckensträuchern am Hafen bleiben den Bauhofmitarbeitern sogar 79,5 Arbeitsstunden erspart.

Was das Einebnen von Blumenrabatten anbetrifft, liegen noch keine Zahlen vor. Doch wenn die Beete nicht mehr gepflegt werden, sondern nur noch der Rasen auf diesen Flächen gemäht werden muss, dann werden auch hier weniger Arbeitsstunden anfallen.

Außenanlagen der Therme 

Kümmern soll sich der Bauhof künftig auch nicht mehr um die Außenanlagen der Wesertherme. „Dafür sind dann die Mitarbeiter des Bades zuständig“, sagt Bürgermeister Otto. Indirekt wird auch dadurch der städtische Haushalt entlastet.

Damit es in der Stadt im Frühjahr und Sommer dennoch an einigen Ecken grünt und blüht, bereitet die Stadt einen Aufruf an die Bewohner vor. „Wir hoffen, dass einige Bürger bereit sind, Patenschaften für Blumenbeete und andere Grünflächen zu übernehmen“, sagt Otto „denn trotz allem wollen wir das Stadtbild weiter lebendig gestalten.“

Demographischer Wandel 

Einem ähnlichen Aufruf waren einige Bürger vor Jahren schon einmal gefolgt. Doch nach einiger Zeit habe mancher dann doch den Auftrag wieder zurückgegeben - aus Alters- oder Gesundheitsgründen. „Da macht sich dann auch bei uns der demographische Wandel bemerkbar“, sagt Otto. Der Bürgermeister hofft und wäre dankbar, wenn der nächste Aufruf zur Patenschaftsübernahme

eine nachhaltigere Resonanz erfahren würde.

Von Gerd Henke

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.