Bad Karlshafener Bürger fordern: Stadt braucht Grün zum Leben

Rabiate Beetbegradigung: Bei den Arbeiten am Trendelburger Weg in Helmarshausen sind auch die Wurzeln dieses Ahorn in mitleidenschaft gezogen worden. Foto:  Sachse/nh

Bad Karlshafen. Die Rodung von Hecken und das Beseitigen von Blumenbeeten empört immer mehr Bad Karlshafener Einwohner.

In einem offenen Brief an die Stadt beklagen jetzt Ute Bachmann und Wolfhard Ziegler, dass die Bewohner nicht von der Stadt selber über die Eingriffe in ihrem Wohnumfeld informiert werden, sondern darüber aus der Zeitung erfahren müssen.

„Leider scheint es, dass niemand von der Stadt Bad Karlshafen bereit und in der Lage ist, persönlich und zum passenden Zeitpunkt auf seine Bürger zuzukommen“, heißt es in dem offenen Brief von Bachmann und Ziegler. Die in unserer Zeitung veröffentlichte Aufforderung der Stadt wirke „unpersönlich und verzweifelt“. Eine Bürgerversammlung oder Arbeitsgruppen wären angemessener gewesen, so die Verfasser des offenen Briefes.

Strukturen werden zerstört 

„Wir sind befremdet, dass langjährig gewachsene innerörtliche Strukturen, die eine ökologische und gestalterische Funktion haben, nun innerhalb eines Tages grundlegend zerstört werden“. Bachmann und Ziegler fordern deshalb von Bürgermeister und Bauhof, „sofort mit diesen Rodungen aufzuhören und mit den Bürgern in einen konstruktiven Austausch zu treten“. Die beiden stellen fest: „Auch eine denkmalgeschützte Stadt braucht Grün zum Leben, es gibt auch naturnahe und damit weniger pflegeintensive Möglichkeiten. Wir möchten nicht als nächsten möglichen Schritt dem Asphaltieren aller Grünflächen entgegen sehen.“

Keine Sorgfalt bei Arbeiten 

Ingolf Sachse, Mitglied des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sieht ebenfalls die Optik und Attraktivität der Stadt in Mitleidenschaft gezogen. Der Helmarshäuser hat zudem festgestellt, dass „die derzeit ausgeführten Zwangsentbuschungen nicht mit der geforderten notwendigen Sorgfalt ausgeführt werden“. Verletztes Wurzelwerk an noch gesundem Baumbestand, ließen den Schluss zu, dass anschließend die dadurch geschädigten Bäume noch gefällt werden sollten.

Sachse wähnt, dass „das Treiben schon Methode hat“ und „das jahrelang mühevoll gepflegte Grün nun dran glauben muss“. Der Umweltschützer sieht in der „Entgrünung“ der Stadt auch die Gefahr für die Stellen der Mitarbeiter des Bauhofes: „Wenn es bald nichts mehr zu pflegen gibt, fallen noch mehr derzeit noch in Lohn und Brot befindliche Mitarbeiter dem Sparzwang zum Opfer.“

Unter dem Sparzwang hätten auch die Hauseigentümer zu leiden. Die höchsten Grundsteuern im ganzen Landkreis könnten schon jetzt von vielen nicht mehr geschultert werden. Perspektivisch gehe auf diese Weise mit der „Entlaubungspolitik“ von Bürgermeister und Magistrat eine „Entvölkerungspolitik“ einher.

Von Gerd Henke

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