Abschied von Karl-Erwin Franz: Karlshafener Gesamtschulleiter geht in Ruhestand

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Arbeit bis zum letzten Tag: Heute wird der Leiter der Marie-Durand-Schule in den Ruhestand verabschiedet. Auf dem Schreibtisch von Karl-Erwin Franz stapelte sich die Arbeit bis zuletzt.

Bad Karlshafen. Fast ein Vierteljahrhundert war er Leiter der Marie-Durand-Schule - am heutigen Freitag ist sein letzter Arbeitstag: Karl-Erwin Franz geht in den Ruhestand.

Der Abschied verläuft damit etwas anders, als er es einst wollte. Aber das deckt sich fast schon mit dem Beginn: Auch der lief nicht nach schulmäßigem Ideal.

Der frühere Leiter der Schule war zum Schulamt gegangen, die Stelle vakant und Franz erhielt einen Anruf am Freitag: „Ab Montag sind sie kommissarischer Schulleiter.“

Ganz anderes Ziel

„Das war nie mein Ziel“ erzählt Franz, der damals Stufenleiter an der Gesamtschule war. Letztlich fand er, der für sein Leben gerne mit Jugendlichen arbeitet und unterrichtet, aber Gefallen an dem Amt. Als die Stelle zwei Jahre später offiziell ausgeschrieben wurde, bewarb er sich - und wurde auch offiziell zum Schulleiter bestellt.

Es waren stürmische Zeiten, die die Schule seither erlebt hat. Im Drei-Länder-Eck gelegen, hatte die Schule an mehreren Fronten zu kämpfen. Die Schulen in Beverungen und Hofgeismar lockten Jugendliche aus dem Einzugsgebiet. In den Kommunen Oberweser, Bad Karlshafen und Trendelburg gingen die Schülerzahlen zurück. Kurz nach der Jahrhundertwende, erinnert sich Franz, war die Zukunft der Schule ungewiss.

Schulstandort ist gesichert

Als dann die Diskussion um die Einführung des G8-Zweiges begann, erfand sich die Schule neu. Franz: „Wir haben uns als integrierte Gesamtschule als Alternative präsentiert - und werden von anderen Schulen auch als solche wahrgenommen.“ Das Differenzierungsangebot wurde etwas eingeschränkt, die freiwerdenden Lehrerstunden in Doppelbesetzungen und Fördermaßnahmen investiert. Der Erfolg gab der Schule recht. „Der Bestand ist gesichert“, sagt Franz, der ein geordnetes Haus hinterlässt.

Eigentlich, so erzählt er, „bin ich dagegen, dass ein Lehrer zum Halbjahr in den Ruhestand geht.“ Auch er wollte mit 65 gehen - im Sommer vergangenen Jahres. Dass es nichts wurde, lag daran, dass kein Nachfolger bereitstand. So hängte er noch ein halbes Jahr dran. „Aber jetzt ist wirklich Schluss“, sagt der 66-Jährige.

Jetzt hat er mehr Zeit für seine Hobbys. Haus und Garten beispielsweise. Oder: Kultur und Geschichte. Und natürlich will der „rote Franz“, wie er ob seiner SPD-Zugehörigkeit genannt wird, nach der Kommunalwahl auch wieder politisch mitmischen. Und dass er weiter für die SG Weser/Diemel tätig ist, versteht sich von selbst. „Langweilig“, sagt er, „wird mir mit Sicherheit nicht.“ Denn auf dem Freizeitplan steht auch der Wunsch zu reisen - abseits des Ferienkalenders.

Fit genug fühlt er sich. Wer Zeit seines Lebens mit Jugendlichen arbeitet und sie ernstnimmt, der bleibt innerlich jung, hat er beobachtet. Auch wenn er erst heute, ein halbes Jahr später als geplant, verabschiedet wird.

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