Kritik an Plänen zum geöffneten Hafen in Bad Karlshafen

Ein Kanal verbindet die Weser mit dem Hafen: Sollte eine neue Schleuse gebaut werden, könnten wieder Boote in das Stadtzentrum einfahren. Die jetzt am Anlieger festgemachte „Hessen“ wäre allerdings zu groß. Fotos:  Henke

Bad Karlshafen. Bei Bernd Gerland treffen die Pläne für die Hafenöffnung in Bad Karlshafen auf völliges Unverständnis, wenn er sich die finanzielle Situation der ärmsten Stadt Hessens anschaut.

Er ist Kaufmann und damit auch ein Mann der Zahlen: Schulden von 40 Millionen Euro, jährliche Liquiditätskredite, die weit über zehn Millionen Euro liegen und Grundsteuerhebesätze, die sich auf 700 und mehr Prozentpunkte zubewegen. „Da wäre die Investition in die Hafenöffnung ökonomischer Unsinn“, sagt Gerland. Denn die 600 000 Euro Eigenfinanzierung, die die Stadt aufbringen müsste, wäre nicht zu verkraften. „Wir finanzieren so viel, dass es am Ende zu viel wird“, sagt der Diplom-Kaufmann. „Das haben wir an der Therme gesehen, die unter finanziellen Aspekten für die Stadt eine Luftnummer war.“

Folgekosten

Die Bedenken von Bernd Gerland beziehen sich aber auch auf die teure Technik und die Folgekosten, die der notwendige Betrieb einer Schleuse verursachen würden. Gerland geht davon aus, dass täglich vermutlich nur drei oder vier Schleusungen stattfinden könnten. Mehr könnten es wegen des geringen Zulaufs aus der Diemel von 180 Kubikmetern pro Stunde kaum sein. Daraus folge, dass es einen lebhaften Bootsverkehr aus und in den Hafen nicht geben könne. Ein großes Rückhaltebecken und starke Pumpen trieben die Kosten dann zusätzlich in die Höhe.

Keine Infrastruktur

Zudem sei nichts von dem vorhanden, was zu einer kleinen Marina in der Stadt dazugehöre: Zum Beispiel Liegeplätze für Boote, Stege, Duschen und sanitäre Anlagen für die Bootsbesatzungen. Bernd Gerland hat größte Zweifel, dass der Hafen so attraktiv ausgestattet werden könne, dass er auf Bootsführer wirklich anziehend wirke. Aus diesem Grund sei auch mit Einnahmen aus Liegeplätzen und Schleusengebühren nicht zu rechnen.

Wenig durchdacht

„Und was passiert bei Hochwasser?“, fragt Gerland und gibt sich selbst die Antwort: „Dann müssten die Boote per Kran oder über eine Slipanlage aus dem Hafenbecken geholt werden.“ Auch dies zeige, wie wenig durchdacht die bislang bekannt gewordenen Planungen seien.

Auch wenn die Stadt 5,5 Millionen Euro aus Bundesmitteln zu erwarten habe, sei das Risiko, dass die Hafenöffnung nicht wirtschaftlich betrieben werden könne, einfach zu groß, meint Gerland. „Das könnten wir uns vielleicht leisten, wenn wir Geld hätten, aber wir haben es ja nicht.“

Karin Gerland indes moniert, dass die Bürger bisher zu wenig „mitgenommen“ worden seien. Sachlich vorgetragene Kritik werde nicht ernst genommen oder zurückgewiesen, sagt sie. „Viele Karlshäfer fühlen sich von der Politik im Rathaus nicht mehr vertreten.“ Nur aus Angst, öffentlich attackiert zu werden „haben viele Leute beim Bürgerbegehren nicht unterschrieben." Das werde sich beim Bürgerentscheid, wenn geheim abgestimmt wird, sicher ändern.

Hintergrund: Dritthöchste Förderung

Im Juli wurde Bad Karlshafen in das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtbaus“ aufgenommen. Die Zusage beinhaltet eine 90-prozentige Förderung in Höhe von 5,5 Millionen Euro für die Öffnung des Hafens zur Weser hin. Das war der bundesweit dritthöchste Förderbetrag und der höchste in ganz Hessen. Um das Projekt zu realisieren, muss die Stadt 550 000 Euro aus eigenen Mitteln beisteuern. Das Programm schreibt vor, dass das Vorhaben bis Ende 2018 fertig sein muss. Die Befürworter sehen es als große Chance, die Stadt weiter zu entwickeln. Kritiker mahnen, es überfordere die Stadt finanziell.

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