Mittel- und schwachaktiver Müll aus ganz Deutschland nähe Bad Karlshafen

Logistikzentrum für Atommüll auf dem Gelände des Atomkraftwerks Würgassen

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Das ehemalige Atomkraftwerk in Würgassen.

Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) will in Würgassen (nähe Bad Karlshafen) ein Logistikzentrum für mittel- und schwachradioaktiven Müll einrichten.

Anfang der 1970er Jahre ging das Atomkraftwerk Würgassen in Betrieb. Es war seinerzeit der erste kommerziell betriebene Atommeiler in Westdeutschland. Doch keine 25 Jahre später musste der 670-Megawatt-Reaktor aufgrund seiner Störanfälligkeit wieder vom Netz. Bei einer Revision wurden 1994 Haarrisse am Reaktordruckgefäß festgestellt. Der Betreiberin Preussen Elektra erschien die Reparatur unwirtschaftlich. Das Kraftwerk wurde endgültig stillgelegt.

Der Ausbau der „heißen“ Anlagenteile und die Entfernung der abgebrannten Brennelemente dauerten Jahre. Doch eine „grüne Wiese“, wie die Preussen-Elektra-Mutter Eon und Politiker ehedem versprochen hatten, ist das stillgelegte Kraftwerk bis heute nicht.

Ab 2027 Atommülltransporte in den Beverunger Ortsteil

Während die stark radioaktiv strahlenden Teile noch abtransportiert wurden, blieben 5000 Tonnen mittel- und schwachstrahlender Müll in der Würgasser Transportbereitstellungshalle liegen. Der Abtransport wurde Jahr für Jahr verschoben. Denn Schacht Konrad, das vorgesehene Endlager für diese Art von Atommüll, ist noch immer nicht fertiggestellt.

Die Hoffnung weiter Teile der Bevölkerung im Dreiländereck von Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, dass das atomare Zwischenlager spätestens 2027, der avisierten Fertigstellung von Schacht Konrad, geräumt werden kann, erfüllt sich vermutlich nicht. Im Gegenteil: Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) will hier ein Logistikzentrum für mittel- und schwachradioaktiven Müll aus ganz Deutschland einrichten. Das stellte die die BGZ am Freitag in einer Pressekonferenz in Würgassen vor.

Von hier aus sollen ab 2027 jeden Tag Atommülltransporte aus insgesamt 16 Zwischenlagern aus ganz Deutschland in den Beverunger Ortsteil rollen. Hier sollen sie sortiert und passgenau für den Weitertransport zum 130 Kilometer entfernten Salzgitter zusammengestellt werden. Das Gros der Transporte soll über die Schiene laufen. Würgassen würde nach diesen Plänen dann die bundesdeutsche Drehscheibe für Atommüll.

Vertreter der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) stellten Pläne für Würgassen vor: BGZ-Vorsitzender Dr. Ewold Seeba (Mitte) und die Projektleiter Dr. Heinz-Walter Dretloff und Christian Möbius. 

Die Abfälle stammten aus dem Betrieb und Rückbau von Atomkraftwerken sowie aus Forschung, Industrie und Medizin. Die Konzentration der Abfallbehälter in Würgassen sei notwendig, um die zügige Einlagerung des Atommülls im Endlager Konrad sicherzustellen, sagte Dr. Ewold Seeba, Vorsitzender der Geschäftsführung der BGZ. Für das Würgasser Logistikzentrum sei eine 325 mal 125 Meter große und 16 Meter hohe Stahlbetonhalle vorgesehen. Die Fertigstellung sei ebenfalls für 2027 geplant.

Die Investition in das Logistikzentrum für Atommüll will sich der Bund eine Menge kosten lassen: Man gehe von 450 Millionen Euro aus, sagte Seeba. Es würden 100 Dauerarbeitsplätze entstehen. Aus neun in der engeren Wahl befindlichen Standorten sei für die BGZ Würgassen der geeigneteste.

Das Genehmigungsverfahren für das Projekt soll in Kürze starten. Die BGZ lädt die Öffentlichkeit am 18. März zur Vorstellung und Diskussion in die Turnhalle Würgassen ein. Beginn ist um 18.30 Uhr.

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