Beethoven-Festival als Abschiedsgeschenk

Michael Heib: Musikschulleiter mit Verspätung in den Ruhestand

Wechsel an der Musikschulspitze: Michael Heib (links) ist im Ruhestand und wurde mit dem Kreis-Ehrenschild geehrt. Rechts sein Nachfolger Markus Löschner.
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Wechsel an der Musikschulspitze: Michael Heib (links) ist im Ruhestand und wurde mit dem Kreis-Ehrenschild geehrt. Rechts sein Nachfolger Markus Löschner.

Einen ganz besonderen Abschied konnte Michael Heib, der bisherige Leiter der Musikschule Bad Karlshafen, feiern.

Bad Karlshafen. Diesen bereitete er mit einem außergewöhnlichen Festival nicht nur selbst vor, er fand auch ein Jahr später als geplant statt. Eigentlich ist Michael Heib schon im November 2020 in den Ruhestand gegangen. Doch Corona machte allen Feierlichkeiten einen Strich durch die Rechnung. Als Konzerte in diesem Jahr wieder möglich wurden, startete auch die Musikschule wieder durch und wagte sich an eine ganz besondere Konzertreihe. „Die Idee dazu ist bei einer Flasche Wein und einem Gin Tonic entstanden“, verriet er gestern vor dem letzten Konzert. „Wir wollten Beethovens Werk von jungen Jahren bis zum Tod darstellen und dafür hochkarätige Pianisten gewinnen.“

Eigentlich habe er die Reihe als Abschiedsgeschenk im letzten Jahr geplant, doch nun konnte er das Festival gemeinsam mit seinem Nachfolger Markus Löschner organisieren. „Für mich ist es sehr schön, dass ich alles, was ich in den letzten Jahrzehnten aufgebaut habe, in guten Händen weiß. Es ist sehr befreiend zu wissen, dass das, was wir musikalisch zu meiner Zeit gemacht haben, auch weiterhin Bestand haben wird.“

Das konnte Markus Löschner, der der Musikschule seit ihrer Gründung eng verbunden ist, nur bestätigen. Das Programm für die nächsten Jahre stehe im Wesentlichen schon, doch sei natürlich noch Spielraum für neue Ideen vorhanden. So plane man gemeinsam mit der Stadt ein musikalisches Sommerprogramm fortzusetzen, in dem das Areal am Hafen verstärkt genutzt werden soll. Ein klassisches Orchester soll im nächsten Sommer auf dem Hafenplatz spielen.

„Unsere Pianisten haben uns ein sehr positives Feedback zu der Location im Rosengarten gegeben“, sagt Löschner, „Open-Air-Veranstaltungen sind für sie sehr ungewöhnlich. Doch die schöne Atmosphäre des Gartens kam bei Künstlern und Gästen gleichermaßen gut an.“

Alle 32 Klaviersonaten des Komponisten wurden während des ersten Beethoven-Festivals in Bad Karlshafen den rund 600 Besucherinnen und Besuchern vorgestellt. Acht internationale Künstlerinnen und Künstler spielten an acht aufeinanderfolgenden Tagen Open-Air im Rosengarten des Rathauses in 14 Konzerten. Ein Dutzend Zuschauer nutzte die Gelegenheit, alle Konzerte zu verfolgen und nahm so die seltene Chance wahr, auch unbekannte Sonaten Beethovens zu entdecken. „Wir hatten irres Glück mit dem Wetter“, freut sich Organisator Markus Löschner, „die wenigen kurze Regenschauer machten den Gästen nichts aus.“ Auch der Flügel, der jeden Morgen neu gestimmt wurde, machte den Umzug ins Freie problemlos mit.

Verzauberte: Der Pianist Tomoki Kitamura schloss das Festival mit den letzten drei Sonaten und den Bagatellen op. 126 – den letzten drei Klavierstücken Beethovens überhaupt.

Tomoki Kitamua schloss das Festival mit den letzten drei Sonaten und den Bagatellen op. 126 - den letzten drei Klavierstücken Beethovens überhaupt. Für Michael Heib (65) endet damit ein wichtiger Lebensabschnitt, für den er vom Landkreis Kassel mit dem Ehrenschild in Bronze ausgezeichnet wurde.

Bei seiner offiziellen Verabschiedung wurde der Erfinder der Rathauskonzerte und Mitorganisator der „Young Americans“ von Bürgermeister Marcus Dittrich als jemand gewürdigt, ohne dessen Engagement das Kulturleben in Bad Karlshafen sehr viel ärmer wäre.

Organsiert und ausgerichtet wurde das Festival durch die Musikschule Bad Karlshafen und den Kultursommer Nordhessen. Gefördert wurde es durch eine Spende in Höhe von 15.000 Euro der Kasseler Sparkasse. (Gitta Hoffmann)

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