Neuer Kunstpreis: Berühmter Mönch ist Namensgeber

Die Idee zum Herimann-Preis hatte Karl-Christian Schelzke (links) schon im Jahr 2012: Damals besichtigte er mit Bürgermeister Ullrich Otto, Hugenotten-Nachfahrin Dorothe Römer und Museumsleiter Wolfgang Frohmüller das Faksimile des Evangeliars Heinrich des Löwen, das im Heimatmuseum Helmarshausen ausgestellt ist. Archivfoto: Temme

Bad Karlshafen. An die glorreiche Geschichte und das kulturelle Erbe Helmarshausens wollen der Hessische Städte- und Gemeindebund (HSGB) und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen mit einem neuen Preis erinnern. Sie loben in diesem Jahr erstmals den Herimann-Preis aus.

Mit dem Preis solle nun auch der zweite Stadtteil Bad Karlshafens, Helmarshausen, in den Blickpunkt gerückt werden, sagt Karl-Christian Schlezke, Direktor des HSGB. Denn die überregionale Aufmerksamkeit habe in den vergangenen Jahren vornehmlich Karlshafen mit seinem Hafen gegolten.

In Kürze sollen die Arbeiten zur Öffnung des Hafens beginnen. Spätestens Ende 2018 soll das Hafenbecken dann wieder mit der Weser verbunden sein. So wie früher und so wie es Landgraf Carl geplant hatte. Das ist fast 320 Jahr her. Damals ließ der Landgraf für die protestantischen Glaubensflüchtlinge aus Frankreich - die Hugenotten - eine eigene Stadt errichten.

Doch historisch bedeutender als Karlshafen ist der heute etwas kleinere Stadtteil Helmarshausen. Dessen Geschichte reicht bis tief ins Mittelalter zurück. 944 wurde Helmarshausen erstmals urkundlich erwähnt. Bedeutung erlangte der Ort später durch sein Benediktinerkloster, das im 12. Jahrhundert durch Kunstwerkstätten europaweit bekannt wurde. Der Mönch Herimann schuf hier um das Jahr 1188 das Evangeliar Heinrichs des Löwen, eines der heute wertvollsten Bücher der Welt.

Mit dem Preis sollen zeitgenössische Bibelillustrationen ausgezeichnet werden. Die eingereichten Kunstwerke können aus den Kunstgattungen Malerei, Graphik, Fotografie, Film, Plastik und Skulptur stammen. Das Kunstwerk soll einen Bezug zur Bibel oder zu christlichen Werten und Glaubensinhalten haben. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Nachdem der Hessische Städte- und Gemeindebund sich für die Öffnung des Hafens in Karlshafen eingesetzt habe, „möchten wir nun auch die Geschichte von Helmarshausen einer weiteren Öffentlichkeit vorstellen“, sagt HSGB-Chef Schelzke. Er hatte die erste Idee für einen solchen Preis vor fünf Jahren.

Mit der Preisvergabe verspreche man sich insgesamt die Stärkung der kulturellen und touristischen Infrastruktur in der nördlichsten Gemeinde Hessens. Zudem solle er die Identifikation der Bürger mit dem eigenen Ort stärken, sagt Schelzke.

Das Motto für beide Bad Karlshafener Stadtteile könne mithin lauten: „Mit Vergangenheit Zukunft gewinnen“, so Schelzke.

Hintergrund: Herausragende Evangeliare

Das Kloster Helmarshausen war im 11. und 12. Jahrhundert Ort bedeutender Kunstwerkstätten. Hier entstanden Reliquiare, Schreine und Leuchter für Kirchen und Dome. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts stellten die Benediktiner unter Mönch Herimann im Scriptorium des Klosters eine Vielzahl herausragender Evangeliare her. 

Ein Evangeliar enthält den vollständigen Text der vier Evangelien des Neuen Testaments. Das bedeutendste Werk dieser Buchmalkunst ist das Evangeliar Heinrichs des Löwen. Das Original befindet sich in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Das Evangeliar wurde 1983 bei Sotheby’s in London für 32,5 Millionen DM von der Bundesrepublik, den Bundesländern Niedersachsen und Bayern sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ersteigert. Es war seinerzeit das teuerste Buch der Welt. 

An die Tradition von Bibel-Illustrationen will der neue Herimann-Preis anknüpfen. Jeder Bewerber kann bis zu zwei Kunstwerke einreichen. Bewerbungsschluss ist der 15. September. Das Preisgeld beträgt 5000 Euro. Der Wettbewerb soll alle zwei Jahre stattfinden. Adresse: Herimann-Preis, Hessischer Städte- und Gemeindebund, Henri-Dunant-Straße 13, 63165 Mühlheim am Main.

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