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Nun auch Tourismus gegen Atommülllager in Würgassen

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Von: Thomas Thiele

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Kaum zu übersehen: Mit einem gelben Container mit W-Emblem (für Widerstand und Würgassen) und symbolischen Müllfässern lockte die Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck am Samstag Passanten zu Gesprächen an. Hier verkündete auch der Weserbergland-Tourismus seine Warnung vor negativen Konsequenzen.
Mit einem gelben Container mit W-Emblem (für Widerstand und Würgassen) und symbolischen Müllfässern lockte die Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck am Samstag Passanten zu Gesprächen an. © Thomas Thiele

Der Tourismusverband für das Weserbergland hat sich jetzt offiziell gegen das geplante Atommülllager in Würgassen positioniert.

Bad Karlshafen/Würgassen/Hameln. Der Weserbergland Tourismus mit Sitz in Hameln hat sich am Wochenende erstmals öffentlich gegen das geplante Atommüllzwischenlager in Würgassen ausgesprochen. Es liege mitten im Weserbergland und werde seitens der Tourismusvertreter als „unzumutbar und schädigend“ beurteilt. wesentliche Gut der Region sei die in Jahrhunderten gewachsene Kulturlandschaft. Man müsse davon ausgehen, dass das Zwischenlager gravierende Auswirkungen auf die Bevölkerung, Natur und Landschaft sowie auf die regionale Wirtschaft habe, formulierte Geschäftsführerin Petra Wegener in einer Presseerklärung.

Der Tourismus im Weserbergland könne als wesentlicher Wirtschaftsfaktor in der Region inzwischen eine äußert erfolgreiche Bilanz vorweisen, erklärte sie. Inzwischen finden rund drei Millionen Übernachtungen jährlich in der Region statt. Insgesamt entstünden dadurch ein Bruttoprimärumsatz von einer Milliarde Euro und 22 000 Vollzeitarbeitsplätze.

Der geplante Zwischenlagerbau schädige den Tourismus und damit ein wichtiges wirtschaftliches Standbein nachhaltig.

Das Weserbergland habe in den zurückliegenden Jahren erheblich in touristische Infrastruktur investiert. Das touristische Rückgrat der Region sei der Weser-Radweg, der in den vergangenen Jahren mit hohen Investitionen zum Premiumprodukt in Deutschland ausgebaut wurde. Der Weserradweg sei laut Wegener mit vier Sternen laut ADFC zertifiziert und bereits zum dritten Mal in Folge als beliebtester Fernradweg in Deutschland ausgezeichnet worden. Der Radweg verzeichne jährlich rund 350 000 Gäste, die den Radweg befahren, und führe vorbei am Standort des 1995 stillgelegten und dann zu einem großen Teil zurückgebauten früheren Kernkraftwerks Würgassen, wo nun das Zwischenlager errichtet werden soll.

Petra Wegener
Petra Wegener © Petra Wegener

„Sollten dadurch auch nur einige Übernachtungen und Tagesgäste ausbleiben, stellt dies einen hohen Schaden für die gesamte Region dar. Die Wirtschaftskette, die durch den Tourismus in Gang gesetzt wird, ist unterbrochen und kann vehemente Auswirkungen erzeugen“, erklärt die Tourismus-Geschäftsführerin weiter. Bei einem Wegfall nur eines Viertels der heutigen Gäste wären die wirtschaftlichen Auswirkungen für einzelne Hotel- und Gastronomiebetriebe katastrophal: „Die Region, die bereits jetzt schon beeinträchtigt wird durch Windräder, Atomkraftwerke und eventuelle Salzeinleitungen in die Weser, kann eine weitere Belastung wirtschaftlich und touristisch nicht verkraften.“ Gleichzeitig werde sie gravierend im Wettbewerb benachteiligt.

Als Fazit bleibe laut Wegener, dass das Zwischenlager grundsätzlich abzulehnen sei, zumal die Anlage das Landschaftsbild in einem unerträglichen und nicht hinnehmbaren Maße beeinflussen würde. Das habe direkte massive Auswirkungen auf den Tourismus und würde die gesamte regionale Entwicklung beeinträchtigen.

Das neue Gebäude des Zwischenlagers wäre so groß, um darin das Brandenburger Tor und das 281 Meter entfernte Reichstagsgebäude unterzubringen, eine unübersehbare Mega-Halle, verdeutlichte Dirk Wilhelm von der Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck. Der am Wochenende beim Bürgerfest am Hafen in Bad Karlshafen aufgestellte symbolische Atommülltransportcontainer sollte veranschaulichen, was nach dem Bau des Zwischenlagers für 30 Jahre zum Alltagsbild auf den Straßen der Region gehören würde. Auch diesmal begegneten Dirk Wilhelm an dem Informationsstand wieder Menschen, die trotz intensiver Öffentlichkeitsarbeit bislang noch nichts von den Zwischenlagerplänen gehört hatten. (Thomas Thiele)

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