Raubüberfall: Dauerkiffer lässt als Hauptbelastungszeuge Prozess platzen

Weil ein 24-Jähriger aus Bad Karlshafen in einer Verhandlung vor dem Paderborner Landgericht zu unglaubwürdig war, wurden jetzt die drei Angeklagten freigesprochen.

Ehrlicher Zeuge oder Märchenerzähler? Ein 24-Jähriger aus Bad Karlshafen hat vor dem Landgericht Paderborn einen Strafprozess platzen lassen, in dem er der Hauptbelastungszeuge war. Der Jugendkammer blieb nur, die drei Angeklagten freizusprechen.

Zwei 19 und 22 Jahre alte Männer aus Beverungen und ein 21-Jähriger aus Lauenförde sollten im März 2013 eine Spielothek in Beverungen überfallen haben - maskiert sowie mit einem Messer und einer Spielzeugpistole bewaffnet. Die Kassiererin, von dem Erlebten schwer traumatisiert, konnte keinen der Täter erkennen.

Aufgrund einer Aussage des 24-Jährigen aus Bad Karlshafen war die Polizei Monate später auf das Trio aufmerksam geworden. Wie eine Polizistin aus Hofgeismar als Zeugin erklärte, hatte der als „polizeibekannter Intensivtäter“ geltende 24-Jährige bei einer Vernehmung behauptet, der Überfall sei von dreien seiner Freunde begangen worden - bei ihm hätten sie sich auch die Spielzeugpistole „geliehen“. Die Polizistin betonte, die Kommunikation mit dem Drogenkonsumenten sei nicht immer einfach, der Wahrheitsgehalt manchmal fragwürdig.

Diese Erfahrung musste auch die Jugendkammer des Landgerichts machen. Während der Karlshafener am ersten Verhandlungstag die ganze Geschichte noch schlüssig darstellte, widersprach ihm dann ein Freund, der in dem Prozess zusätzlich als Zeuge geladen worden war. Der 22-Jährige hatte nach eigenem Bekunden nämlich das vorgebliche „Ausleihen“ der Pistole gar nicht miterlebt und relativierte auch weitere Aussagen des Hauptbelastungszeugen. Beim Verlassen des Gerichtssaales empfahl er seinem Kumpel laut: „Erzähl keinen Scheiß.“

„Entzugserscheinungen“  

Der erneut in den Zeugenstand gerufene Karlshafener, auf dessen Aussage der ganze Prozess fußte, eierte nun ziemlich herum. Er wusste plötzlich doch nicht mehr, von wem er gehört hatte, dass die Angeklagten die Spielhalle ausgeraubt hätten. „Ich bin seit acht Jahren Dauerjunkie“, führte der 24-Jährige seinen Haschischkonsum an, um seine ausufernden Gedächtnislücken zu erklären. Außerdem leide er just in diesem Moment an Entzugserscheinungen, schließlich konsumiere er „von montags bis sonntags den ganzen Tag.“

„Vielleicht was verwechselt“

Richterin Margret Manthey hatte mittlerweile von dem Wackel-Zeugen die Nase voll: „Haben Sie damals bei der Polizei Mist erzählt?“ Mit entwaffnender Attitüde gab der 24-Jährige zurück: „Kann sein. Vielleicht hab ich da was verwechselt. Kann mich nicht mehr erinnern.“

„Wenn der Zeuge standhaft und glaubwürdig gewesen wäre, hätte das die Grundlage für eine Verurteilung sein können“, begründete die Richterin den von Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragten Freispruch für das Angeklagten-Trio.

Von Ulrich Pfaff

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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