Heizen und Lüften: Flüchtlinge müssen richtigen Umgang lernen 

Offene Fenster halten sich auf diesem Foto von der Jugendherberge in Grenzen. Foto: Löschner

Bad Karlshafen. Fenster in Karlshafener Flüchtlingsunterkünften sind oft weit geöffnet. Die Bewohner müssen den verantwortungsvollen Umgang mit Energie noch lernen.

Einigen Nachbarn von Karlshafener Flüchtlingsunterkünften ist in den vergangenen Wochen aufgefallen, dass an den Gebäuden ständig zahlreiche Fenster weit geöffnet oder gekippt sind - egal wo sich die Außentemperaturen gerade bewegen. Eine Beobachtung, die nicht gerade für den verantwortungsvollen Umgang mit Energie in den Unterkünften spricht, auch wenn Dauerfrost in diesem Winter derzeit noch kein Thema ist.

Für die Betreuerinnen und Betreuer des Landkreises ist Umwelt- und Ressourcenschutz in den Unterkünften ein Dauerthema: Ob Mülltrennung, stromsparende Beleuchtung oder eben Heizen und Lüften - all das werde immer wieder mit den Bewohnern besprochen, berichten Gabi Koschwitz und Hildegard Gunkel-Becker.

Im Hotel Schöneck, das zuerst bezogen wurde, funktioniere das mittlerweile gut und auch an Jugendherberge und Kurparkhotel waren in den vergangenen Tagen kaum offene und weniger gekippte Fenster zu sehen. Trotzdem bleibe Heizen und Lüften eher ein schwieriges Thema für Menschen, die weder unser Klima noch unsere Zentralheizungen gewohnt seien - das zeige sich auch bei den Familien, die in Wohnungen untergebracht sind.

Sonderfall am Kurpark 

Auch aus anderen Unterkünften im gesamten Landkreis ist die Thematik bekannt. „Die Verfahrensweisen, die für uns bei Mülltrennung oder dem richtigen Heizen und Lüften gang und gäbe sind, müssen erst gelernt werden - wir selbst haben das auch nicht schon immer so gemacht“, sagt Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreises. Auch das gehöre zurIntegration. Ein Sonderfall seien die Küchenfenster im Hotel am Kurpark. Da die große Küche mit sechs Herden keine adäquate Belüftungsanlage habe, müssten die Fenster geöffnet sein. Der Raum werde aber auch nicht beheizt.

Nahezu identische Probleme mit dem Eingewöhnen gibt es auch in Hofgeismar und Oberweser. Beim Einzug der ersten Flüchtlinge im Spätsommer in die Gemeinschaftsunterkunft an der Brückenstraße in Gieselwerder war das richtige Lüften auch ein Dauerthema. Zur Temperaturregelung waren die Fenster dort den ganzen Tag geöffnet, so, wie es etwa in Mittelmeerländern der Fall ist, wo es gar keine Heizung, aber dafür sehr heiße Tage gibt. „Alles ein Lernprozess“, heißt es immer wieder.

Es komme auch auf das Klima in den Herkunftsländern an: In Afghanistan müsse geheizt werden, in Syrien dagegen eher weniger. Im Unterrichtsraum funktioniert das Energiesparen inzwischen gut, auch weil Zettel mit „Licht aus, Heizung aus“ an der Wand kleben. Im Berghof bei Oedelsheim wohnen die Besitzer mit im Haus und achten auf das Gebäude.

Licht ständig eingeschaltet 

Bei den Stromkosten schlug vor allem das dauernd eingeschaltete Licht zu Buche, weshalb man sich entschloss, in dem Gebäude in Gieselwerder Bewegungsmelder einzubauen. In der Unterkunft in der Manteuffelanlage in Hofgeismar fallen die ständig geöffneten Fenster der Sanitärräume direkt an der B 83 besonders deutlich ins Auge. Der Lernprozess hält auch hier noch an.

Ein Heizen durch die Fenster gab es lange Zeit übrigens auch in Deutschland, beispielsweise in den Plattenbauten in der früheren DDR, wo es zwar durch Mauerritzen zog, aber soviel Fernwärme angeliefert wurde, dass man die überschüssige Hitze wegen der mitunter nicht abstellbaren Heizkörper nur durchs Fenster loswerden konnte.

Von Thomas Thiele und Markus Löschner

 

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