Corona-Einbruch nach Rekord – Verband befürchtet Insolvenz

Sorge um Zukunft der Jugendherberge in Helmarshausen

Herbergsleiter Sebastian Freitag vor der Jugendherberge in Helmarshausen
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Sorgen um die Zukunft: Herbergsleiter Sebastian Freitag vor der Jugendherberge Helmarshausen. Das Haus ist denkmalgeschützt und war einst ein Erholungsheim für Bergleute der Ruhr-Knappschaft.

Ein Rekordjahr hatte die Jugendherberge Helmarshausen mit 23.000 Übernachtungen 2019 geschafft. Für dieses Jahr erwartete Herbergsleiter Sebastian Freitag noch mehr Gäste.

Helmarshausen - Doch dann kam die Coronakrise und warf alle Buchungen über den Haufen. 192 Betten hat die Herberge am Ortsrand, die seit 1. Juli wieder geöffnet ist. 70 Gäste täglich müssten kommen, damit sich der Betrieb zumindest einigermaßen rechnet. Doch wochentags sei kaum ein Besucher da, sagt Freitag – auch derzeit in den Ferien nicht. An Wochenenden quartierten sich bis 20 Gäste ein. Freitag weiß nicht, wie lange das Herbergswerk diese Situation bewältigen kann. Erst einmal liegt seine Hoffnung auf dem Monat August – „wenn nichts dazwischen kommt“. Für August liegen etwa 1800 Buchungen vor.

Alle hessischen Jugendherbergen in Sorge

Die Sorgen betreffen nicht nur die Herberge in Helmarshausen, sondern den gesamten Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks und damit alle hessischen Jugendherbergen. Sprecher Knut Stolle warnt: Bleibe Hilfsgeld aus, sei der Verband gezwungen, im September oder Oktober in eine geregelte Insolvenz zu gehen. Eine Million Euro habe der Verband im Frühjahr vom hessischen Sozialministerium bekommen. Dafür sei man sehr dankbar. Die Summe reiche aber gerade aus, um einen Monat zu überbrücken. Von den 21 geöffneten Herbergen sei „nur eine Handvoll“ gut belegt. Nach den Ferien werde es noch schlechter aussehen. Dazu komme, dass Mitte August die Saison schon wieder vorbei sei – „ohne dass sie richtig angefangen hat“. Stolle hofft, dass auch für gemeinnützige Anbieter wie das Herbergswerk noch einmal Hilfsgeld fließt. Gespräche dazu liefen.

Herbergsleiter Freitag hat seine 13 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Er ist stolz auf das Team, trotz der Einbußen sei „keiner abgesprungen“. Eine schnelle Besserung für Helmarshausen sei nicht in Sicht – zumal das Land alle Klassenfahrten für das bevorstehende Schulhalbjahr abgesagt hat. Im zweiten Halbjahr seien Fahrten nur möglich, wenn sie kostenlos storniert werden könnten.

Überbrückung mit Krediten nicht möglich

Das Jugendherbergswerk darf als gemeinnütziger Verein keine Rücklagen bilden. Das erschwert die Situation. Auch eine Überbrückung mit Krediten ist nicht möglich. Verbandssprecher Stolle: „Wir leben gerade von dem Geld, das wir für Neubauten in Marburg und Rüdesheim gespart haben.“ Das Land habe zwar eine weitere Unterstützung angekündigt. Die müsste sich das Herbergswerk aber mit vielen anderen Betreibern von Bildungsstätten und Gästehäusern teilen.

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