Sozialdemokraten fordern Standortprüfung für Würgassen

SPD Bad Karlshafen: Geplantes Atommüll-Zwischenlager gefährdet Tourismus

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Auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks in Würgassen ist ein Logistikzentrum für radioaktiven Abfall geplant.

Das geplante Atommüll-Zwischenlager in Würgassen sorgt im Dreiländereck weiter für Diskussionen. Die SPD aus Bad Karlshafen meldet sich dazu zu Wort.

Gerade erst haben Probebohrungen als Voruntersuchung für das Projekt auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks in dem Beverunger Stadtteil begonnnen. Das stößt in der Region auf breite Kritik. Nun hat die SPD aus Bad Karlshafen eine Resolution gegen die Pläne formuliert. Hier einige Eckpunkte zum Thema:

Das Projekt

In Würgassen soll ein Logistikzentrum für schwach- und mittelradioaktive Abfälle entstehen – so lautet die Bezeichnung der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), die das Projekt umsetzen soll. Dort soll ab 2027 Atommüll aus Deutschland gesammelt, sortiert und mit Zügen und Lastwagen zum Endlager Konrad in Salzgitter transportiert werden, das derzeit noch fertiggestellt wird.

Der Bau in Würgassen soll 325 in der Länge, 125 Meter in der Breite und 16 Meter in der Höhe messen. Die Außenwände sollen eine Stärke von 85 Zentimetern erhalten – in unserer Mittwochsausgabe war versehentlich von 85 Metern die Rede gewesen. Das Dach soll einen Meter dick werden. In Würgassen lagert bereits verstrahlter Abfall aus dem Rückbau des bis 1994 betriebenen Kernkraftwerks.

Die Kritiker

Bürgermeister, Landräte, Abgeordnete aus Bundestag und Landtag, Mandatsträger aus Kommunen und Bürgerinitiativen: Der Widerstand gegen das Projekt in Würgassen ist länderübergreifend und breit gefächert. Als die BGZ Anfang März das Projekt vorstellte, zeigte sich die ganze Region im Dreiländereck Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen überrascht und auch überrumpelt. Seitdem ist viel Kritik laut geworden. Erst am Montag gab es eine Mahnwache der „Bürgerinitiative gegen atomaren Dreck im Dreiländereck“, an der rund 60 Menschen teilnahmen.

Die Resolution

In die öffentliche Kritik reiht sich die SPD Bad Karlshafen ein. Der Vorstand des Ortsvereins Bad Karlshafen und die Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung haben aktuell eine Resolution zu Würgassen beschlossen. Darin wird die Stadt aufgefordert, „sich aktiv gegen diese Planungen“ zu wenden. Sie solle sich mit dem Kreis Kassel und dem Land Hessen, aber auch länderübergreifend, dafür einsetzen, dass Alternativen für den Standort des Logistikzentrums erneut geprüft werden. Für Würgassen solle gegebenenfalls eine andere Funktion gefunden werden, „die mit dem aufblühenden Tourismus besser vereinbar ist“, formulieren die Sozialdemokraten.

Sie verweisen auf hohe Investitionen in die touristische Infrastruktur in der Stadt und in der Region. Alleine in Bad Karlshafen seien in den vergangenen Jahren bis hin in das laufende Haushaltsjahr mehr als zwölf Millionen Euro an Fördermitteln des Bundes und des Landes Hessen investiert worden, hinzu kämen erhebliche Eigenmittel. Dies alles sei in die Wiederanbindung des historischen Hafens mit dem Bau einer neuen Schleuse zur Weser, die Sanierung der Hafenmauer und die Neugestaltung der Hafenmauer sowie in Denkmalschutz und Infrastruktur geflossen.

In unmittelbarer Nachbarschaft sei im Reinhardswald ein Naturpark entstanden und entlang der Diemel ein länderübergreifender Wanderweg, der Diemelsteig, der von Warburg über Trendelburg und Bad Karlshafen bis Beverungen führt und mit öffentlichen Mitteln gefördert worden ist. Entlang der Weser verlaufe zudem der bundesweit beliebteste Fernradweg.

Das Logistikzentrum sei wegen des Verkehrsaufkommens und der Gefahren durch die Lagerung radioaktiven Materials „kontraproduktiv für die Bemühungen der Stärkung des Tourismus im Dreiländereck“, lautet das Fazit der SPD.

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