Studie: Bad Karlshafen ist Wohlfühlstadt mit Problemen

Schöne Fassaden: Viele Autos, leere Geschäfte, keine Menschen – das in Bad Karlshafen etwas nicht stimmt, ahnt man bei einem Stadtrundgang. Foto:Löschner

Bad Karlshafen. In Sachen Lebensqualität bekommt Bad Karlshafen von seinen Bewohnern nur ein „Befriedigend", der Wohlfühlfaktor und das bürgerliche Engagement sind aber dennoch überdurchschnittlich hoch.

In zwanzig Jahren wird die Stadt, so die Vermutung der Menschen, eher schlechter dastehen - Schuld sind die demografische Entwicklung, die verheerenden Finanzen, die Infrastruktur und der Arbeitsplatzmangel.

Was tun? Die Potenziale Stadtbild (das jedoch aufgewertet werden muss), Landschaft und Wellnessangebote für den Tourismus nutzen, Angebote für Jugendliche schaffen, neue Einkaufsmöglichkeiten ansiedeln und kommunale Aufgaben auf die Bürger übertragen.

So in etwa lässt sich das Ergebnis der Studie „Bürgerschaftliches und politisches Engagement als Faktoren demografischer Zukunftsfähigkeit“ zusammenfassen, in Auftrag gegeben von Stadt und Landkreis Kassel und der evangelischen Akademie Hofgeismar. Erstellt wurde die Arbeit vom Fachbereich Architektur-Stadtplanung-Landschaftsplanung der Uni Kassel.

Diplom-Geographin Simone Markert und Professor Ulf Hahne präsentierten nun die Ergebnisse für Bad Karlshafen, untersucht wurden auch der Trendelburger Ortsteil Stammen, die Kernstadt Hofgeismar und zwei Kasseler Stadtteile.

Zunächst wurden statistische Daten gesammelt, dann Interviews mit Verantwortlichen aus Verwaltung und Institutionen geführt sowie Bürger befragt. Nachfragen ergaben sich aus der unklaren Trennung zwischen Bad Karlshafen - wofür die Studie eigentlich gelten sollte - und Helmarshausen.

Einige statistische Daten und die Umfrage fassten beide Ortsteile zusammen, Vereinsdaten wurden dagegen nur für Bad Karlshafen ausgewertet. Im Vergleichsfeld zeigt Bad Karlshafen die ungünstigste Bevölkerungsentwicklung (minus 13 Prozent zwischen 2002 und 2012), aber das Engagement der Bürger und die Bindung an den Ort sind der Umfrage zufolge eher hoch.

Allerdings leidet die Arbeit der Vereine zum Teil an der Altersverschiebung, an Bürokratie und den Anforderungen an Ehrenamtliche. An vielen Stellen schwinden Mitglieder, finden sich keine Nachfolger für Posten.

Nur Sport und Feuerwehr verzeichnen derzeit in Bad Karlshafen wachsende Zahlen. In der Kritik steht auch die Stadtverwaltung: mangelnde Kooperation und Anerkennung für die Vereine sowie zu wenig Engagement in der Verwaltung bemängeln die Ehrenamtlichen.

Die Lasten verschieben sich: Hat früher die Stadt den Vereinen geholfen, müssen diese nun der Stadt unter die Arme greifen. (zlö)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.