Weder Therme noch Versicherung wollen zahlen

Sturz in Wesertherme in Bad Karlshafen: Immenhäuser verlangt Schmerzensgeld

Beim Ortstermin mit der HNA demonstrierte Rolf Schabacker, wie er verletzt auf dem Podest der Außentreppe lag. Die Treppe wurde inzwischen erneuert.
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Beim Ortstermin mit der HNA demonstrierte Rolf Schabacker, wie er verletzt auf dem Podest der Außentreppe lag. Die Treppe wurde inzwischen erneuert.

Bad Karlshafen. Für Rolf Schabacker war die Wesertherme in Bad Karlshafen seit Jahren ein Ort, an dem er sich gerne aufhielt. Doch die Besuche fanden ein Ende.

Hier konnte er im Solewasser entspannen und sich in der Saunalandschaft erholen. „Als Stammgast war ich alle paar Wochen in der Therme“, sagt der Immenhäuser. Doch am 2. Februar fanden seine Thermenbesuche ein jähes Ende: Schabacker rutschte aus und zog sich eine schwere Bänderverletzung in der Schulter zu.

Das kam so: Nachdem er sich in der Saunalandschaft im Inneren aufgehalten hatte, wollte der 70-Jährige Abwechslung und ging in die Bootssauna am Weserufer. Die ist von innen nur über eine Außentreppe zu erreichen. Der sportliche Senior ging die Treppe beschwingten Fußes abwärts und sicherte sich mit der Hand am Handlauf ab, der in der Treppenmitte angebracht war.

Rentner stürzte auf Marmorpodest in Wesertherme

Doch als er auf dem Mittelpodest angelangt war, löste sich das Edelstahlrohr plötzlich aus einer Muffe. Es gab nach und Schabacker, der keinen Halt mehr fand, stürzte auf den Marmorboden.

Inzwischen saniert: Die Treppe mit Marmorsäulen am Rand und Handlauf in der Mitte.

Mit diesem Sturz begann für den bis dahin agilen Mann eine Krankengeschichte, die bis heute nicht ausgestanden ist. Weil die Schmerzen in der Schulter auch nach Wochen nicht nachließen und die ärztliche Behandlung keinen Erfolg brachte, wurde eine Untersuchung per Magnetresonanztomographie (MRT) angeordnet. Dabei stellten die Ärzte fest, dass Bänder in Schabackers Schulter infolge des Sturzes komplett gerissen sind. Der Patient hofft nun, dass er in der nächsten Wochen operiert werden kann.

Die körperlichen Beschwerden sind die eine Seite seines Leidens. Die Tatsache, dass niemand für seinen Sturz verantwortlich sein will, die andere. Weder die Therme, noch die Stadt Bad Karlshafen, der das Bad gehört, noch die Versicherung der Kommune. „Alle sagen, ich hätte den Handlauf selber aus der Verankerung gerissen. Aber wie soll das ein 70-Jähriger mit 65 Kilo Körpergewicht überhaupt schaffen?“ 

Für Schabacker steht definitiv fest: Das Rohr war nicht ordnungsgemäß befestigt. Es müsse sich also bereits vor der Benutzung durch ihn gelockert haben.

Hielt nicht: An diesem Bereich zog sich der Handlauf aus der Verankerung.

Angesichts seines körperlichen Schadens hatte Rolf Schabacker vergleichsweise bescheidene Ansprüche, was die Höhe eines Schmerzensgeldes betrifft. Aufgrund seiner Verletzung konnte er einen 450-Euro-Job nicht mehr ausüben. 1200 Euro hatte er von der Leitung der Wesertherme als „Schmerzensgeld“ erbeten.

Das sagt die Wesertherme

Die Wesertherme allerdings beruft sich auf die kommunale Versicherung, die in dem Fall „keine schuldhafte Verletzung der Verkehrssicherungspflicht“ des Bades und der Stadt sehen will. Man gehe davon aus, dass durch den Sturz ein hoher Druck auf das Geländer aufgebaut wurde, sodass sich dieses auseinandergedrückt habe, schrieb man dem Anspruchsteller. Für Rolf Schabacker ist das Schreiben indes der Versuch, Ursache und Wirkung umzudrehen. Denn die Versicherung teilte ihm weiter mit: „Der Sturz wurde insoweit nicht durch einen gelösten Handlauf ausgelöst, vielmehr hat dieser sich erst beim Fall verschoben und somit vermutlich Schlimmeres verhindert.“ Der Geschädigte meint: „Hier wird das Opfer zum Täter gemacht.“ 

Inzwischen hat die Stadt die Treppe erneuert. Die beim Bau im Jahr 2004 aufgestellten Marmorsäulen, die für Kritiker eine verkitschte Anspielung auf die Klassik darstellten, sind durch Außengeländer ersetzt worden. Während der Mittelhandlauf ganz verschwunden ist, sind die Treppenstufen nun mit rutschsicheren Granitplatten belegt. Die Maßnahme sei allerdings schon früher geplant gewesen, sie habe nichts mit dem Unfall des Rolf Schabacker zu tun, sagt Thermen-Geschäftsführerin Martina Abel. 

Fall soll erneut geprüft werden 

Bürgermeister Marcus Dittrich ist Aufsichtsratsvorsitzender der Bad Karlshafen GmbH, zu der die Therme gehört. Im Gespräch mit unserer Zeitung sicherte er zu, den Fall nun noch einmal prüfen zu wollen. Dabei ließ er Verständnis für den Unmut des früheren Stammgastes der Wesertherme durchblicken.

Hier befindet sich die Wesertherme

Das Video ist nicht Teil der HNA-Berichterstattung. Es gehört zur unabhängigen Videoplattform Glomex.

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