Kolibakterien im Wasser

Trinkwasser in Bad Karlshafen sollte weiter abgekocht werden

Nach den hohen Niederschlägen bildeten sich im Uferbereich der Diemel Schaumkronen auf dem Wasser: Für Umweltschützer ein Zeichen, dass hier großflächige Verunreinigungen stattfinden. Foto:  Privat

Bad Karlshafen. Die genaue Ursache der Verunreinigung des Bad Karlshafener Trinkwassers mit Kolibakterien ist immer noch nicht geklärt.

Die Verkeimung sei von der Rohwassergewinnung über die Wasseraufbereitung im Wasserwerk bis zum Leitungsnetz nachgewiesen worden. Das teilte Bürgermeister Ullrich Otto am Donnerstag den Stadtverordneten mit.

„Daher ist eine genaue Zuordnung der Ursache und deren Beseitigung noch nicht möglich. Weitere Untersuchungen und Maßnahmen müssen durchgeführt werden“, teilte am Freitag die AWS, die für die Stadt als Dienstleister die Trinkwasserversorgung betreibt, mit. Das Wasser abzukochen und zu chloren, sei daher weiter notwendig.

Das Abkochgebot gelte indes solange, bis genügend freies Chlor im Trinkwasser beim Endverbraucher nachweisbar ist. Die Keimfreiheit müsse durch erneute mikrobiologische Untersuchungen bestätigt werden, so die AWS. Parallel dazu würde weiter daran gearbeitet, die Ursache zu finden und zu beseitigen.

Bürgermeister Otto wies Vorwürfe zurück, die Stadt habe die Bürger nicht rechtzeitig und umfassend informiert. „Ich selber habe erst am Samstag um 17.35 Uhr davon erfahren“, sagte Otto. Danach habe die Stadt die Öffentlichkeit informiert. In dem Zeitraum davor sei nur „zwischen der AWS und dem Gesundheitsamt kommuniziert worden“. Auch in der Stadtverordnetenversammlung war kritisiert worden, dass die Informationszettel mit den Hinweisen zur Belastung des Trinkwassers an viele Haushalte erst am Dienstag verteilt wurden.

Bund: Überdüngte Äcker

Eine großflächige Belastung mit E-Kolibakterien, wie sie derzeit in Bad Karlshafen und Helmarshausen nachgewiesen wird, stammt häufig aus Einträgen aus landwirtschaftlichen Flächen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht einen möglichen Zusammenhang mit seiner Beobachtung, dass „auf den begrenzten Flächen rund um Helmarshausen zuviel des Guten gedüngt wird“. Da würden Mindestabstände und Mindestmengen an Uferzonen der Diemel und Bächen beim Aufbringen von Gülle nicht immer eingehalten. Überproportionale Mengen an Klärschlämmen und Gülle gelangten auf die Äcker und damit über kurz oder lang ins Grundwasser.

Die großen Niederschlagsmengen von vor zwei Wochen würden solche Entwicklungen beschleunigen und verstärkten die Gefahr der Grundwasserkontaminierung. „Die Schaumberge auf der Diemel, einem Fluss mit normalerweise Wasserqualitätsstufe II, machen deutlich, was da in Zukunft auf das Grundwasser zukommt“, erklärt der BUND.

Hintergrund

In Bad Karlshafen und Helmarshafen soll es bereits Fälle von Durchfallerkrankungen gegeben haben. Nachdem die Belastung des Trinkwassers am vergangenen Wochenende bekannt gegeben worden war, stellten Betroffene einen direkten Zusammenhang mit der Verunreinigung durch Kolibakterien her. Denn es gilt als sicher, dass die Belastung des Wassers schon vor dem Nachweis im Labor bestanden hatte.

Kolibakterien (Escherichia coli) sind Bakterien, die in der Darmflora von Säugetieren vorkommen und das Funktionieren des Verdauungstraktes gewährleisten.

Einige Stämme sind allerdings gefährlich und können Infektionen und Krankheiten wie Infektionen der Harnwege, des Verdauungstraktes und auch Gehirnhautentzündung verursachen.

Die Ansteckung erfolgt beim Menschen oral durch kontaminierte Lebensmittel oder verunreinigtes Trinkwasser. Die Inkubationszeit dauert drei bis vier Tage.

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