Gesellschaft für Zwischenlagerung verteidigt Standortenscheidung

Atommüll-Logistikzentrum Würgassen: BGZ plant mit Bau ab 2023

Blick auf das Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Würgassen.
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Ehemaliges Kernkraftwerk: Würgassen hat als Atomkraftstandort eine längere Geschichte (im Bild das Gelände des alten KKW). Nun soll dort ein Logistikzentrum für radioaktive Abfälle entstehen.

Baubeginn des Logistikzentrums für radioaktive Abfälle in Würgassen könnte im Jahr 2023 sein, Genehmigungsanträge für das Projekt sollen Ende 2021 oder Anfang 2022 eingereicht werden.

Würgassen - Das haben Vertreter der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt. Gleichzeitig verteidigten sie die Wahl des Standorts in dem Beverunger Stadtteil (Westfalen) und den Zeitpunkt, an dem die Öffentlichkeit informiert worden war.

Das war am 6. März geschehen. Seitdem gibt es in der Region Kritik an dem Vorhaben, teilweise haben Kommunalparlamente Resolutionen dagegen beschlossen, die am Dienstag von regionalen Bundestagsabgeordneten an Bundesumweltministerin Svenja Schulze übergeben wurden. Befürchtet werden negative Auswirkungen auf den Tourismus in der Region und mehr Verkehrsbelastung. Zudem gibt es Sicherheitsbedenken, auch die Standortwahl sei nicht nachvollziehbar.

„Die Befürchtungen aus der Region muss man ernst nehmen“, sagte Burghard Rosen, Leiter der Pressestelle der BGZ, jener Gesellschaft, die das Zentrum bis 2027 fertigstellen soll. Deswegen versuche man, auch in Coronazeiten – durch ein Online-Forum, aber auch durch Präsenzveranstaltungen wie am 22. September in Beverungen – den Informationsfluss zu gewährleisten.

Die BGZ verweist unter anderem darauf, dass das Öko-Institut – ein nach eigenen Angaben unabhängiger, gemeinnütziger Verein – die grundsätzliche Eignung des Standorts bestätigt habe. Zudem werde es im Genehmigungsverfahren eine Beteiligung der Öffentlichkeit und eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben. Ziel des Logistikzentrums sei es, Container mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall wie Bauelementen, getragenen Schutzanzügen und Reinigungsmaterial aus deutschen Atomkraftwerken passgenau für das Endlager Konrad (Salzgitter) vorzubereiten, das ebenfalls 2027 fertig sein soll.

Die Transporte sollen weitestgehend per Bahn erfolgen, der Gleisanschluss am alten Atomkraftwerksgelände in Würgassen soll saniert werden. Man rechne mit höchstens zehn Zugbewegungen pro Tag, also beispielsweise fünf Hin- und fünf Abfahrten, erklärte Hendrik Kranert-Rydzy, der als Pressesprecher bei der BGZ das Projekt Würgassen begleitet. Ein kleiner Teil der Transporte solle per Lastwagen erfolgen.

28 Flächen waren für den Standort für ein zentrales Atommüll-Logistikzentrum untersucht worden, neun kamen in die engere Wahl. Entstehen soll es nun in Würgassen, wo es bereits ein Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (keine Brennelemente) aus dem bis 1994 betriebenen Atomkraftwerk gibt. Für das Logistikzentrum ist ein 325 Meter langes, 125 Meter breites und 16 Meter hohes Gebäude aus Stahlbeton geplant. Kosten: 450 Millionen Euro.  (Matthias Müller)

Informationsveranstaltung am 22. September - Teilnahme nur mit Anmeldung

Nachdem im März eine erste Veranstaltung zum geplanten Bauvorhaben in Würgassen (Landkreis Höxter) aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, wird diese nun am 22. September, 18 Uhr, in der Stadthalle Beverungen nachgeholt. Da die mögliche Zahl von Gästen aufgrund der Corona-Situation begrenzt ist, wird die BGZ (Gesellschaft für Zwischenlagerung) bei einem größeren Interesse kurzfristig eine zweite Veranstaltung anbieten. Darüber hinaus wird der Info-Abend live (bgz.de, logistikzentrum-konrad.de) übertragen. Geschäftsführer Dr. Ewold Seeba, der Generalbevollmächtigte Christian Möbius und der Bereichsleiter für das Logistikzentrum, Dr. Heinz-Walter Drotleff, werden das Bauvorhaben vorstellen. Es soll ausführlich Gelegenheit für Fragen geben. Wegen des Hygienekonzepts ist eine vorherige Registrierung erforderlich unter bgz.de/veranstaltungen/ oder telefonisch montags bis freitags, 9 bis 16 Uhr, unter Tel. 030/ 253 592-181. Die Anmeldung ist erst nach bestätigter Rückmeldung durch die BGZ gültig. Am Tag der Veranstaltung wird es eine Einlasskontrolle zum Abgleich der angegebenen Daten geben. Mund-Nasen-Schutz und Abstand von 1,5 Metern sind Pflicht. (mam)

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