BI sieht keine rationalen Gründe für Atommülllager

Bürgerinitiative weist Kritik an Würgassen-Gutachten zurück

Das stillgelegte Kernkraftwerk Würgassen liegt derzeit im Schnee.
+
Das stillgelegte Kernkraftwerk Würgassen liegt derzeit im Schnee.

Würgassen – Die Bürgerinitiative Atomfreies 3-Ländereck bleibt dabei: Sie sieht weiterhin ein „unsachliches und teils fehlerhaftes Vorgehen“ bei der Standortauswahl für ein Atommülllager in Würgassen.

In einer Video-Pressekonferenz wies der BI-Vorstand am Freitag die Kritik der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) an dem von der BI in Auftrag gegeben juristischen und planungsfachlichen Gutachten entschieden zurück. Bereits im Dezember hatten der Rechtsanwalt Siegfried de Witt (Potsdam) und der Planungsingenieur Prof. Karsten Runge (Hamburg) in ihrer Expertise gravierende Mängel bei der Entscheidung der BGZ für Würgassen nachzuweisen versucht. Auf und neben dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks will die BGZ ein riesiges Bereitstellungslager für Schacht Konrad bei Salzgitter errichten, wo ab 2027 mittel- und schwachradioaktive Abfälle aus dem ganzen Bundesgebiet endgelagert werden sollen.

Nach der Veröffentlichung des Gutachtens durch die BI warf die BGZ in Stellungnahmen und Veröffentlichungen ihrerseits de Witt und Runge erhebliche Mängel und Fehler vor. In einer oberflächlichen Arbeit würden Behauptungen aufgestellt, ohne sie zu belegen, hatte die BGZ erklärt.

„Die BGZ hat vollmundig versucht, das Gutachten zu diskreditieren, hat dabei allerdings nicht die wirklich inhaltlichen Punkte entkräften können“ sagte Professor Martin Hörning, Vorstandsmitglied der BI, am Freitag in der Pressekonferenz. In ihrer ganzen Argumentation sei die Gesellschaft für Zwischenlagerung nicht ganz ehrlich, sagte Hörning. Sie rede beschönigend von einem Logistikzentrum, wolle in Wirklichkeit aber ein Bundes-Zwischenlager für sämtliche radioaktiven Abfälle errichten. Würgassen sei als die „Mutter aller Zwischenlager“ geplant. Das zentrale Bereitstellungslager sei ein Eingangslager für das Endlager Konrad, sagte Hörning.

So stehe es im Entsorgungsübergangsgesetz. „Ein zentraler Fehler der BGZ ist, dass sie dies entkoppelt. Und die Bevölkerung für dumm verkaufen will, weil sie einfach einen entfernten Standort sucht, für den es keine rationale Begründung gibt“.

Wie auch ihre Gutachter sieht die Bürgerinitiative weiterhin die Kriterien, nach denen Würgassen als alternativloser Standort von der BGZ ausgeguckt wurde, als „mangelhaft zusammengestellt und mangelhaft angewandt“ an. Das Gutachten des Ökoinstituts, das die BGZ als bestätigt ihrer Vorgehensweise anführt, entspreche nicht fachwissenschaftlichen Standards.

Nach Ansicht der BI nimmt die BGZ Sicherheitsbedenken beim Umgang mit mittel- und schwachradioaktiven Abfällen nicht ernst. „Hier sollen radioaktive Abfälle ein paar Millionen zusätzliche Frachtkilometer durch die Lande kutschiert werden und die BGZ tut so, als handele es sich um Mineralwasserflaschen“, sagte Hörning.

Rational ist aus Sicht der Bürgerinitiative Atomfreies 3-Ländereck das Festhalten von Bund und BGZ an Würgassen nicht zu begründen, denn sachlich und fachlich liege die BGZ falsch. „Es gibt für das Unternehmen keinen Gegenwind aus Berlin“, erklärt BI-Kassierer Hubertus Hartmann. „Während in der Region Bundes- und Landtagsabgeordnete, Stadtverordnete, Ratsmitglieder und Kreistage gegen ein Atommülllager Würgassen opponierten, käme aus Berlin nichts. Hartmann: „Uns würde Rückenwind aus der Hauptstadt helfen.“ Die BI setze deshalb darauf, dass sich der Umweltausschuss des Bundestages vor Ort mit dem Thema Atommülllager Würgassen befasst. (Gerd Henke)

Professor Martin Hörning in der Video-Konferenz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.