Bürger können Fragen und Kritik online äußern

Würgassen: Forum zu Atommüll-Lager im Netz

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Geplanter Standort: Auf dem Gelände des stillgelegten Atomkraftwerks Würgassen soll das Atommüll-Lager entstehen. 

Die Betreibergesellschaft BGZ bietet ein neues Informationsangebot zum geplanten Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Beverungen- Würgassen (NRW) an.

Es richte sich vor allem an Bürger aus dem Weserbergland und stehe für Fragen, Kommentare und Kritik offen, heißt es in einer Mittelung der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH. Das Forum wird am heutigen Montag, 6. April, um 9 Uhr auf der Webseite logistikzentrum-konrad.de unter der Rubrik „Ihre Fragen“ online gehen.

„Mit dem Forum erweitern wir unser bisheriges Informationsangebot zum Logistikzentrum für das Endlager Konrad“, erklärt BGZ-Geschäftsführer Dr. Ewold Seeba. Mit einer Pressekonferenz am 6. März hatte die BGZ bereits die Seite logistikzentrum-konrad.de freigeschaltet, auf der alle relevanten Informationen zum Projekt zugänglich seien, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Fragen aus der Bevölkerung beantworte die BGZ seither per Mail und Telefon, dieses Angebot bestehe auch weiter.

Online-Fragen als Alternative

Die geplante Informationsveranstaltung in der Stadthalle Beverungen sowie der persönliche Dialog könnten aufgrund der Corona-Pandemie jedoch aktuell nicht stattfinden. „Um dem Bedürfnis nach weitergehenden Informationen zum Projekt gerecht zu werden, haben wir diese Alternative entwickelt“ sagte Seeba. Das Forum sei ausdrücklich eine Ergänzung und kein Ersatz für die verschobene Informationsveranstaltung. „Diese wird nachgeholt, sobald das ohne eine gesundheitliche Gefährdung der Teilnehmer durch das Corona-Virus möglich ist“, erklärt Seeba.

Für den Zugang sei die Angabe des Namens oder eines Pseudonyms erforderlich. Eine Registrierung sei nicht notwendig. Auf Wunsch informiere die BGZ den Fragesteller per Mail über die veröffentlichte Antwort.

Lager soll 2027 in Betrieb gehen

Der Hintergrund: Die BGZ hat nach einer Untersuchung von 28 potenziellen Flächen entschieden, ein Logistikzentrum für das Endlager Konrad auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen zu errichten. „Die Standortauswahl wurde in einem Gutachten des Ökoinstituts im Auftrag des Bundesumweltministeriums bestätigt“, teilt die Gesellschaft mit. In dem Logistikzentrum sollen Behälter mit fertig verpackten, schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus dezentralen Zwischenlagern für den Transport in das Endlager Konrad zusammengestellt werden. Die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant.

Man gehe von 450 Millionen Euro Investitionskosten aus, hatte Ewold Seeba bei der Vorstellung der Pläne Anfang März erklärt. Es würden 100 Dauerarbeitsplätze entstehen, das Genehmigungsverfahren stehe vor dem Start, hieß es dabei weiter.

Ratssitzung nach Coronakrise

Für die Bevölkerung im Dreiländereck war diese Nachricht aus heiterem Himmel gekommen, selbst Bundes- und Landtagsabgeordnete, Bürgermeister und Mandatsträger waren vorher nicht informiert worden. Spontan hatte sich eine Bürgerinitiative „Kein Atomdreck im Dreiländereck“ gebildet. Der weit fortgeschrittene Prozess der Planung an der Bevölkerung und der Politik vorbei „ist gegenüber den Menschen im Weserbergland in höchstem Maße verwerflich“, sagte beispielsweise BI-Sprecher Dirk Wilhelm.

Bad Karlshafens Bürgermeister Marcus Dittrich verfolgt die Entwicklungen von hessischer Seite aus. Von seinem Amtskollegen aus Beverungen habe er folgende Info, sagte er auf HNA-Anfrage: Vorbereitungen für das Lager in Würgassen liefen trotz Corona weiter, allerdings würden keine entscheidenden Schritte unternommen, bei denen Gremien übergangen werden könnten. Eine gemeinsame Ratssitzung zu dem Thema der Anrainerkommunen wie Beverungen und Bad Karlshafen soll noch stattfinden. Ein Termin dafür sei allerdings mit Blick auf die Coronakrise derzeit nicht absehbar.

Informationsforum der BGZ zu Würgassen unter logistikzentrum-konrad.de/fragen

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