Bürgerinitiative protestiert

Lieber grüne Wiese statt Atomlager in Würgassen

Vor dem ehemaligen Kernkraftwerk in Würgassen demonstrieren Landwirte gegen das Zwischenlager, das dort geplant wird.
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Sie wissen, wie es geht: Mit vereinten Kräften hatten die Bauern im Nu den Boden bereitet und vor dem Gelände 20 Quadratmeter Rasen ausgerollt.

Jetzt reihen sich Bauern in den Widerstand gegen das geplante Atommülllager in Würgassen ein. Am Donnerstag sammelten sich über 20 Traktorfahrer vor dem ehemaligen Atomkraftwerk.

Würgassen – Die Landwirte erinnerten an das vor 25 Jahren von Politik und Betreibern gegebene Versprechen: „vom Kernkraftwerk zur grünen Wiese“. Um keine Zeit zu verlieren, nahmen die Landwirte die Sache symbolisch selbst in die Hand: Sie kippten Mutterboden auf den Asphalt und rollten Rollrasen aus.

„Grüne Wiese“ wurde versprochen

„Die grüne Wiese ist nicht unsere Idee, sie ist uns versprochen worden.“ Damit erinnerte Biobauer Hubertus Hartmann vom Arbeitskreis Würgassen der Bürgerinitiative Bördeland und Diemeltal daran, was Politiker und die Eon als Betreiberin nach dem Abschalten des Akw zugesagt hatten. Stattdessen solle ein Zwischenlager für Atommüll hier errichtet werden. Wenn am Ende Schacht Konrad bei Salzgitter als Endlager für mittel- und schwachradioaktiven Müll „aus dem Rennen genommen wird, ist es nur wahrscheinlich, dass Würgassen Endlager wird“, sagte Hartmann.

Der Widerstand gegen Atomanlagen bringt bunte Slogans hervor: Drei davon stellten die Landwirte an diesen Trecker vor das Haupttor des früheren Atomkraftwerks.

„Hier ist mit gezinkten Karten gespielt worden“, rief BI-Vorstandsmitglied Josef Jacobi den Landwirten und Pressevertretern zu. Zunächst hätten sich Umweltministerium und die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) den Standort Würgassen ausgesucht und „danach die Kriterien passend gemacht“. Auch er befürchtet, dass „eines Tages der gesamte deutsche Atommüll hier eingelagert wird, wenn Konrad nicht betrieben werden kann“. Aber Jacobi machte auch Mut. Der Widerstand zum Beispiel gegen eine Wiederaufarbeitungsanlage im nordhessischen Wethen in den 1980er Jahren oder gegen ein Endlager in Gorleben zeige, was bewegt werden könne. „Unsere Landschaft soll für Fremdenverkehr genutzt werden und nicht für Atommüll“, so der Biobauer.

Bürgermeister beklagt Arroganz

Seit Anfang an steht auch Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm in der Reihe der Kritiker. Er beklagte, „mit welcher Arroganz Bundesumweltministerium und BGZ unterwegs sind“. Während es mit vielen Politikern Gespräche gab, „hat sich Ministerin Schulze hier noch nicht sehen lassen“. Ohne behördliche Genehmigung und ohne dass es einen Bebauungsplan gebe, versuchten Bundesregierung und BGZ gegen das Veto des Beverunger Rates sowie der Bezirksregierung Detmold vollendete Tatsachen zu schaffen.

Der Trendelburger Ortsteil Sielen ist keine 20 Kilometer Luftlinie von Würgassen entfernt. „Der Evakuierungsplan des Kraftwerkes sah vor, dass wir da mit drin sind“, erinnerte Landwirt Ludwig Rüdiger an die Nähe seines Ortes zu dem möglichen Atommülllager. Mit den Kollegen aus Ostheim, Albert Kurzenknabe und Ottmar Rudert, sowie Felix Krieger ist er sich einig, „dass die Planungen gestoppt werden müssen“. (Gerd Henke)

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